"Donnie Darko" (USA 2001) Kritik – Die Rache des Mümmelmanns

„Ein Sturm zieht auf, sagt Frank. Ein Sturm, der die Kinder verschlingen wird. Doch ich erlöse sie aus dem Königreich der Qualen und liefer sie wieder auf ihren Türschwellen ab. Die Monster schick ich zurück in die Unterwelt. Dort werden sie für jeden unentdeckt bleiben … Außer für mich. Denn ich bin Donnie Darko.“

Zeitreisen faszinieren die Menschen nun schon seit Jahrzehnten. Forschungen von Stephen Hawking und Albert Einstein brachten uns dieses Phänomen immer näher und zum ersten Mal konnte man auch als Normalsterblicher den Hintergrund – zumindest ansatzweise – verstehen. Einsteins Relativitätstheorie stellt dabei die zentrale Formel bereit, die Zeitreisen überhaupt theoretisch möglich machen. Die Konstante: die Lichtgeschwindigkeit. Nichts bewegt sich schneller als das Licht. Jetzt wollen sie am CERN ein Teilchen entdeckt haben, was diese bis dahin unüberwindbare Geschwindigkeit durchbrochen hat. Das würde die Relativitätstheorie in Frage stellen. Und damit alle bisherigen Forschungen.

Damit hat auch Donnie-Darko-Erfinder Richard Kelly nicht gerechnet, als er sein Skript beendete. Er ist bei Weitem nicht der Einzige, der das Thema Zeitreise in einem Film behandeln will, viele Klassiker – unter anderem „Zurück in die Zukunft“, „Und täglich grüßt das Murmeltier“ oder auch „Star Trek“ (um nur ein paar Wenige zu nennen) – haben sich schon damit beschäftigt und üben eine enorme Faszination auf das Publikum aus. Die ersten beiden der oben Genannten sehen ihr Thema dabei mit einem lachenden Auge und nehmen sich selbst nicht ernst, wissen aber um die Komplexität von Zeitreisen und können deswegen auf ein durchdachtes Drehbuch zurückgreifen – besonders Robert Zemeckis‘ Filmtrilogie zeichnet sich durch einen cleveren Aufbau aus. Und genau bei der Leichtigkeit dieser Filme zieht „Donnie Darko“ ohne Umschweife den Kürzeren.

Erstmal ist der Sci-Fi-Psycho-Mysterie-Highschool-Schinken ein Mix aus zu vielen Einzelteilen, wodurch Kelly sich in seiner Aufmachung verrennt und zwischendurch ganz offensichtlich nicht entscheiden kann, was er eigentlich drehen möchte. Immer wieder untermauern wissenschaftliche Fakten die Realität seines Films (da liegt rein zufällig Hawkings “A Brief History of Time“ auf dem Tisch, dort wird hitzig darüber diskutiert), stürzen ihn dabei jedoch in seiner eigenen Mission: Will er wissenschaftlich korrekt argumentieren? Dann muss er ernster an das Thema herangehen. Will er eine Satire sein? Dann müssen die wissenschaftlichen Fakten raus. „Donnie Darko“ nimmt sich in dem, was er tut, schlicht zu ernst.

Dabei lässt sich nicht leugnen, dass Kellys Drehbuch unglaublich umfangreich ausfällt und man ihm die darin steckende Arbeit zu jeder Sekunde anmerkt. Die Geschichte ist richtig aufgebaut, die Hinweise im richtigen Maße gestreut, die Erwartungen korrekt geschürt. Die verschiedenen möglichen Interpretationen zeigen mehr als deutlich, dass auch Kellys Zeitreisegeschichte durchdacht ist. „Zurück in die Zukunft“ oder auch „Star Trek“ entwerfen in ihrem Verlauf schlicht ihre eigene Erklärung für die Geschehnisse, „Donnie Darko“ bezieht sich auf reale Forschungen. Das passt in dieses Universum jedoch in dem Maße nicht hinein. Würde Kelly mehr mit fantastischer Erklärung denn mit wissenschaftlichen Fakten arbeiten, könnte ich seinen Film ernster nehmen.

Schauspielerisch hat „Donnie Darko“ nichts Hervorstechen zu bieten. Jake Gyllenhaal miemt seinen leicht zurückgeblieben wirkenden Hauptcharakter genau so, nämlich etwas unbeholfen und trottelig. Sei es Kellys Drehbuch zu verdanken, kann ich mit keinem der Charaktere eine Beziehung aufbauen, dazu sind sie alle zu unsympathisch und unrealistisch. Dazu kommen die Dialoge, die Kelly ihnen in den Mund legt, und die zu schmalzig, zu ernst oder zu arrogant ausfallen.

Bei der Behandlung des Themas Zeitreise muss sich „Donnie Darko“ also hinten anstellen – und steht Klassikern dieses Genres mit zu vielen Faktoren nach. Ich gehe jetzt jedenfalls meinen De Lorean waschen.

Bewertung: 3.5/10 Sternen