Die besten Filme des Kinojahres 2016: Dominics persönliche Top 10

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Gemeinhin verspürt der geneigte Filmfan nicht nur das Bedürfnis seine Meinung mit anderen zu teilen, sondern auch ein ebenso großes Verlangen seine Leidenschaft in Form von Listen zu kategorisieren. Aus diesem Grund lässt es sich wohl kaum einer nehmen gegen Ende des Jahres noch einmal großzügig über die Höhe- und Tiefpunkte der vergangenen zwölf Monate zu reflektieren und anhand dessen dann seine Favoriten zu küren. Ein Blick auf die Listen anderer macht dann meistens schmerzlich bewusst welche Filme man verpasst hat, woraufhin man sich selbst Besserung gelobt, nur um im nächsten Dezember erneut zu merken, dass mittlerweile mehr interessante Filme auf der Agenda, als Tage auf dem Kalender stehen. Ein allgemeingültiges Fazit zum vergangenen Jahr spare ich mir an dieser Stelle mit den knappen Worten, dass 2016 für mich bei weitem nicht so schlecht war, wie viele Kollegen verlauten lassen und es abseits vom wirklich enttäuschenden Blockbustergeschäft zwar keine Meisterwerke, dafür jedoch eine große Fülle an wirklich guten Filmen zu bestaunen gab.

Natürlich soll an dieser Stelle auch noch einmal darauf hingewiesen werden, dass sich meine Auswahl auf Filme beschränkt, die einen deutschen (Heim)Kinostart im laufenden Jahr hatten und deshalb Werke auftauchen beziehungsweise fehlen, die auf internationalen Bestenlisten (nicht) berücksichtigt werden. Starten wir nach diesem kurzen Vorgeplänkel aber am besten direkt mit meinen diesjährigen Lieblingen.

Lobende Erwähnungen:

Anomalisa (Charlie Kaufmann), The End of the Tour (James Ponsoldt), Der Nachtmahr (Akiz), Everybody Wants Some!! (Richard Linklater), Paterson (Jim Jarmusch), Nocturnal Animals (Tom Ford), Entertainment (Rick Alverson), Arrival (Denis Villeneuve), High-Rise (Ben Wheatley), Chevalier (Athina Rachel Tsangari), Rogue One (Gareth Edwards), In den Tiefen des Infernos (Werner Herzog), The Jungle Book (Jon Favreau)

Leider noch nicht gesehen:

Right Now, Wrong Then (Hong Sang-soo), Train to Busan (Yeon Sang-ho), Julieta (Pedro Almodovar), American Honey (Andrea Arnold), Tangerina L.A. (Sean S. Baker), Alles was kommt (Mia Hansen-Love), Valley of Love (Guillaume Nicloux)

Platz 10: The Neon Demon (Kinostart: 23. Juni)

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von Nicolas Winding Refn, mit Elle Fanning und Jena Malone

Von vielen Seiten musste sich Refns neuestes Werk vernichtende Kritik anhören. Tatsächlich ist The Neon Demon jedoch keinesfalls die plumpe Kritik an der Modelwelt, auf die unzählige Zuschauer den Film reduzieren, sondern eine von allen gängigen Regeln der Narration losgelöste Reflektion über die Macht der Bilder und die Kunst des visuellen Erzählens. Ausführlich beschäftigt sich der mit Film mit Oberflächen und Äußerlichkeit, weshalb ihm unverdienterweise fehlender Tiefgang vorgeworfen wurde.

Platz 9: Vor der Morgenröte (Kinostart: 02. Juni)

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von Maria Schrader, mit Josef Hader und Barbara Sukowa

Auch meine Liste kommt nicht ohne einen deutschsprachigen Film aus und überraschenderweise handelt es sich dabei nicht um den Liebling der Nation, Toni Erdmann. Stattdessen gehört dieser Platz dem kleinen, aber feinen Biopic Vor der Morgenröte, ein Film, der wenig daran interessiert scheint langweilige Fakten aus dem Leben seiner Hauptfigur zu erzählen, sondern stattdessen ein vielschichtiges Bild seiner Persönlichkeit zeichnet. Josef Hader verkörpert den zweifelnden Stefan Zweig herausragend und verleiht seiner inneren Zerrissenheit zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Verantwortung ein Gesicht.

Platz 8: The Witch (Kinostart: 19. Mai)

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von Robert Eggers, mit Ralph Ineson und Kate Dickie

Unaufhaltsam speist die düstere Atmosphäre das Kopfkino und obwohl über weite Strecken wenig passiert, scheint die Szenerie dennoch randvoll von unterschwelliger Anspannung zu sein. Als würden die finsteren Kräfte, die das Werk umgeben, nur auf eine kurze Unachtsamkeit warten um das komplette Geschehen mit Unheil zu überfluten. Gebannt starrt man auf die Leinwand und hat dabei das Gefühl als blicke diese zurück.

Platz 7: The Hateful Eight (Kinostart: 28. Januar)

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von Quentin Tarantino, mit Samuel L. Jackson und Kurt Russell

Beschränkt auf einen einzigen Raum macht Tarantino aus der vermeintlichen Reduktion eine Tugend und bewegt seine Figuren so bedacht wie ein erfahrener Schachspieler. Die Versammlung archetypischer Westernhelden wird schnell zu einer intelligenten Auseinandersetzung mit dem Genre selbst und während nach und nach die Masken fallen, generiert der Film weiterhin Spannung durch seine Ungewissheit. Nicht zuletzt aufgrund seines Soundtracks ein atmosphärisches Glanzstück.

Platz 6: Sing Street (Kinostart: 26. Mai)

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von John Carney, mit Ferdia Walsh-Peelo und Aidan Gillen

Auf vielen Bestenlisten wird sich dieser Film wohl nicht wiederfinden und zugegebenermaßen geizt er auch nicht mit Klischees und plakativen Emotionen. Wenn jedoch die Musik beginnt und die liebenswerte Mischung aus irischem Charme und Coming-of-Age Romantik ihre Wirkung entfaltet, dann scheinen alle Zweifel weggeblasen und Sing Street wird zum sympathischsten Werk, welches dieses Jahr auf unsere Leinwände projiziert wurde. Der Feelgood-Film des Jahres.

Platz 5: Queen of Earth (Kinostart: 05. Mai)

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von Alex Ross Perry, mit Elisabeth Moss und Katherine Waterston

In bester Persona-Manier entfaltet dieses ungemütliche Drama bei zunehmender Laufzeit eine immer einnehmendere Wirkung und ertränkt seinen Zuschauer in unausgesprochenem Kummer und angestauten Emotionen. Während Kamera und Soundtrack bereits schlimmere Entwicklungen vorwegnehmen, bleibt der Film ganz nah bei seinen Figuren und wird zu einem erdrückend depressiven Erlebnis. Der Feelbad-Film des Jahres.

Platz 4: The Revenant (Kinostart: 06. Januar)

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von Alejandro González Iñárritu, mit Leonardo DiCaprio und Tom Hardy

Fast hätte ich dieses Ungetüm von Film schon wieder vergessen und leider fand ich nicht mehr die Zeit Iñárritus Oscarabräumer einer kritischen Zweitsichtung zu unterwerfen. Im Kino war The Revenant jedoch ein dermaßen eindringliches Erlebnis, welches den kräftezehrenden und dreckigen Kampf ums Überleben wie kaum ein anderes Werk erfahrbar machte, dass ich nicht darauf verzichten konnte. Der Kampf gegen die (menschliche) Natur lebt vordergründig von seinen Darstellern, der wirkliche Star ist jedoch Lubezkis Kamera.

Platz 3: Der Schamane und die Schlange (Kinostart: 21. April)

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von Ciro Guerra, mit Jan Bijvoet und Brionne Davis

Die Reise ins Herz des Dschungels versteht dieser Film gleichsam als eine Reise ins eigene Ich, als einen sich selbst vorgehaltenen Spiegel, der zur Selbstreflektion zwingt. In eindrucksvollen schwarz-weiß Bildern findet der Film ein gelungenes Gleichgewicht zwischen Fortschritt und Tradition, zwischen Heimat und Abenteuer. Aber auch der Wert von Nachhaltigkeit und Natur steht im Zentrum und wird in Wechselwirkung mit der Menschheit beleuchtet.

Platz 2: Raum (Kinostart: 17. März)

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von Lee Abrahamson, mit Brie Larson und Jacob Tremblay

Wohl eins der emotionalsten Filmerlebnisse des vergangenen Jahres. Wunderbar feinfühlig nähert sich der Film seinen zentralen Figuren, haucht ihnen vielschichtige Persönlichkeiten ein und gewehrt dabei ausreichend Platz um alle Gefühle wirklich wirken zu lassen. Eindringlich gespielt und zurückhaltend inszeniert schien der Film im Laufe des Jahres etwas unterzugehen, wahrscheinlich, weil sich alle einig waren wie großartig er doch ist.

Platz 1: The Lobster (Direct-to-DVD: 14. April)

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von Giorgos Lanthimos, mit Rachel Weisz und Colin Farrell

Auch abseits seiner Heimat bleibt sich Giorgos Lanthimos treu und beweist mit seiner schwarzhumorigen Groteske, dass sich Filme auch auf der internationalen Bühne keinen Regeln oder Eingeständnissen unterwerfen müssen. Rasiermesserscharf entwirft The Lobster eine gesellschaftskritische Parabel über den modernen Menschen und die Oberflächlichkeit von Beziehungen. Ein Film, so voll von kreativ absurden Einfällen und beißender Gesellschaftskritik, dass man ihn einfach lieben muss.

Und nun vergesst die Oscars und sämtliche Festivalpreise der Welt, denn nur über meine CinemaForever-Awards freuen sich die folgenden Kandidaten wirklich:

Bester Darsteller: Josef Hader in Vor der Morgenröte

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Beste Darstellerin: Brie Larson in Raum

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Newcomer/in des Jahres: Anya Taylor-Joy in The Witch

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Beste Bildgestaltung: Der Schamane und die Schlange (Kamera: David Gallego)

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Bester Blockbuster: The Jungle Book

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Größte Enttäuschung: Einfach das Ende der Welt

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Schlechtester Film: Independence Day 2: Wiederkehr

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Beste Filmmusik: The Hateful Eight (Ennio Morricone), Arrival (Jóhann Jóhannsson), Queen of Earth (Keegan DeWitt)