"Drachenzähmen leicht gemacht" (USA 2010) Kritik – Dreamworks wagt sich auf dünnes Eis

„Es ist nicht dein Äußeres was er nicht ausstehen kann, es ist dein Inneres.“

Gleich vorweg: Die ersten Sekunden waren wegen der deutschen Synchro unglaublich nervig. Habe im Intro nach den ersten paar Sätzen sofort auf Englisch geschaltet und siehe da: Der deutsche Sprecher ist einfach ’ne Pflaume. Dann kann’s ja losgehen.

Was einem sofort auffällt, sind die astreinen Animationen. Der ganze Film sieht einfach spitzenmäßig aus. Kommt aber für mich nicht ganz an Pixar ran, von denen mir ihr Stil einfach besser gefällt und die in der Lage sind, mit den Animationen eine umwerfende Atmosphäre zu erzeugen (wie in Ratatouille der Fall). Das ist aber letztlich Geschmackssache, auch wenn Pixar die knackigeren Animationen liefert, kann man „How to train you dragon“ technisch nie einen Vorwurf machen. Besonders die Gefechte, das Feuer, Explosionen und etwaige Behaarung (wo die hängt, verrat ich jetzt nicht) sehen bombastisch aus, absolute Augenweide. Das ganze gepaart mit blitzgescheiter Action und dem fetten Soundtrack ergeben die besten Szenen des Films. Das Grundgerüst der Story ist, wie in Animationsfilmen üblich, so simpel wie möglich, gut gegen böse, Freundschaft, Liebe, Enttäuschung, Happy End, bla bla bla. Dreamworks verpackt das aber ganz gekonnt in ein Korsett aus skurill-sympathischen Figuren, einem spannenden roten Faden (der mich zwischendurch an James Camerons „Avatar“ erinnert hat) und feuerspuckenden Reptilien, dass der Streifen ein unglaubliches Tempo an den Tag legt. Getragen durch den Soundtrack und die blitzschnelle Kamera in manchen Szenen wirkt Dreamworks Bester wie ein reißender Fluss.

In dieser Hinsicht ist „How to train your dragon“ der temporeichste Animationsfilm, den ich bisher gesehen habe, und mit Abstand der actionlastigste. Aber die Jungs von Dreamworks wissen offenbar, was sie können, und dazu gehört, wunderbare Actionszenen zu animieren. Powell zimmerte dazu einen historischen Soundtrack, der zu jeder Szene wie angegossen passt, reichlich melancholische, dramatische und wunderschöne Töne aufgreift und – wie im Lehrbuch – mit den Bildern die Symbiose eingeht, die einen guten Soundtrack ausmachen (dazu: Powells Meisterwerk in unserer Rubrik Die besten Soundtracks aller Zeiten!)

Einziger Kritikpunkt an diesem ansonsten wunderbaren Film sind die emotionalen Szenen, die etwas übertrieben liebevoll gestaltet sind, sowie das Ende, dem die Hälfte an Melancholie unglaublich gut getan hätte.

Doch das ist Kritik auf ganz hohem Niveau, und „How to train your dragon“ der rasanteste Animationsfilm auf dem Markt, mit einer wunderbaren Spannungskurve und ziemlich perfekter Action in sehr perfekten Animationen, was dazu führt, dass er unglaublich viel Spaß macht.

Bewertung: 8.5/10 Sternen