"Eagle Eye" (USA 2008) Kritik – Eine Hetzjagd ohne Sinn und Verstand

„Ich werde nicht zulassen, dass wir in die Geschichte eingehen als die Arschlöcher, die nur rumgestanden haben!“

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Die erste Zusammenarbeit zwischen Regisseur D.J. Caruso und dem damaligen Newcomer Shia LaBeouf in ‚Disturbia‘, erwies sich zwar als kurzweiliger, aber dennoch nur durchschnittlicher Versuch Hitchcocks ‚Das Fenster zum Hof‘ in die Moderne zu verlegen. 2008 kamen die Beiden mit ihrem nächsten Projekt in die Kinos zurück. Mit ‚Eagle Eye‘ möchte Caruso uns einen rasanten High-Tech-Thriller bieten, versagt dabei aber auf ganzer Strecke.

‚Eagle Eye‘ wird von klaren Hochglanzaufnahmen dominiert. Die Kameraarbeit von Dariusz Wolski kann mit einigen guten Einstellungen und Kameraschwenks auffahren, verliert sich in manchen Momenten aber durch die eigene Hastigkeit aus den Augen. Das liegt auch an den hektischen Schnitten und der gelegentlichen Handkamera. Der Soundtrack von Brian Tyler kann durchaus überzeugen und Tyler beherrscht sowohl die leisen Klänge, als auch die, die die Spannung unterstreichen sollen. Nur leider kann der Score bei diesem Film rein gar nichts bewirken und ist viel mehr verschenkt.

Mit Shia LaBeouf in der Hauptrolle, hat sich Caruso sicherlich keinen guten Darsteller gesichert. Als Jerry Shaw, der nach dem Tod seines Bruders in einen verstrickten Komplott gerät, kann er den Film zu keiner Sekunde tragen. Auch mit den Emotionen hat er so seine Probleme. Angst und Verzweiflung kann er nur bedingt glaubwürdig rüberbringen. Viel mehr trottet er mit demselben Gesichtsausdruck quer durch den Film. Die bezaubernde Michelle Monaghan als Rachel sieht zwar toll aus, doch auch sie kann rein gar nichts zeigen, dafür ist ihr Charakter einfach viel zu eindimensional. Die Nebenrollen sind mit Billy Bob Thornton, Rosario Dawson und William Sadler durchaus gut besetzt, doch auch sie spielen hier gegen eine Wand an.

Jerry arbeitet in einem Copy-Shop, bei dem er nur mieses Geld verdient. Die Miete kann er so nicht bezahlen und die nächste Sorge steht auch schon im Haus: sein Bruder, bei dem er sich drei Jahre nicht mehr gemeldet hat, ist verstorben. Nach dem Tod seines Bruders ist sein Konto plötzlich prall gefüllt und die Wohnung steht voller Waffen. Von nun an wird Jerry von einer unbekannten Stimme kontrolliert, die ihn von A nach B jagt, ohne das er auch nur im Ansatz weiß, worum es sich handelt. Dabei stößt er mit der jungen Mutter Rachel zusammen, die das gleiche Problem wie Jerry hat und von der Stimme am Telefon erpresst wird. Doch wer verbirgt sich hinter dieser mysteriösen Stimme und was haben Jerry und Rachel mit der ganzen Sache zu tun?

Wenn man die Story so liest, dann klingt das erst mal gar nicht schlecht und hätte in jedem Fall hohen Unterhaltungswert. Was man als Zuschauer also nun erwartet, ist ein krachender Action-Thriller, der nicht mal besonders intelligent sein muss, sondern gute und abendfüllende Unterhaltung bietet. Daran scheitert Caruso in allen Belangen kläglich.

Das fängt schon bei den Charakteren an, die einfach Schablonenhaft und aufgesetzt bleiben. Es gibt die typischen Charaktermuster und die gewohnten Augenblicke, in denen die beiden sich zwischen dem ganzen unerklärlichen Chaos auch menschlich näher kommen sollen. Die sind nur so fehl am Platz, das der Inhalt dieser Gespräche viel mehr unfreiwillig komisch als sympathisch rüberkommt. Die Handlung selbst hätte, wie gesagt, Spaß machen können. Weisen die einzelnen Handlungsstränge durchaus interessante Ansätze auf und als Zuschauer möchte man auch gerne folgen. Doch wenn sie dann verknüpft werden, erweist sich das Ergebnis nicht nur als heuchlerisch, sondern auch als gänzlich hirnloses unterfangen.

Der im Pentagon stehende Supercomputer ARIIA steuert einfach ALLES. Oh ja, der hat es drauf. Ob Ampeln oder Bahnanzeigetafeln. Jerry und Rachel haben keine ruhige Sekunde mehr und werden von ihm quer durch die USA geschoben. Verstecken kann sich hier niemand, denn der Computer weiß Bescheid und ruft einfach das nächste Handy an. Aber Jerry wird von dem Computer viel zu dringend benötigt, als das er von ihm in Lebensgefahr geraten könnte. Denn Jerry hat die gleiche DNA wie sein toter Bruder. Wofür er die braucht, will ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten, aber so viel sei gesagt: unser ultraintelligenter Computer, der eben alles kann, der hat sich einen ganz schlimmen Plan ausgedacht, obwohl er eigentlich etwas für die Bürger tun möchte. Eine ganz schlimme Zwickmühle in die unser Jerry Shaw da gekommen ist.

Die Geschichte gerät so mehr und mehr ins Schleudern und wenn es so richtig dämlich wird, dann schiebt Caruso einfach schnell eine polternde Actionsequenz ein, die den Zuschauer ablenken soll, aber wirklich nur die ganz Unaufmerksamen einfängt.

Wer jetzt noch die Hoffnung auf die Action selbst legt, ganz im Sinne von „Was soll’s, Hauptsache es kracht ordentlich“, den muss ich auch enttäuschen. Die Actionszenen und Verfolgungsjagden sind sicherlich nicht grottenschlecht, aber beim besten Willen nicht beeindruckend oder besonders. Lediglich eine Szene, in der unser Duo auf ein Gepäckband gerät, ist fesselnd gefilmt. Ein guter Moment reicht in einem solchen Film aber sicherlich nicht. Das Drehbuch ist einfach nur erschrecklich löchrig, so dass wir als armer Zuschauer, dessen Erwartungen eh schon tief enttäuscht wurden, von einem Schlagloch ins Nächste stolpern und nicht mal mehr minimalen Spaß an dem Ganzen hier haben können. Das Ende ist natürlich wieder ein reinstes Klischee. Pathos und Friede, Freude, Eierkuchen versammeln sich zum Händchenhalten.

Fazit: So bleibt ein Film, der zu Anfang, wenn die Fragen noch unbeantwortet sind und der Feind anonym, unterhalten kann. Das verfliegt aber zu schnell und wir bekommen es mit einer hanebüchenen Geschichte zu tun, mit schwachen und ausdruckslosen Darstellern, einem schlechtem Drehbuch und einer miesen Inszenierung. Die netten Bilder und der eigentlich feine Score helfen da auch nicht mehr. ‚Eagle Eye‘ ist ein schlechter Film ohne Herz und Verstand, in dem nicht mal die Action überzeugen kann.

Bewertung: 3/10 Sternen