"E.T." (USA 1982) Kritik – Ein kleiner Außerirdischer mit ganz viel Herz

„E.T. nach Hause telefonieren.“

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Fünf Anläufe hatte es für Spielberg gebraucht, bis er mit ‚Der Weiße Hai‘ nach den Filmen ‚Night Gallery‘, ‚Duell‘, ‚Das Haus des Bösen‘ und ‚Sugarland Express‘ einen riesigen Hit landen konnte. Dieser Einschlag war dafür aber umso mächtiger, denn sein Tier-Horror wurde nicht nur zu einem der erfolgreichsten Filme der 70er Jahre, sondern einer der größten und prägendsten Erfolge der Filmgeschichte, mit dem so keiner gerechnet hat. Zwei Jahre nach seinem Megahit kam Spielberg mit ‚Unheimliche Begegnung der dritten Art‘ wieder, in dem er erneut mit Richard Dreyfuss zusammenarbeitete und uns ein neues Bild von Aliens gab, indem er sie nicht nur als Feinde darstellte, sondern als freundliche Spezies aus einer fremden Welt. Spielbergs Stärke ließ sich so langsam herauskristallisieren und es war klar festzumachen, dass er einer der besten Geschichtenerzähler unter den Regisseuren war. 1981 festigte er diese Tatsache mit dem Abenteuer-Meisterwerk ‚Jäger des verlorenen Schatzes‘, mit dem er sich in seiner noch jungen Karriere schon zu einer Legende machte. Nur ein Jahr sollte es nach diesem Meilenstein dauern, bis Spielberg erneut Geschichte schrieb und einen Film inszenierte, der ganze Generationen auf magische Art zu Tränen brachte. Die Rede ist natürlich von ‚E.T.‘ aus dem Jahr 2002.

Mitten im Wald taucht ein kleiner Außerirdischer auf, der ganze drei Millionen Lichtjahre von seiner Heimat, einem unbekannten Planeten, entfernt ist. Der 10 jährige Elliot findet das brave Alien und will ihm helfen, irgendwie einen Weg zurück nach Hause zu finden, doch das ist leichter gesagt als getan, denn die beiden haben sich fest in ihre Herzen geschlossen.

Spielberg hat ein Faible für Außerirdische, fremde Welten und abenteuerliche Geschichte. Das sieht man nicht nur seiner starken Filmografie an, die mit Filmen wie ‚Jurassic Park‘, ‚Krieg der Welten‘, ‚A.I.‘ und dem genannten ‚Unheimliche Begegnung mit der dritten Art‘ in diese Richtungen weisen, sondern Spielberg betont seine Liebe zu diesen Sachen in verschiedensten Interviews zu genüge. Dabei sieht er die Aliens in den meisten Fällen nicht als Gegner, mit Ausnahme von ‚Krieg der Welten‘, sondern als hilfsbedürftige oder liebenswerte fremde Wesen, die keinen Krieg anzetteln wollen, sondern den Kontakt zum Menschen auf ruhige Art aufsuchen und genauso viel Angst vor den Menschen haben, wie auch der Mensch vor den Außerirdischen. Es sind also viel mehr die Menschen, die den Konflikt auslösen und sich dem Fremden nicht annehmen wollen, sondern zerstören und vernichten. Warum wir so sind, wird sich wohl nie erklären können und liegt irgendwie verankert in der Natur des Menschen, denn wenn hier schwere Fehler gemacht werden, dann gehen diese Fehler ganz klar von uns und der eigenen Dummheit aus.

Visuell stimmt in einem Spielberg-Film natürlich wie immer alles. Kameramann Allen Daviau belegt die Bilder und Aufnahmen mit einem sanften Märchenschleier, dem sich der Zuschauer nicht entziehen kann und ab dem ersten Augenblick mit herzlichen Mitteln in die Geschichte gezogen wird. Spielbergs Stammkomponist John Williams kann ja eigentlich gar keine schlechten Scores komponieren und das ist auch bei ‚E.T.‘ nicht anders. Seine Musik passt sich der magischen Grundstimmung des Films wunderbar an und lässt die Herzen in so manchen Moment ganz schwer werden. Die Hauptfiguren des Films sind hier Kinderdarsteller und mit solch jungen Schauspielern ist das ja immer eine schwierige Angelegenheit. Bestes Bespiel ist Dakota Fenning aus ‚Krieg der Welten‘, die so furchtbar nervte, dass man sich irgendwann auf die Seite der Aliens gestellt hat und endlich nach Ruhe verlangte. In ‚E.T.‘ ist das anders und Spielberg bewies sein feines Händchen für die Schauspielerwahl. An erster Stelle Henry Thomas als Elliott, gefolgt von der blutjungen und zuckersüßen Drew Barrymore als Gertie und Robert MacNaughton als großer Bruder Michael. Alle drei sind sie mit ihren Charakteren sofort sympathisch und als Zuschauer kann man sich ohne Probleme mit ihnen anfreunden. Erwähnen könnte man auch Tamara De Treaux, die im inneren der E.T.-Figur saß und leider schon im frühen Alter von 31 Jahren an Herzversagen starb.

Eine Gruppe von Außerirdischen landet in einem kalifornischen Wald um Proben und von Pflanzen und der Umwelt zu sammeln. Die kleine Gruppe wird jedoch von einem Agententrupp der Regierung gestört und die Aliens müssen so schnell wie möglich fliehen, um nicht gefangengenommen oder entdeckt zu werden. Einer von ihnen bleibt jedoch zurück, weil er es nicht rechtzeitig zum Raumschiff geschafft hat und sitzt nur irgendwo in Kalifornien, für ihn natürlich vollkommen fremdes Terrain, fest. Der kleine Gefährte, nun auf sich gestellt, sucht irgendwo Schutz und stolpert dabei in den Schuppen einer Vorstadtfamilie, in der auch der 10 jährige Elliott lebt und das Getöse im Gartenschuppen hört und obwohl der Schock im ersten Moment groß ist, freunden sich die beiden an und vergessen die mehr als klaren Unterschiede, denn beide haben sie ihre Probleme und vermissen etwas in ihrem Leben. E.T. wird zum kleinen Bruder von Elliott, er bringt ihm das Reden bei, die beiden spielen und E.T. besäuft sich auch mal am Kühlschrankbier. Auch Elliots Geschwister Gertie und Michael ziehen mit und helfen dabei, E.T. wieder eine Möglichkeit zu geben, um in die Heimat zu kommen, doch das muss vor allem vor der Mutter geheim bleiben, denn die würde einen Außerirdischen im Haus für gar nicht gut heißen. Elliott und E.T. wachsen zusammen, geht es dem einen schlecht, dann geht es auch dem anderen schlecht. Doch die Regierungsagenten wissen, dass irgendetwas im Wald vor sich gegangen ist und als sie es auch noch schaffen, den kleinen und schwerkranken E.T. einzufangen und in ihrer eigenen Quarantänestation zu erforschen, scheint es weder für E.T. noch für Elliott ein gutes Ende zu geben.

Steven Spielberg ist und bleibt in seinem Herzen ein kleines, verträumtes Kind, welches sich nach großen Abenteuern mit fremden Wesen auf fernen Planeten sehnt. In ‚E.T.‘ lässt er den ersten Teil aufleben und inszeniert ein Sci-Fi-Märchen über eine der unterschiedlichsten Freundschaften überhaupt. Ein kleiner, hilfloser Außerirdischer wurde auf der Erde zurückgelassen und will zurück nach Hause, wo er mit seinen Artgenossen zusammenleben kann. Auf der anderen Seite der kleine Elliott, der seinen Vater vermisst und den zurückgelassenen E.T. unter seine Fittiche nimmt und ihm dabei helfen will, zurück auf seinen Heimatplaneten zu kommen. Wenn ‚E.T.‘ eine Sache hat, dann ist es Herz. Und zwar so viel, dass das eigene Herz immer weiter aufgeht und zu platzen droht. Spielberg erzählt hier eine Geschichte über die Einsamkeit im Kinde, die endlich einen Seelenverwandten findet, obwohl dieser eigentlich ganze drei Millionen Lichtjahre entfernt lebt. Beide werden zu einem Herz und einer Seele, die sich auf verschiedenen Wegen helfen, obwohl ihre Gemeinsamkeit nur eine Frage der Zeit ist und der Abschied ganz klar vorgegeben ist. ‚E.T.‘ ist Balsam für die Seele, in seiner ganzen zeitlosen Schönheit bleibt er für jede Altersgruppe immer ein Highlight und egal wie oft man ihn schon gesehen hat, die Tränen am Ende des Films gehören einfach dazu. Hier treffen Liebe zum Film, Herzlichkeit und Kindheitsträume zusammen und vermischen sich zu einem einmaligen Erlebnis, das berührt, viel Spaß macht und in seiner gefühlvollen Inszenierung immer wieder verzaubert.

Fazit: 4 Oscars hieß es am Ende für das einmalige Sci-Fi-Märchen und zwar für den Besten Ton und Tonschnitt, die Besten Spezialeffekte und die Beste Musik. Wenn mal wieder ein verregneter Sonntag vor der Tür steht, dann gibt es keinen besseren oder passenderen Film wie ‚E.T.‘, der die ganze Familie immer und immer wieder verzaubern kann. Ein Kultfilm, ein Klassiker, ein Muss für jeden der mal Kind war oder Kind ist. Ein Film zu Weinen, zum Lachen und zum immer und immer wieder genießen, einfach weil er so wunderbar herzlich und unglaublich schön ist.

Bewertung: 8/10 Sternen