"Epic – Verborgenes Königreich" (USA 2013) Kritik – Kleinkrieg am Waldesrand

Autor: Stefan Geisler

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„Oh, look. It’s Ronin. Defender of the weak, pooper of parties.“

Trickfilm mit Ökobotschaft – Ein zweischneidiges Schwert, denn gerne wird der moralische grüne Daumen den Kindern so stark ins Gesicht gedrückt, dass dabei jeder Spaß für die kleinen und großen Zuschauer flöten geht. Einer der bekanntesten Vertreter des Nischengenres Öko-Zeichentrick dürfte der nervige Superheldenverschnitt „Captain Planet“ sein, der in den 90er Jahren gemeinsam mit seinen naturverbundenen Wunderkindern Umwelt-Terroristen das Handwerk legte. Dass auch Zeichentrick-/Animationsfilme mit Ökobotschaft nicht in derselbigen ertrinken müssen, beweisen zum Beispiel Filme wie „Prinzessin Mononoke“ oder „Wall-E“, deren grüner Kern zwar immer deutlich erkennbar, jedoch selten wirklich im Fokus steht. Mit „Epic – Verborgenes Königreich“ serviert uns das „Ice Age“-Studio Blue Sky nun einen weiteren naturverbundenen Animationsfilm, der sich trotz platter Geschichte und unübersehbaren Anleihen aus anderen Filmen als vergnüglicher Animationsspaß für die ganze Familie entpuppt.

Die Teenagerin Mary Katherine, kurz M.K. (Amanda Seyfried), ist nach dem Tod ihrer Mutter gezwungen erst einmal zu ihrem Vater Bomba (Jason Sudeikis) zu ziehen. Wäre das nicht alles schon tragisch genug, handelt es sich bei ihrem Vater um einen verrückten Wissenschaftler, einen ewigen Tagträumer, der mehr für seine verrückten Theorien über kleine, dem Menschen bis dato verborgene Waldbewohner übrig hat, als für die Probleme seiner Tochter. Kaum angekommen beschließt M.K. auch schon wieder dem Haus ihrer Vaters den Rücken zu kehren und in die Stadt zu flüchten. Doch dazu kommt es gar nicht, denn durch eine unglückliche Verkettung von Ereignissen wird die widerspenstige Teenagerin auf Wichtelgröße geschrumpft und findet sich prompt in einem Kampf zwischen Gut und Böse wieder…

Frischer Wind tut Not im Hause Blue Skye: Schon seit Jahren melkt das Animationsstudio fleißig die Franchise-Kuh zu Tode, und auch wenn „Ice Age 4 – Voll verschoben“ wieder unerwartet unterhaltsam war, könnte ja allmählich Schluss sein mit der ewigen Eiszeit. Mit dem düsteren aber dennoch kinderfreundlichen Animationsabenteuer „Epic – Verborgenes Königreichh“ ist dem Studio immerhin ein Teilerfolg gelungen. Auch wenn sich das Öko-Fantasyabenteuer inhaltlich so frisch und unverbraucht wie ein gammliger Bio-Apfel präsentiert, macht das Kinderabenteuer an einigen Stellen trotz offensichtlicher Mängel mächtig Laune. Besonders die kinderfreundlichen Actionszenen verbreiten Rummelplatzfeeling: Wenn sich kleine Waldsoldaten auf dem Rücken zahmer Kolibris wilde Verfolgungsjagden mit übellaunigen Krähen liefern, oder eine Hundertschaft der winzigen Öko-Recken gegen eine Armada tiefschwarzer Fledermäuse in den Kampf zieht, dann wird es dem Titel entsprechend auch kurz mal richtig episch. Bei solch rasanten Szenen fiebern sicher nicht nur die kleinen Kinogäste gespannt mit.

Inhaltlich, wie animationstechnisch ist „Epic – Verborgenes Königreich“ ein angenehmes Kontrastprogramm zu dem sonst so gehaltlosen Klamauk der „Ice Age“-Reihe. Denn wo einem im Ice-Age-Universum die Flauschigkeit der Protagonisten schon fast zu den Ohren rauskommt und sich selbst die bösesten Buben später noch ohne Probleme als knuffige Kuscheltiere vermarkten lassen, ist das Fantasyabenteuer von Regisseur Chris Wedge („Ice Age“) überraschend hart gestaltet: Kantige Soldaten, Bösewichte mit Totenkopfmasken, ein übler Schurke mit deutschem Akzent (natürlich Christoph Waltz) und die allgegenwärtige Bedrohung durch Tod und Verfall sorgen hier für eine düstere Grundatmosphäre.

Dass trotzdem gelacht werden darf, steht bei einem Blue-Sky-Animationsfilm natürlich außer Frage. Als Ausgleich zu den bierernsten Hauptcharakteren und dem düsteren Grundton des Films hat man Hauptfigur Mary Katherine (Amanda Seyfried) mit dem Schneckenpaar Grub (Chris O’Dowd) und Mub (Aziz Ansari) gleich zwei Nonstop-Plaudertaschen an die Seite gestellt, die das Geschehen auf der Leinwand ein wenig auflockern sollen. Sind solche „komischen“ Sidekicks normalerweise dazu verdammt, dem Zuschauer schon nach wenigen Minuten auf die Nerven zu fallen, erweisen sich die Auftritte der beiden Kriechtiere als vergnügliches Intermezzo und ihre komischen Einlagen als erstaunlich treffsicher (was stellenweise auch an der großartigen Synchronisation liegen mag).

Fazit: Trotz einer überdeutlich-nervigen grünen Botschaft, einem unnötig kitschigen Friede-Freude-Eierkuchen-Ende und einer ausgelutschten Thematik ist Chris Wedges „Epic – Verborgenes Königreich“ ein spannendes, kurzweiliges und stellenweise wahrhaft episches Animationsabenteuer für die ganze Familie.