"Ich – Einfach unverbesserlich 2" (USA 2013) Kritik – Vom Superschurken zum Biedermann

Autor: Stefan Geisler

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„Gru’s back in the game with cool cars, gadgets and weapons!“

Was ist klein, gelb, trägt Latzhose und ist für jeden Unsinn zu haben? Richtig, die lustigen Sidekicks aus dem Universal-Animationsfilm „Ich – Einfach unverbesserlich“. Diese gelben Gesellen waren das eigentliche Glanzstück des Animationsfilms und wurden durch ihr liebenswert blödes Auftreten schon bald zum Publikumsliebling. Wenig verwunderlich also, dass nun die gesamte Marketingkampagne von „Ich – Einfach Unverbesserlich 2“ auf den Schultern der putzigen Schurkenhelfer aufgebaut wurde: Poster, kurze Videoclips oder überlebensgroße Plastikaufsteller der Minions sollen die Marketingmaschine ins Rollen bringen und für gute Zahlen an den Kinokassen sorgen. Gru und Konsorten hingegen blieben, mal abgesehen von Steve Carells grandioser Gru-Live-Imitation in der amerikanischen Talkshow „Ellen“, eher Randerscheinungen. Ähnlich gestaltet sich auch die Situation im Film: Abgesehen von den Minions und dem Schurken Gru erweisen sich sämtliche Figuren als lästiger Ballast, den man getrost aus dem Skript hätte streichen können. Mit „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ haben die Regisseure Pierre Coffin und Chris Renaud ein überflüssiges Animationssequel erschaffen, das weder mit seinem Vorgänger harmoniert, noch an dessen Klasse heranreicht.

Ex-Schurke Gru (Oliver Rohrbeck) ist unter die Gutmenschen gegangen: Super-Adoptivvater, Marmeladenfabrikant und Vorzeige-Nachbar. Der einst so fiese Glatzkopf ist nicht mehr wiederzuerkennen und lebt in sein Leben in ruhiger Vorstadtidylle. Dies ändert sich schlagartig, als Lucy (Martina Hill) in sein Leben tritt. Diese Agentin der Anti-Verbrecher-Liga soll Gru für einen geheimen Regierungsauftrag gewinnen, denn als ehemaliger Superverbrecher weiß dieser am besten, wie kriminelle Superhirne ticken…

In „Ich – Einfach unverbesserlich“ war alles ein bisschen anders: Statt einem heldenhaften Strahlemann drückte das Publikum hier einem glatzköpfigen Antihelden die Daumen, der nicht nur versuchte den Mond zu stehlen, sondern auch noch aus komplett eigennützigen Motiven drei Kinder adoptierte und diese in seinen Plan einspannte. Leider ist in der Fortsetzung von diesem Anarcho-Charm wenig übrig geblieben. Schurke Gru ist inzwischen zum gesetzestreuen Biedermann und Vorzeigevater mutiert, der sich mehr um Marmelade als um Welteroberungspläne schert. Damit straft er nicht nur den Filmtitel lügen, sondern bietet auch wenig Grund, ihn ein weiteres Mal in den Mittelpunkt des Films zu stellen.

Trotz einer vielversprechenden Eröffnungssequenz irgendwo in der arktischen Eiswüste schafft es der Film lange Zeit nicht, richtig in Schwung zu kommen. Dies liegt zum einen an der äußerst zähen Exposition und zum anderen an der unverständlichen Wahl des Settings. Denn in dem Moment, in dem der Film hätte voll durchstarten müssen, beschränkt sich der Film selbst durch die Wahl des Handlungsschauplatzes, denn hier hat man sich trotz unbegrenzter Möglichkeiten lediglich für eine Einkaufsmall (?!) entschieden. Und so spielt sich die gesamte Action während der ersten Hälfte in karg animierten Cup-Cake-Läden, Friseursalons und mexikanischen Restaurants ab. Klingt mäßig spannend, ist es leider auch, zumal diese Szenen oftmals ohne Minion-Unterstützung auskommen müssen. Besonders in diesen Szenen wird deutlich, wie stark die Qualität des Films an die Auftritte der Minions gekoppelt ist, denn sind diese einmal nicht im Bild, bleiben auch die Lacher auf der Strecke.

Auch thematisch präsentiert sich „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ erschreckend limitiert, denn hier dreht sich alles um die erste Liebe. Während sich Gru in seine neue Assistentin Lucy Wilde verguckt, darf auch Adoptivkind Margo kurzzeitig in den Mittelpunkt rücken und eine Liebelei mit einem echten Bad-Boy anfangen. Relevanz für die Geschichte? Minimal, denn meist wird die Teenie-Romanze lediglich zu Gunsten ein paar altbackener Vater-Tochter-Witze verpulvert. Bei soviel Liebesgedönse kommt einem das actiongeladene Finale schon fast wie eine Erlösung vor, denn immerhin sorgen hier ein Haufen fieser Minion-Mutationen für äußerst turbulent-kurzweilige Unterhaltung. Um den Film aber letztendlich zu retten, reicht dieses Chaos-Finale dann aber doch nicht.

Fazit: Pierre Coffins und Chris Renauds Animationsfortsetzung „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ schafft es weder dem Geist seines Vorgängers gerecht zu werden, noch altbekannte Figuren sinnvoll in die neue Geschichte einzugliedern. So beschleicht einem nach dem Kinobesuch das unschöne Gefühl, dass es außer dem schlichten Mammon keinen weiteren Grund gab, der Geschichte um Oberschurken Gru ein Sequel zu spendieren. Da bleibt einem nur zu hoffen, dass dies nicht auf die Qualität für das für 2014 angekündigte Minions-Spin-Off schließen lässt.