„V/H/S 2“ (USA, CA, ID) Kritik – Die Videokassetten des Grauens sind zurück

Autor: Stefan Geisler

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„Ganz schön schräg“

Der Schrecken aus dem Kassettenrekorder schlägt wieder zu: Bereits 2011 konnten für den Omnibus-Horrorfilm „V/H/S“ namhafte Regisseure gewonnen werden. Neben Adam Wingard („You’re Next“) und Glenn McQuaid („I Sell the Dead“) durfte mit Ti West auch die heißeste Genre-Neuentdeckung der letzten Jahre eine Episode inszenieren. Obwohl „V/H/S“ bei den Kritikern nur bedingt punkten konnte, mauserte sich der Film in den Videotheken schon bald zum Horror-Geheimtipp. Am Grundkonzept hat sich auch im zweiten Teil nicht viel geändert, denn wieder wurden namhafte Horror-Regisseure verpflichtet, die den Zuschauer in kurzen Found-Footage-Episoden so richtig das Gruseln lehren sollen. Neben „The Raid“-Regisseur Gareth Evans dürfen diesmal auch Gregg Hale, Eduardo Sánchez („Blair Witch Project“) und Jason Eisener („Hobo with a Shotgun“) ihrer Horror-Qualitäten unter Beweis stellen. Trotz renommierter Regisseure kann „V/H/S 2“ jedoch nicht die Qualität seines ohnehin schon durchwachsenen Vorgängers erreichen. Schlimmer noch, denn statt zum Gruseln lädt „V/H/S 2“ immer wieder zum Schmunzeln ein, wobei besonders die finale Episode „Slumber Party Alien Abduction“ dem wirren Treiben die Krone aufsetzt.

Die Privatdetektive Larry (Lawrence Michael Levine) und Ayesha (Kelsy Abbott) werden von einer besorgten Mutter beauftragt, nach ihrem seit Tagen verschwundenen Sohn zu schauen. Da dieser für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannt ist, vermuten ihn die beiden Privat-Ermittler bewusstlos zwischen einigen Bierdosen, doch am Haus des Vermissten angekommen, offenbart sich den beiden ein gänzlich anderes Bild. Im Wohnzimmer des verschwundenen Jugendlichen stapeln sich turmhoch bespielte VHS-Kassetten. Larry und Ayesha beginnen mit der Sichtung der Kassetten und stoßen auf schockierende Aufnahmen…

„Phase I Clinical Trials“: Regisseur Adam Wingard darf den Grusel-Reigen eröffnen und erzählt eine klassische Horror-Geschichte im Stile von „The Eye“. Leider verfliegt der Grusel nur allzu schnell wieder, da die Horrorgestalten nach Schema F gestaltet wurden. Schulmädchen in Uniform und fette Glatzköpfe in Unterwäsche locken inzwischen niemanden mehr hinterm Ofen hervor, zumal diese noch dermaßen stümperhaft geschminkt wurden, dass selbst Spaziergänge an Halloween mehr Horror bereithalten, als diese Episode.

Mit „A Ride In The Park“ hat „V/H/S 2“ auch schon frühzeitig seinen Höhepunkt erreicht, denn hier erleben wir eine Zombie-Apokalypse mal aus der Sicht eines Zombies. Mittels festmontierter Kamera kriegen wir einen kleinen Einblick in das alltägliche Treiben eines solchen Beißers und der ist vor allem eins: Blutig. Wer nach „Warm Bodies“ übrigens immer noch nicht glaubt, dass Zombies Gefühle besitzen, der sollte sich „A Ride In The Park“ nicht entgehen lassen.

In Gareth Evans und Timo Tjahjantos „Safe Haven“ machen sich einige Reporter auf, um den Tagesalltag einer okkulten Sekte aufzuzeichnen. Die Episode beginnt großartig, zumal allein der Schauspieler Epy Kusnandar einen herrlich durchgeknallten Sektenführer gibt. Auch die gedrückte Stimmung auf dem Gelände der Kult-Gemeinde lässt einem mit einem schaurigen Unwohlsein zurück. Leider müssen diese leisen Horror-Töne schon bald lautstarken Blutbädern und Zombie-Gläubigen weichen. Der finale Todesstoß wird dieser Episode jedoch durch den trashigen Dämon verpasst, der zum Ende der Episode jagt auf die Protagonisten macht.

Den Vogel abgeschossen hat aber allemal „Hobo with a Shotgun“-Regisseur Jason Eisener in der Episode „Slumber Party Alien Abduction“. Hier versucht sich eine Gruppe Jugendlicher, gegen eine interstellare Bedrohung zur Wehr zu setzen. Das Ganze mag auf dem Papier noch spannend klingen, jedoch laden die schlecht kostümierten (vielleicht auch bewusst trashigen?) Aliens eher zum Scherzen ein, zumal sich diese auch noch permanent in Zeitlupe zu bewegen scheinen.

Auch die Rahmenhandlung kann nicht überzeugen. Wartet man am Anfang noch gespannt, auf welche Grausamkeit die beiden Ermittler in der leeren Wohnung stoßen werden, verflüchtigt sich diese Spannung spätestens mit dem ersten Auftritt des „gruseligen“ Mieters. Mit ermüdender Regelmäßigkeit schleicht sich dieser von nun an in jeder Sequenz irgendwo ins Bild. So mutiert die theoretisch stimmige Rahmenhandlung mit jeder Sequenz mehr zu einer äußerst bizarren Variante des beliebten Kindersuchspiels „Wo ist Walter“.

Fazit: Über gute Ansätze kommt leider keine der Episoden in „V/H/S 2“ hinaus. Lediglich der blutige Zombie-Trip „A Ride In The Park“ kann durch die ungewohnte Aufarbeitung der längst zerfressenen Zombie-Thematik punkten. Ein kleiner Tipp für alle die, die es blutig mögen: Unbedingt darauf achten, dass ihr zur Uncut-Fassung von „V/H/S 2“ greift, denn im Cut fallen fast alle blutigen Szenen der unbarmherzigen Schere zum Opfer.

„V/H/S 2“ erscheint am 7. November auf DVD und Blu-Ray.