"Ed Wood" (USA 1994) Kritik – Die liebevolle Geschichte des Scheiterns

„Wenn man eine Vision hat, dann muss man dafür kämpfen.“

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Dass Tim Burton ein ganz großer und einzigartiger Regisseur unserer Zeit ist, hat er inzwischen oft genug bewiesen. Dieses Mal geht es mit ihm zusammen in das Jahr 1994, in dem Burton auf ein Neues seine Vielseitigkeit auf dem Regiestuhl bewies. Nach seinen düsteren Comicverfilmungen ‚Batman‘ und ‚Batmans Rückkehr‘ und dem wunderbaren Märchen ‚Edward mit den Scherenhänden‘ nahm er sich 1994 der Biographie von Edward D. Wood Jr. an, dem „schlechtesten Regisseur aller Zeiten.“ Mit viel Feingefühl und Stilsicherheit inszenierte er mit ‚Ed Wood‘ eine besondere Hommage an das Kino und setzte dem nie ernstgenommenen Regisseur ein tolles Denkmal.

Ed Wood lebt für das Filmgeschäft. Doch seine Talentlosigkeit steht ihm leider im Weg, um wirklich erfolgreich zu werden. Das Herz hat er jedenfalls am rechten Fleck und auch genügend Freunde die ihn unterstützen. Mit Bela Lugosi an seiner Seite wittert er endlich die große Chance für einen Durchbruch, doch auch Lugosi ist nicht mehr das, was er einmal war und der Erfolg will einfach nicht an seine Tür klopfen.

Tim Burton entschied sich den Film in klarem schwarz-weiß zu drehen und schlug damit genau den richtigen Weg ein. Das Feeling der 50er Jahre wurde exzellent eingefangen und Burtons gewohnt atmosphärisches Spiel aus Licht und Schatten gibt ‚Ed Wood‘ diese visuelle Brillanz. Natürlich trägt auch Stefan Czapskys starke Kameraarbeit seinen Teil dazu bei und er fängt den Film in ruhigen und gleichermaßen schönen Bildern ein. Der Soundtrack von Howard Shore steht der Musik von Stammkomponist Danny Elfman natürlich in nichts nach. Sein zeitgenössischer, feiner und auch berührender Soundtrack passt sich kongenial dem Film an und begleitet ihn schlichtweg grandios.

Nach seiner tollen Vorstellung in ‚Edward mit den Scherenhänden‘ durfte Superstar Johnny Depp auch hier wieder die Hauptrolle spielen. Als niemals aufgebender Idealist spielt Depp groß auf und füllt seinen Charakter nicht nur überragend aus, sondern auch mit dem nötigen Charme und Sympathie, die schnell auf den Zuschauer überschwappt. Das beeindruckende schauspielerische Highlight ist jedoch Martin Landau. Als Dracula-Legende Bela Lugosi spielt Landau seine tragische Figur mit so viel Hingabe und eindrucksvoller Ausstrahlung, das er hier wirklich jedem die Show stiehlt. Der Oscar für den besten Nebendarsteller war nicht nur verdient, sondern auch ein glasklares MUSS. Die weiteren Rollen sind mit Sarah Jessica Parker, Patricia Arquette, Bill Murray und Vincent D’Onofrio ebenfalls hochklassig besetzt.

Mit ‚Ed Wood‘ erzählt uns Tim Burton die wahre Geschichte eines Regisseurs, der zwar vollkommen talentfrei war, aber durch seinen puren Idealismus und dem Glauben an sich selbst immer wieder aufs Neue angetrieben wurde. Inzwischen hat Ed Wood im echten Leben Kultstatus und allein sein Titel „schlechtester Regisseur aller Zeiten“ verhilft ihm nach seinem Tod, ein früher Herzinfarkt mit 54, auch heute noch zu einigem Ruhm und vielen neuen Fans. All das, was ihm zu Lebzeiten nie gegönnt wurde und ihn nach und nach in die Alkoholsucht trieb und zerstörte. Doch Burton stellt die Geschichte des Scheiterns nicht als dramatische Tragödie dar, sondern macht den Menschen Ed Wood zu einem faszinierenden und verliert dabei zu keiner Sekunde den gebührenden Respekt aus den Augen.

Nach einer typisch düsteren Einführung und der Kamerafahrt über den Friedhof, bei der wir schon in das trashige Wood-Imperium eintauchen konnten, begleiten wir Ed Wood und seine Gefährten von einem Rückschlag zur nächsten Niederlage. Die Kritiker zerreißen ihn in der Luft, seine Filme fährt er auf spezielle Art und Weise gegen die Wand und sein Geheimnis mit der Vorliebe für Damenkleidung kommt ans Licht und gefällt auch nicht gerade jedem. Zweifel holen ihn ein, doch die Liebe zum Film lässt ihn weitermachen und seine (eigentlich nie vorhandene) Karriere würde er nicht im Traume an den Nagel hängen. Ed Wood wird zum einem Visionär des Schlechten und auch ein missverstandener Exzentriker. Durch Zufall, Glück und vielleicht auch Schicksal trifft er Bela Lugosi. Für Ed Wood einer der besten und unantastbarsten Schauspieler überhaupt. Doch Lugosi ist sogar noch eine tragischere Figur als Ed Wood. Er ist pleite, drogensüchtig und die meisten Menschen denken, er wäre schon längst unter der Erde. Dazu sollte man ihn besser nicht auf Boris Karloff ansprechen, denn sonst platzt ihm schnell der Kragen. Lugosi ist ein Wrack, ein Schatten seiner selbst und in seiner Dracula-Rolle hängengeblieben. Die Verehrung von Ed Wood, falsche Erwartungen und Lugosis Naivität und Durst nach erneutem Ruhm bringen die beiden aber zusammen. Aus Partnern werden Freunde und aus Freundschaft wird eine vertraute und innige Vater-Sohn-ähnliche Beziehung. Die gemeinsamen Szenen zwischen Depp und Landau sind hier die klaren Highlights und mit der brillanten Szene, in der Ed Wood versucht Lugosi zu imitieren wird uns eine ganz besondere Verbindung vorausgesagt.

‚Ed Wood‘ ist der einmalige Einblick in das erfolglose, aber so herzerwärmende Leben eines hoffnungslosen Idealisten, Regisseurs, Freundes und Transvestiten. Durch Burtons stilvolle Inszenierung werden uns die Charaktere unglaublich sympathisch gemacht und wir als Zuschauer schließen sie direkt ins Herz. ‚Ed Wood‘ ist tragisch, skurril, voller Gefühle und magischer Momente, unterhaltsam, detailverliebt und weit weg von einer 08/15 Biographie. Ein unvergesslicher Filmausflug, den man sehen und einfach lieben muss.

Fazit: ‚Ed Wood‘ lässt sich ohne weiteres als eines der Meisterwerke in Burtons Karriere bezeichnen. Mit hervorragenden Schauspielern ausgestattet, tollen Bildern, schönem Soundtrack und Burtons gewohnt fantastischer Inszenierung wird ‚Ed Wood‘ zu einem Film, der jedem sympathisch ist und nicht nur viel Spaß macht, sondern auch Tiefgang und Liebe zum Film mitbringt.

Bewertung: 9/10 Sternen