"Ich und mein Ding" (USA 2014) Kritik – Phallus außer Rand und Band

Autor: Pascal Reis

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„Ich wünsche mir, dass mein Schwanz mich endlich zufrieden lässt!“

Ja ja, die unersättliche Libido, der unbändige Drang, seinen niedersten Gelüsten nachzugeben, wie oft wurde das schon zum Thema verschiedenster Filme gemacht: Dass es sich dabei wahrscheinlich vordergründig um Teenie-Komödie handelt, in denen unbescholtene Halbstarke im Hormontaumel alles unternehmen, um das weibliche Geschlecht begatten zu dürfen und daraus den Entschluss zu ziehen, endlich als echter Mann durch die Weltgeschichte zu stolzieren, ist nicht der einzige Standpunkt, der mit dieser Angelegenheit in Verbindung steht. „Shame“ von Steve McQueen hat die Schattenseite dieses Unterfangens in ihrer pathologischen Ausformung porträtiert: Die Lust auf kompromisslosen Geschlechtsverkehr, die nach und nach zu einem unstillbaren Hunger, zu einer selbstzerstörerischen Sucht herangewachsen ist und Michael Fassbender unlängst in einer ausweglose Abwärtsspirale gefangengenommen hat. Das allerdings führt nun in die falsche Richtung: „Ich und mein Ding“ ist keine schwere Kost, sondern niemals fordernde Direct-to-DVD-Comedy, die so gut wie jeden ungezwungenen Anflug abstruser Komik im Keim zu ersticken weiß.

Es verläuft immer wieder nach dem gleichen Muster: Rich (Cam Gigandet, „Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“) willigt ein, eine ernsthafte Beziehung einzugehen, es in trauter, monogamer Zweisamkeit zu versuchen, kann meistens nach spätestens 6 Wochen aber schon nicht mehr an sich halten und springt mit dem nächstbesten blondierten Objekt der Begierde in die Laken – Das kann dann auch mal die Schwester seiner Freundin sein, wie die Eröffnung von „Ich und mein Ding“ gleich mal unter Beweis stellt. Man würde vermutlich zu weit gehen, Rich eine konkrete Hypersexualität zu attestieren, seine promiskuitiven Touren durch die Betten der Stadt aber kosten den Mann nicht nur Sympathien und reichlich Nerven, seine Freizeitgestaltung leidet gleichermaßen darunter, läuft er der sich ihm anbandelnden Damenwelt doch geradezu unentwegt in die Arme. Da liegt die sich in deutlicher Konsequenz verwirklichende Lösung doch auf der Hand: Der Lümmel muss verschwinden, damit der Kopf endlich wieder frei werden kann.

Blöd nur, dass er seinen Wunsch nicht nur nicht (auf dem Fuße) rückgängig machen kann und sein Spiegelbild gen Süden damit erst einmal reichlich seltsam erscheinen lässt, sein bestes Stück ist zudem auch nicht gänzlich verschwunden, sondern tritt in vorerst bärtiger Menschengestalt in Erscheinung (gespielt von Nick Thune), um in klaffendem Hedonismus all dem zu frönen, dem Rich kürzlich erst abgeschworen hat: den saloppen Stelldicheins. Man kommt nun kaum umhin zu postulieren, dass die Prämisse von Huck Botkos „Ich und mein Ding“ durchaus blödsinniges Potenzial besitzt und damit prinzipiell auch die narrative Bewegungsfreiheit, herrlich anarchistisch über die Stränge zu schlagen. Es wird dem Zuschauer jedoch schon nach nicht allzu lange Zeit überaus ersichtlich klargemacht, dass „Ich und mein Ding“ weniger Interesse daran besitzt, die „guten“ Geschmacksgrenzen mit Vergnügen zu torpedieren, sondern der prüden Intention folgt, der Liebe mittels größtmöglicher Phrasendrescherei Tribut zu zollen.

Denn das gegenseitige Verlangen zweier Verliebter sollte sich ja nicht nur im zweifellos dazugehörenden Sex widerspiegeln, eine gesunde Beziehung schließlich darf niemals allein von ihrem Matratzensport abhängig sein. Für diese in der Essenz ja durchaus richtige Feststellung aber ist die sinnwidrige Ausgangslage der falsche Weg, gerade auch, weil sich „Ich und mein Ding“ höchstselbst natürlich als 90-minütigen Peniswitz verstehen möchte, sich in Wahrheit dann aber doch nicht in der untersten Schublade heimisch glaubt, wird hier doch (auch) etwas ganz Grundlegendes über eine jede Partnerschaft dargeboten. Is‘ klar. Adam Sandler und Dennis Dugan wären für „Ich und mein Ding“ die besseren Anlaufstellen gewesen. Sicher wäre der Film auch nicht viel besser geworden, in seinem anvisierten Dadaismus aber weitaus ehrlicher.

„Ich und mein Ding“ ist ab dem 4. Juni im Handel erhältlich.