"Der Diktator" (USA 2012) Kritik – Lang lebe Aladeen!

„I love it when women go to school. It’s like seeing a monkey on roller skates: It means nothing to them, but it’s so adorable for us…“

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Mit „Der Diktator“ kehrt Englands Export-Komiker Nummer Eins, Sacha Baron Cohen zurück auf die Leinwand. Und wie schon in „Ali G in da House“, „Borat – Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation Kasachstan zu machen“ und „Brüno“ tritt Cohen natürlich wieder in Gestalt eines Alter Egos vor die Kamera. Diesmal verkörpert der Extremkomiker den machtbesessenen General Aladeen, seines Zeichens totalitärer Führer des kleinen Wüstenstaates Wadiya, der sich durch einen gemeinen Hinterhalt plötzlich mitten in den verhassten USA als Zivilbürger wiederfindet. Anders als in „Borat“ oder „Brüno“ verzichten Sascha Baron Cohen und Regisseur Larry Charles („Religulous“) diesmal jedoch darauf, die Kunstfigur mit der ahnungslosen Zivilbevölkerung zu konfrontieren. Eigentlich schade, war es doch gerade Cohens entlarvende Interviewtechnik, der den Filmen auch abseits der herrlich absurden Szenerien und der derben Späße eine weitere kritische Ebene verlieh. Doch auch ohne diese Komponente weiß „Der Diktator“ prächtig zu unterhalten, denn Sascha Baron Cohen vermag es auch ohne Frontalkonfrontation den einen oder anderen politischen Tiefschlag zu landen und schafft es außerdem, selbst mittels einfacher derber Späße treffsicher Lacher zu erzielen.

Seit seinem siebten Lebensjahr bestimmt General Aladeen (Sacha Baron Cohen) nun schon über die Geschicke des Wüstenstaates Wadiya. Kein einfacher Job, denn in Zeiten der Demokratie wird es immer schwerer für goldene Werte wie Pressezensur, Folter und Frauenfeindlichkeit noch angemessen einzustehen. Doch schon bald soll sich für den Despoten alles zum Guten wenden, denn in ein paar Wochen soll Wadiya die erste Nuklearwaffe zur Verfügung stehen. Blöd nur, dass ausgerechnet jetzt die UN wieder Ärger macht, und so sieht sich Aladeen gezwungen, mit seinem gesamten Stab (Harem natürlich inklusive) in die USA zu reisen. Doch Aladeens Berater Tamir (Ben Kingsley) hat bereits einen Plan ausgearbeitet, um den machtbesessenen Herrscher vom Wüstenthron zu stoßen…

Eins ist sicher: Sascha Baron Cohen lebt seine Rollen! Verkörpert er doch seine Figuren mit einer solchen Hingabe und Konsequenz, wie man es sonst nur von Schauspielern vom Typ eines Daniel Day-Lewis („There will be blood“) gewohnt ist. Es ist fast eine Schande, den Komiker in Rollen wie der des Despoten Aladeen geradezu verschwendet zu wissen, wenn man bedenkt, was Cohen schauspielerisch zu leisten imstande wäre. Denn Cohen schlüpft nicht nur während der Dreharbeiten in die Identität des durchgeknallten Tyrannen, sondern gibt diesen darüber hinaus auch noch während der weltweiten Werbetour und das mit einer Konsequenz, die seines gleichen sucht. Ihn während seiner schier unzähligen Live-Auftritte aus der Rolle zu bringen, scheint hierbei fast unmöglich, denn selbst in den absurdesten Momenten bleibt er seiner Figur in Sprache, Bewegung und Verhalten treu. Jüngstes Beispiel dürfte Aladeens „Oskar-Eklat“ sein: Auf dem roten Teppich der Oskarverleihung überschüttete der Diktator einen Reporter mit der „Asche“ des verstorbenen nordkoreanischen Diktators Kin-Jong-Il. All dieser Werberummel gehört nun mal zu einem echten Cohen-Film, die Fans lieben es, alle anderen finden es einfach nur geschmacklos.

Die gleiche Hingabe für ihre Figuren würde man sich auch von Cohens-Sidekicks wünschen, doch die fristen allesamt ein eher trostloses Leben im Schatten des goldbehangenen Diktators. Besonders Sir Ben Kingsley („Shutter Island“) bleibt in der Rolle des hinterlistigen Beraters Tamir erschreckend blass und spielt seine Rolle leidenschaftslos herunter. Erstaunlicherweise schafft es am ehesten noch Schreckschraube Anna Faris („Scary Movie“) dem Diktator das Wasser zu reichen, denn diese ist nicht nur unter dem fiesen Öko-Outfit kaum wiederzuerkennen, sondern gibt die hilfsbereite, radikal-feministische Weltverbesserin auch noch so überzeugend, dass es fast schon schade ist, dieser Figur nicht noch mehr Leinwandzeit zugesprochen zu haben. Doch letzten Endes muss gegen Rampensau Aladeen jede Figur zwangsläufig den kürzeren ziehen.

Wer schon über Cohens frühere Werke die Nase rümpfte, der kann sich auch dieses Mal die Kinokarte getrost sparen. Denn wie schon in „Borat“ und „Brüno“ haut der Komiker fast im Minutentakt einen politisch unkorrekten Witz nach dem nächsten raus und nimmt jede Minderheit aufs Korn, die nicht bei drei auf den Bäumen ist. Leider fallen die politischen Seitenhiebe nicht ganz so zahlreich aus, wie man sie in Anbetracht der Thematik hätte erwarten können. Dafür bringt Cohen in „Der Diktator“ das Kunststück fertig, den ohnehin immer schon heftigen Gross-Out-Humor in vollkommen neue Sphären zu schießen. So werden die zotigen Späße, man nehme nur die Geburtsszene im Bioladen, stellenweise so gnadenlos überzogen, dass man sich das Lachen beim besten Willen nicht verkneifen kann.

Weitere Pluspunkte kann „Der Diktator“ durch seinen großartigen Soundtrack einfahren. Hier wurden einfach mal diverse Klassiker der Musikgeschichte durch den orientalischen Fleischwolf gedreht, was besonders unter den Musikkennern immer wieder für ausgelassene Heiterkeit sorgen dürfte. Ganz ohne Längen kommt „Der Diktator“ dann aber doch nicht aus. Besonders im Schlussakt geht dem Film stellenweise die Puste aus. Spätestens aber zum großen Finale holt der Film aber noch einmal zum bitterbösen Rundumschlag aus: Vor der Weltöffentlichkeit preist General Aladeen die Vorzüge der Diktatur gegenüber der Demokratie an und spätestens dann sollte einem klar werden, dass diese beiden Systeme doch mehr gemeinsam haben, als einem lieb sein kann.

Fazit: Trotz kleinerer Längen ist „Der Diktator“ letzten Endes ein überaus unterhaltsamer Film. Freunde von „Borat“ und „Brüno“ werden auch dieses Mal wieder ihren Spaß haben.

Bewerung: 7/10 Sternen