"Fair Game" (USA 2010) Kritik – Sean Penn und Naomi Watts zwischen den Fronten

„Bei uns zuhause haben wir eine Regel: Keine Politik am Tisch.“

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Wenn ein bestimmter Regisseur oder Schauspieler in seiner Karriere einen mehr oder weniger großen Hit gelandet hat, dann kann es sein, dass dieser Filmemacher einen leichten Hang dazu hat, sein bewährtes Erfolgskonzept noch einmal zu kopieren oder in einem neuen Wortlaut zu wiederholen. Ob man das nun gut oder schlecht finden soll, ist jedem Menschen selber überlassen, denn der eigene Eindruck und die Meinung stehen doch letztlich über allem. Dieses „Wiederholen“ kann allerdings auch zu einem Problem werden, was man in letzter Zeit wohl vor allem bei Johnny Depp sieht, der auf seiner Captain Jack Sparrow Darstellung hängengeblieben ist und den torkelnden Piraten immer wieder in anderen Film raushängen lässt. Auch Filmemacher Doug Liman lässt sich in diese Sparte stecken, wobei man sagen muss, dass Liman nicht gerade eines der bekannten und großen Lichter der Filmbranche ist. Seitdem Liman Regie beim Agenten-Thriller „Die Bourne Identität“ geführt hat und die zwei Nachfolger produzierte, hat er eine Vorliebe für die Darstellung von Agenten und ihren Fähigkeiten. Allerdings wird ihm das auch zu einem Teilproblem in seinem Polit-Thriller „Fair Game“ aus dem Jahre 2010, der auf reale Ereignisse zurückgreift.

Valerie Plame ist eine verdeckte CIA-Agentin, die in einem ihrer geheimen Aufträge im Irak arbeitet. Ihre Mission soll es sein herauszufinden, wie weit der Irak in Sachen Massenvernichtungswaffen ist. Ihr Mann Joseph Wilson, ein ehemaliger Regierungsbeauftragter, arbeitet ebenfalls als Berater des CIA und in diesem Fall auch erstmals mit seiner Frau zusammen. Joseph muss erschreckend feststellen, dass die Regierung bewusst Tatsachen verdreht, um einen Krieg gegen Saddam Hussein zurechtfertigen, denn in Wahrheit ist in keiner Weise ein Bau von Massenvernichtungswaffen im Irak aktiv. Joseph will die Wahrheit ans Licht bringen, doch würde damit seine Frau enttarnen, die verdeckt für die Bush-Administration tätig ist. Das Ehepaar findet sich zwischen explosiven politischen und privaten Fronten wieder…

Ohne Frage, die Besetzung, die Regisseur Doug Liman für „Fair Game“ gewinnen konnte, ist ein echter Leckerbissen an schauspielerischen Können. In der weiblichen Hauptrolle ist Naomi Watts als Valerie Plame zu sehen. Watts ist eine der vielseitigsten und besten Schauspielerinnen unserer Zeit und hat in ihrer Karriere eigentlich noch gar keine schlechte Leistung abgeliefert. Als Plame zeigt die Australierin erneut, dass immer Verlass auf sie sein kann und ihre Rolle, die zwar nicht wirklich ambivalent angelegt ist, entfaltet sie mit Leichtigkeit. Eine solide und überzeugende Performance, die zwar nicht zu ihren wahren Meisterleistungen zählt, aber zu keinem Zeitpunkt negativ auffällt. Den männlichen Part übernimmt Sean Penn, ebenfalls einer der besten Charakter-Darsteller, und zeigt als Joseph Wilson eine mindestens genauso gute Leistung wie seine weibliche Kollegin. Wenngleich Penn nicht die große Zeit bekommt, um sich richtig in das große Licht zu rücken, so versteht er es erneut, seine Performance mit viel Kraft auszugleichen und sein Mienenspiel wunderbar zu entfalten. Neben den beiden Schwergewichten bleibt nicht mehr viel Platz und Darsteller wie Sam Shepard oder David Andrews werden zu Randerscheinungen.

Das erste Problem von „Fair“ Game eröffnet sich, wie eingangs erwähnt, durch die zuweilen unrealistischen Charakterzeichnung der verdeckten CIA-Agentin Valerie Plame, bei der Liman sich seiner unübersehbaren Romantisierung nicht entziehen kann und immer wieder an fiktive Filmfiguren wie Ethan Hunt und Jason Bourne erinnern lässt, wobei damit nun nicht die Actionszenen gemeint sind, sondern ihr verbaler Umgang mit Menschen. Sicher war Plame eine durchaus mutige Frau, die sich durch die Bush-Administration schleichen musste und ihr eigenes Leben immer wieder in Gefahr gebracht hat, doch etwas weniger Pathos hätte „Fair Game“ mehr als gut getan. Des Weiteren fehlt Limans Inszenierung einfach der ansprechende Zündstoff, denn alles was uns hier innerhalb von guten 100 Minuten erzählt wird, lässt sich schon als alter Hut erzählen. De Regierung hat Informationen aus dem Nahen Osten verfremdet und daraufhin gefälscht durch die Medien sickern lassen. Bush wollte einen Krieg durch Falschaussagen legitimieren und das politische Lügenbarometer schoss ohne Halt in astronomische Höhen. Jeder der bei diesen Informationen noch verschreckt die Augen aufreißt, hat einige Zeit im Tiefschlaf verbracht oder ist einfach nur komplett unpolitisch.

Wenn wir uns dann noch die Dramaturgie von „Fair Play“ ansehen, dann wird man auch feststellen, dass Liman es sich extrem einfach gemacht hat, denn das Aufeinandertreffen von politischen und privaten Problemen wird nicht emotional abgehandelt, sondern mit wenigen Szenen abgegrast, nur um dann in einer Szene, in der Plame ihre schweren Zweifel offenkundig preisgibt und alle Masken fallen lässt, durch eine väterliche Rede alles wieder in die altbekannten Muster zu rücken. „Fair Game“ spricht sicher viele Themen an, ob es politische Manipulation, die unhaltbare Beeinflussung durch den Medienkonsum oder die damit verbundene Familienkrisen sind. Doch richtig ausarbeitet ist keiner der Punkte, entweder weil sie den richtigen Tiefgang vermissen lassen, oder schon viel zu bekannt sind und in ihren inzwischen laschen Darstellung niemanden mehr vom Hocker reißen. Man darf gerne Kritik an der Politik ausüben, doch über Dinge zu schimpfen, die altbekannt sind und nicht mehr zu ändern sind, bringt auch nicht mehr viel. So lässt sich „Fair Game“ schlussendlich auch noch überdeutlich so verstehen, dass Liman George W. Bush nur noch einmal einen kräftigen Schlag mitgeben wollte, der allerdings etwas zu spät kommt.

Fazit: „Fair Game“ hätte, allein wegen der grandiosen Besetzung, ein spannender Polit-Thriller mit dramatischen Elementen werden können, doch Liman scheitert an altbekannten Tatsachen. Das Lügenkonstrukt erschreckt niemanden mehr und dass Bush sicher kein geeigneter Präsident war, wird auch inzwischen jeder begriffen haben. Eine wirklich großartige Szene bringt „Fair Game“ jedoch mit und zwar wenn Penn und Watts mit ihren Freunden am Essenstisch sitzen, die Nachrichten verfolgen und ihr Geheimwissen nicht kundtun können. Blicke sagen in diesem Moment mehr als tausend Worte. Viel bleibt dann allerdings nicht mehr übrig, außer zwei gut aufspielende Hauptdarsteller, die ansprechende visuelle Aufmachung und die routinierte, wenn auch unpräzise Inszenierung, die nicht wirklich langweilt, aber auch nicht mitreißt.

Bewertung: 5/10 Sternen