"Die eiserne Lady" (GB 2011) Kritik – Die Humanisierung einer politischen Bestie

„Watch your thoughts for they become words. Watch your words for they become actions. Watch your actions for they become… habits. Watch your habits, for they become your character. And watch your character, for it becomes your destiny! What we think we become.“

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„Die eiserne Lady“ kann man ohne Weiteres als Synonym für ein weichgespültes, viel zu oberflächliches Biopic verwenden, über dessen volle Laufzeit hinweg versucht wird, dem Publikum einzubläuen, dass auch ein politisches Monster ein Herz, Gefühle und ein anstrengendes Leben haben kann. Unglaublich aufschlussreiche Aussage, der Meryl Streep, trotz ihres außergewöhnlichen Schauspiels, nicht mehr abgewinnen konnte.

Margaret Thatcher ist eine der bekanntesten und gleichzeitig umstrittensten Politiker des 20. Jahrhunderts. Sie war für 15 Jahre Vorsitzende der britischen Conservative Party und von 1979 bis 1990 die erste Premierministerin des Vereinigten Königreichs. Sie hatte ebenso viel Einfluss auf den britischen Bergarbeiterstreik wie auf den Ausgang des Falklandkrieges gegen Argentinien und die Arbeitslosenquoten während ihrer Amtszeit stiegen auf einen Rekordprozentsatz. Thatcher hat Grossbritanien geprägt, nur das nicht immer positiv, wodurch sie einerseits zwar immer wieder Popularitätsschübe erhielt, aber auch in gleichen Maßen vom Volk gehasst wurde.

Diese zwiespaltige Sicht wird in „Die eiserne Lady“ so gut wie gar nicht aufgegriffen. Viel lieber wird Meryl Streeps Schauspiel zelebriert. Ohne Plan gibt es Szenenwechsel zwischen den Lebensabschnitten, als sie sich zur Premierministerin entwickelt hat und dem Leben nach ihrer Amtszeit. Ersteres wird dabei als sentimentaler Rückblick aufgegriffen. Das Schlimme daran: Der harte Weg zum Ziel „Premierminister“ wird uns hier als mitleiderregende Geschichte verkauft. Altersdemenz, diffuse Selbstgespräche… möchte man uns etwa vermitteln, dass die Politik ihre Spuren hinterlassen hat, psychisch als auch physisch? Anstatt sich also auf historische Fakten zu konzentrieren – auf das Empfinden der Bürger – und den Fokus durchgehend auf die Politik zu richten, muss sich der Zuschauer den kompletten Film über mit persönlichen Problemen von Madame herumschlagen. Eine hollywoodisierte Liebesgeschichte, unwichtige Nebensächlichkeiten wie die Beziehung zu ihrer Tochter, wen interessiert’s?

Anstatt also einen spannenden Einblick in die politischen Geschehnisse und das Schaffen von Margaret Thatcher zu gewinnen, wird man damit zugemüllt, wie sich Großbritanniens umstrittenste Persönlichkeit nach dem Tod ihres Mannes fühlt. Das ist nicht nur unglaublich belanglos, sondern mies inszeniert und mit einem patriotischen Soundtrack untermalt, der bei Geschichts- und Politikinteressierten einen Brechreiz auslösen dürfte. Und alle anderen werden dabei einschlafen, denn wer möchte schon einer Politikerin mit psychischem Knacks mitleiden.

Dass der Film keine komplette Bruchlandung geworden ist, hat die Regisseurin Meryl Streep zu verdanken, wobei es hierbei offensichtlich ist, dass sie die Rolle nur angenommen hat, um endlich ihren nächsten Oscar zu bekommen. Das ist ihr ja gestern Nacht bekanntlich gelungen.

Fazit: Unethisch und unspiriert interessiert sich Regisseurin Phyllida Loyd primär für das größtenteils unbekannte Privatleben von Margaret Thatcher, schmeisst nebenbei politische Geschehnisse in die Runde, ohne jedoch näher auf diese einzugehen und kritisch Stellung zu beziehen. Stattdessen schuf Loyd ein depressives, historisch unkorrektes, verherrlichendes Abbild Thatchers. Das ist einer der größten cineastischen Fehltritte bezüglich der Adaption von historischen Stoffen.

Bewertung: 2/10 Sternen