"Eden Lake" (GB 2008) – Schonungslose Gewalt und unnötige Dramaturgie

„Ich lass mich nicht von ’ner Gruppe Teenager verjagen!“

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James Watkins ist als Regisseur noch ein unbeschriebenes Blatt im Filmgeschäft. Als Drehbuchautor war er zwar schon hier und da tätig, allerdings eher schlecht als recht. Also wurde es wohl Zeit sich endlich einen Namen im Geschäft zu machen. Mit ‚Eden Lake‘ aus dem Jahr 2008 inszeniert Watkins zwar einen streckenweise spannenden und wirklich harten Psycho-Thriller, allerdings möchte der Film mehr sein und verliert sich in unnötigen Drama-Elementen, die den Film leider in den Genre-Durchschnitt zurückdrängen.

Der Wald rund um den Eden Lake bietet natürlich die perfekte Kulisse für eine derartige Verfolgungsjagd ohne jegliche Anhaltspunkte und Ausweg. Kameramann Christopher Russ liefert gute Arbeit ab und verzichtet auf unnötige Handkameraarbeit und schnelle Schnitte, die der Film auch gar nicht nötig hat. Immer an der richtigen Stelle fängt er das hammerharte Geschehen in der Idylle stark ein. Auch die musikalische Untermalung von David Julyan ist gelungen und kann die Emotionen in der schrecklichen Lage passend unterstreichen und eine dichte Atmosphäre erzeugen.

Schauspielerisch sollte man besser keine Glanzleistungen erwarten, blamieren tut sich aber auch niemand. Kelly Reilly als Jenny hat hier die größte Chance Impulse zu setzen und kann vom süßen „Püppchen“ bis zur verdreckten gejagten alle Facetten überzeugend ausspielen. Michael Fassbender als Steve kriegt eher weniger die Möglichkeit sein riesiges Können zu zeigen und bleibt unauffällig. Von den Jugendlichen fällt nur Jack O’Connell als tobender und abgebrühter Anführer richtig auf, der schnell jegliche Missgunst des Zuschauers auf sich zieht und seine Rolle schön hassenswert verkörpert.

Dass die Jugend, oder besser gesagt ein Teil davon, ihre großen oder kleinen Probleme haben, ist unumstritten. Dass die Problemlösungen nicht selten in blanker Gewalt enden hören wir auch viel zu oft. Natürlich widmen sich auch Filme diesem Thema und wollen wachrütteln und Problem beleuchten. Verschiedene Ursachen für diese Probleme, die in den Familien oder auch in den Schulen verankert sind. Nachvollziehbar und annehmbar sind die schrecklichen Gewaltausbrüche aber in keinem Fall, vor allem nicht, wenn die Beweggründe auf die pure Langeweile zurückfallen. James Watkins möchte in ‚Eden Lake‘ auch diese gesellschaftlichen „Missstände“ in England beleuchten, schafft dies aber nur sehr selten und konzentriert sich nicht konsequent genug auf seine wahren Stärken.

Mit Jenny und Steven kriegen wir zwei Charaktere, die so simpel wie gewöhnlich gezeichnet sind. Ein gutaussehendes und junges Paar, das sich schnell die Sympathien des Zuschauers holen kann. Mehr muss man über die beiden gar nicht sagen. Auf der anderen Seite die Jugendlichen. Das erste richtige Aufeinandertreffen zeigt sie pöbeln, rotzend und mit der typischen Großschnauzigkeit gesegnet. Die erste Nacht endet erst mal nur mit einem, für spätere Verhältnisse, harmlosen zerstochenen Reifen. Als die Jugendlichen allerdings das Auto des Paares klauen eskaliert die Situation und Steve tötet bei einer Rangelei versehentlich den Hund des Anführers. Das Rennen um Leben und Tod hat begonnen.

Hört sich ja erst mal nach dem typischen Schema an. Das stimmt auch, allerdings inszeniert James Watkins diese Hetzjagd so schonungslos und spannend, dass das Wegschauen kaum möglich gemacht wird. Die Stärke von ‚Eden Lake‘ liegt eindeutig in der Kompromisslosigkeit und der hochspannenden Jagd durch den Wald, die wirklich anspannt und dem Zuschauer einen Schauer über den Rücken jagen lässt. Dass das ganze hier nicht vollkommen ohne Logiklöcher auskommt ist gar nicht mal weiter schlimm. Viel schlimmer ist es, dass Watkins den Kindern irgendwie einen Grund für ihre Gewalt geben muss und daran kläglich scheitert. Die Langeweile des englischen Kaffs und auch das Verhalten der Eltern sind hier wohl die Möchtegern-Ursachen. Als Steve sich bei den Eltern der Kinder beschweren möchte und in das Haus einsteigt sehen wir erst mal eine Tür, an der wohl jemand seine Aggressionen ausgelassen hat. Als der Vater nach Hause kommt, wird auch schnell klar, woher die Kinder ihr schlechtes Verhalten haben. Mehr kommt dann aber nicht und das reicht einfach nicht als Begründung für ein derartiges Verhalten. Das Ende ist dann zwar nochmal ein ganz besonderer Schlag in die Magengrube und kann dem Film in seinem ganzen Pessimismus und Düsternis noch das I-Tüpfelchen verleihen, den Gesamteindruck kann es aber leider nicht mehr retten.

Fazit: ‚Eden Lake‘ ist in erster Linie ein knallharter und extrem spannender Psycho-Thriller und hier kann der Film auch voll und ganz punkten. Leider möchte der Film dazu noch gerne Antworten auf das Verhalten geben und teilweise als Drama durchgehen und hier verliert der Film sich aus den Augen. Am Ende bleibt ein Film mit soliden Darstellern, guter Musik und passender Atmosphäre, der aber leider nichts Besonderes ist und sich viel zu oft selbst im Weg steht. Schade drum.

„Jetzt bringen wir das zu Ende.“

Bewertung: 5/10 Sternen