Kritik: Fantastic Four (USA/UK 2015)

Auf ein neues!

© Marvel / 20th Century Fox

With every new discovery, there is risk. But we are stronger together than we are apart.

Wer hätte gedacht, dass in Zeiten des kalkulierten Superhelden-Leinwand-Overkills noch eine Bruchlandung, wie die des aktuellen „Fantastic Four“-Kinoabenteuers möglich ist? Gerade das Marvel Cinematic Universe (MCU) erzielt weiterhin absurd hohe Gewinne und selbst (gefühlte) Lückenfüllern wie „Ant-Man“ erwirtschaften als familientaugliche Blockbuster an den Kinokassen solide Zahlen. Inzwischen wirkt natürlich auch das MCU nicht mehr ganz frisch, allzu stark setzen die Produzenten inzwischen auf altbekannte Formeln, wobei es kaum noch Platz für Innovationen oder Wagemut gibt. Doch immerhin funktionieren die Filme des MCU problemlos als bequemes Beschallungskino, als kurzweiliger Zeitvertreib für zwischendurch. Dass nun ausgerechnet die Superheldentruppe der Fantastischen Vier, quasi die Urväter des Erfolgs des Marvel-Imperiums, an den Kinokassen baden gehen, zeigt einmal mehr, warum Marvel-Disney im Superhelden-Wettrennen auch in den nächsten Jahren die Nase vorn haben wird.

Bereits vor dem Kinostart distanzierte sich Regisseur Josh Trank („Chronicles“) per Twitter-Tweet von seinem Werk. Ein seltsamer Schachzug, der dem Film endgültig sein finanzielles Genick gebrochen haben könnte. Schon während der Produktion seien die Differenzen zwischen ihm und Studio Fox zu groß gewesen. Das Studio soll aufgrund des straffen Zeitplans massiv Druck auf den Regisseur ausgeübt haben. Angeblich sollen einige Action-Szenen unabgesprochen gekürzt worden seien und auch beim Endschnitt soll der Regisseur kein Mitspracherecht mehr gehabt haben. Warum Trank jedoch nicht bereits früher das Handtuch geworfen hat, wie es beispielsweise Edgar Wright nach Uneinigkeiten mit Disney-Marvel getan hat, bleibt jedoch fraglich. Die fertige Fassung des „Fantastic Four“- Reboots stützt jedenfalls solche Gerüchte. Der Film wirkt lieblos zusammengeschnitten. Gerade im actionlastigen Finale werden eklatante Mängel im Schnitt erkennbar. Stümperhafte Anschluss- und Schnittfehler rauben dem Zuschauer hier auch die letzte Übersicht über das ohnehin schon recht wirre Geschehen auf der Kinoleinwand.

Leider bleiben wirre Schnitte und ein überhastetes Finale nicht die einzigen Makel des „Fantastic Four“-Reboots. Das größte Manko des Superhelden-Flops sind wohl die schrecklich öden und leblosen GCI-Landschaften und die bereits vor Kinostart veralteten wirkenden Effekte, die der Zuschauerschaft hier präsentiert werden. Angesichts solcher CGI-Missgriffe muss man sich allen Ernstes fragen, wie eigentlich Produktionskosten von geschätzten 130 Millionen US-Dollar zu erklären sind…

Dabei hätte doch alles so schön werden können. Überraschenderweise überzeugt gerade der im Vorfeld recht kritisch beäugte Jungspund-Cast als fantastische Heldentruppe. Kate Mara, Michael B. Jordan, Jamie Bell und „Whiplash“-Neuentdeckung Miles Teller harmonieren deutlich besser als Marvels Oldschool Superhelden-Quartett in spe als es Jessica Alba, Chris Evans & Co. in der 2006 „Fantastic Four“-Adaption getan haben. Gerade Jamie Bell überzeugt – trotz schmächtigem Körperbau – in der tragischen Figur des gesellschaftlichen Außenseiters Ben Grimm, der später das undankbarste Los der Superheldentruppe zieht und sich in den entstellten Steinkoloss „Das Ding“ verwandelt. Letztlich bleiben von Bell nur noch dessen traurige Augen erkennbar, der Rest des Schauspielers verschwindet unter einem CGI-Panzer und dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) bleibt dessen Charakter der menschlichste im ganzen Superhelden-Spektakel.

Es ist ja nicht so, als wären nicht zumindest ein paar interessante Ansätze zu erkennen gewesen, doch irgendwie haben es Regisseur Trank und die Drehbuchautoren Jeremy Slater und Simon Kinberg nie hinbekommen, die Ideen auch in aller Konsequenz umzusetzen. Neben dem von vornherein bereits zum Scheitern verurteilten Antagonisten Dr. Doom, der hier zur echten Superschurken-Witzfigur verkommt und irgendwo zwischen größenwahnsinnigen Obernerd und Kubriks Alex aus „Clockwork Orange“ anzusiedeln ist, hätte immerhin das Militär als reale Bedrohung eine interessante Rolle im „Fantastic Four“-Reboot einnehmen können. So versuchen hochrangige Militärs hier, die vier orientierungslosen Superteenager zu skrupellosen Kampfwaffen auszubilden, was im Falle von Ben Grimm auch bestens funktioniert. Doch mehr als ein paar halbgare warnende Worte bekommt man zu diesem Thema nicht zu hören. Selbst Ben Grimms Einsatz für das amerikanische Militär, wird im späteren Verlauf des Films nicht noch einmal hinterfragt.

Fazit: Das „Fantastic Four“-Reboot wird eine teure Angelegenheit für das Studio Fox. Analysten gehen jetzt schon von einem Verlust um die 60 Millionen US-Dollar aus. 60 Millionen, die das Studio letztlich gezahlt hat, um nicht die Rechte an der Supperheldentruppe der Fantastischen Vier zu verlieren. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass Josh Tranks „Fantastic Four“-Neuauflage von vornherein nur der Lizenzerneuerung dienen sollte, ein kalkulierter Fehlschlag quasi. Lediglich die Dimensionen, in denen sich dieser filmische Fehlgriff bewegt, überraschen jetzt doch ein wenig. Natürlich möchte Fox noch immer nicht das Handtuch schmeißen und plant schon jetzt einen neuen Teil der „Fantastic Four“, der sich irgendwo zwischen Neustart und Fortsetzung bewegen soll und damit eigentlich schon jetzt zum Scheitern verurteilt.