"Das ist das Ende" (USA 2013) Kritik – Apokalypse à la Seth Rogen, James Franco und Co.

Autor: Pascal Reis

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„Ain’t no party, like a no panty party, cause a no panty party don’t stop!“

Irgendwie wollen sie einfach nicht aus der Filmwelt verschwinden und die verschiedensten Regisseure mit noch so differenten Kunstauffassungen versuchen sich zunehmend mit funkelnden Augen daran. Gemeint sich die filmischen Weltuntergänge, verursacht durch bombastisch zelebrierte Naturkatastrophen oder heimtückische Invasionen extraterrestrischer Lebensformen. Ob man nun an Roland Emmerichs ausufernde Zerstörungswut wie in „Independence Day“ und „2012“ denkt, an Steven Spielbergs „Krieg der Welten“-Interpretation oder das Comic-Spektakel „The Avengers“, der die Kinosäle im letzten Jahr gehörig zum Beben brachte. Die Zeichen stehen in allen Fällen in Richtung Apokalypse, der sich nur ein paar dahergelaufene US-Amerikaner (oder eben egomanische Superhelden) entgegenstellen können. Mit „Das ist das Ende“ wird dem Sujet nun eine neue Facette zugesprochen, denn wie man es sich bei dem Kanadier Seth Rogen und seinem Compagnon Evan Goldberg vorstellen kann, sind das Ziel hier nicht beeindruckende CGI-Bilder, sondern das Erschüttern des Zwerchfelles.

Eigentlich ist Jay Baruchel kein Fan der Großstadt und ganz besonders Los Angeles ist ihm da ein geographischer Dorn im Auge, der ihn von seinem Umfeld schnell zum Hipster degradiert. Doch um mit seinem alten Kumpel Seth Rogen ein Wochenende ganz entspannt zu chillen, mit jeder Menge Alkohol, Gras und einem 3D-Fernseher, macht sich Jay auf die Reise. Als sich die erste Qualmwolke wider aus dem Wohnzimmer Rogens wieder verflüchtigt hat, kommt dieser auf die Idee, die Einweihungsfeier von James Francos neuer Villa zu besuch. Wenig angetan wird Jay mitgeschleppt und steht schon schnell allein in der Ecke, während sich die Bande um James Franco, Craig Robinson, Jonah Hill und Seth Rogen prächtig amüsiert. Als es zu einer enormen Erschütterung kommt und blaue Plasmastrahlen vom Himmel geworden werden, nimmt der Abend eine unerwartete Wendung…

Sollte man Fan von Seth Rogen und Evan Goldberg sein, die bereits in den Highlights „Beim ersten Mal“, „Superbad“ und Ananas Express“ auf unterschiedliche Weise kollaborierten, dann erweist sich natürlich die Begutachtung der Beteiligten von „Das ist das Ende“ als reinstes Festmahl, gerade auch dann, wenn man sich vom Humor eines Judd Apatow, dem letzten Könner der amerikanischen Kino-Comedy, ebenfalls angesprochen fühlt. „Das ist das Ende“ ist ein auf Zelluloid gebanntes Treffen der (Film-)Buddies, die sich nicht nur vor der Kamera des Öfteren über den Weg laufen, sondern sich auch im sagenumwobenen Real Life hin und wieder die Hände schütteln. Da wären die alten Bekannten wie Seth Rogen, James Franco, Jonah Hill, Jay Baruchel, Danny McBrige und Craig Robinson – Sie alle gehören zum Stamm eines Judd Apatow. In „Das ist das Ende“ dienen ihre Figuren jedoch keiner fiktiven Kreation, sondern die gesamte Sippe bleibt ihrem Namen treu und jeder Einzelne spielt ganz eigener Form sein Alter Ego, während Kurzauftritte von Michael Cera, Emma Stone, Paul Rudd, Rihanna oder Channing Tatum die Suppe zusätzlich salzen.

Schon im Jahre 2007 hatten Seth Rogen und Jay Baruchel in ihrem Kurzfilm „Seth and Jay vs Apocalypse“ gegen das Ende gekämpft und darauf gehofft, einen hochkarätigen Interessenten für den Stoff zu finden, um ihn als Leinwandattraktion zu vermarkten. Durch Rogens enormen Aufstieg in der Filmwelt und der ihm inzwischen angeheftete Status eines Superstars, war es nun an der Zeit, die Zügel zusammen mit Evan Goldberg selbst in die Hand zu nehmen. Wer von „Das ist das Ende“ nun ein wirklich ernstzunehmendes Weltuntergangsszenario erwartet, die sogar noch den Anspruch einer Charakter-Studie innerhalb des Lagerkollers hegt, der hat wohl nur wirklich wenig Ahnung davon, für welche Art von Film der Name Seth Rogen in Wirklichkeit steht. Obgleich es hier – gerade im letzten Drittel – immer wieder zu actiongeladenen Sequenzen kommt, liegt der Schwerpunkt natürlich auf den humoristischen Keilereien der Truppe, die sich immer irgendwie gegenseitig ausstechen wollen, aus Angst nicht selber ins Gras beißen zu müssen.

Wenn sich die Männer aber für kurze Zeit mal einig werden und sich nachts gemeinsam eine Schlafparzelle teilen, um vorher noch zu diskutieren, ob man denn nun in Löffelchenstellung einschlafen sollte oder doch lieber Po an Po, dann evoziert „Das ist das Ende“ einen leichten homoerotischen Tonus, der zwar ohne Frage nie den eigentlichen Ernst seiner Lage torpediert oder dem Zuschauer einen neuen Blick auf die Charaktere erlaubt, dennoch erscheinen diese Szene zuweilen deutlich gefühlvoller und in sich stimmiger, als es das Team vorher wohl geplant hätte – Ganz zu schweigen vom Einsatz des Whitney Houston Schlagers „I will always love you“. Geht es um das zentrale Qualitätsmerkmal, die Gagdichte und der Spaßpegel, erweist sich „Das ist das Ende“ doch als laues Lüftchen innerhalb des Schaffens aller Beteiligten, auch wenn die Idee eines kollektiven Überlebenskampf durch die Augen postpubertärer Prominenter durchaus seinen Reiz hat – allerdings nur von temporärer Natur.

Selbstreferenziell wird das eigene Image persifliert und in typischer Manier eines Seth Rogen durch den obszönen Kakao gezogen, doch wer hier wirklich ein anarchisches Vergnügen erwartet, in dem die innovativen Gags dominieren, der wird gnadenlos enttäuscht und mit hängenden Schultern niedergeschlagenen den Kinosaal verlassen. So viel offensichtliche Freude das Team auch an den Dreharbeiten gehabt hat, „Das ist das Ende“ ist viel zu handzahm geworden und suhlt sich letztlich ohne jeden Esprit in abgestandenen Sperma- und Penisplattitüden, was aber nicht heißen soll, dass „Das ist das Ende“ gar keine Treffer ins Humorzentrum seines Publikums landen würde, nur sind es nie die großen, aufgeblähten Knaller, sondern die Nebensächlichkeiten, die wirklich spontan erheitern können. Aber auch die Schauspieler unterliegen ihrer Selbstgefälligkeit, denn wo zum Glück die (vulgäre) Selbstironie in Ehren gehalten, ist „Das ist das Ende“ dann eben doch nur ordinäres Schaulaufen durch die alteingesessenen Konventionen. Irgendwo bleibt es letztlich sympathisch, aber nicht frei von den spaßhemmenden Manierismen der maskulinen Diven.

Fazit: Natürlich ist „Das ist das Ende“ bis zu einem gewissen Punkt ein spaßiges Unterfangen, vor allem für Fans der Filmfamilie von Judd Apatow und Evan Goldberg. Doch die Gagdichte lässt deutlich zu wünschen übrig und während die angepeilten Lacher nicht so recht für Schenkelklopfer sorgen wollen, sind es eher Kleinigkeiten, die hier wirklich amüsieren, nur dass diese einfach zu spärlich auftreten. Letztlich ist „Das ist das Ende“ kein Totalausfall und in seinem postpubertären Rahmen ein sympathisches Weltuntergangsfilmchen, doch eine herbe Enttäuschung ist es dennoch, was Seth Rogen und seine Buddies hier fabriziert haben.