"Fight Club" (USA 1999) Kritik – Der Weg in die Unendlichkeit

„Du hast einen Weg gesucht, dein Leben zu verändern, und allein hast du’s nicht geschafft. All das, was du immer sein wolltest, das bin ich. Ich sehe aus, wie du aussehen willst. Ich ficke, wie du ficken willst. Ich bin intelligent, begabt und das Wichtigste: Ich hab all die Freiheiten, die du nicht hast.“

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David Fincher scheint zu alternieren. Nach einem mittelmäßigen, keines falls schlechten Film, folgt ein großartiges Meisterwerk. ‚Alien³‘, ‚Sieben‘, ‚The Game‘ und ‚Fight Club‘ bestätigen das aus meiner Sicht. Um noch weiterzugehen, kann ich sagen, dass Finchers nächster Film wieder eine Enttäuschung war, der darauffolgenden aber, welch Überraschung, ein Meisterwerk. Aber darum geht es hier gar nicht. Es geht um Finchers vierten Film ‚Fight Club‘ aus dem Jahr 1999, um eines der größten Filmerlebnisse überhaupt.

Visuell ist ‚Fight Club‘, wie von Fincher inzwischen gewohnt, in jedem Punkt perfekt. Allein die einmalige Szene, in der Norton durch seine Wohnung, aufgebaut wie ein Ikea-Katalog, läuft, ist grandios. Der Film wurde in kraftvollen und gleichzeitig äußerst finsteren Bildern von Jeff Cronenwerth eingefangen. Wie schon zu ‚Sieben‘-Zeiten, gibt es in ‚Fight Club‘ auch keine satten, hellen Farben. Düsternis wie auch Trostlosigkeit bestimmen die Farben des Films und bauen so eine Atmosphäre von fast einzigartiger Wirkung auf, die zu den besten der Filmgeschichte zählt. Natürlich stimmt auch wieder die musikalische Untermalung des Films, komponiert von dem Duo The Dust Brothers. Dazu wird zum Ende der geniale Song ‚Where is my Mind‘ von den Pixies eingespielt, der passender nicht sein könnte.

Kommen wir nun zu der Besetzung. Inzwischen wissen wir auch, dass Fincher ein Händchen für die Wahl der Schauspieler hat. Brad Pitt als zynischer und durchtrainierter Draufgänger Tyler Durden, der sich einen Dreck um Regeln schert und den Nullpunkt in seinem Leben erreichen will. Brad Pitt, der nach ‚Sieben‘ zum zweiten Mal mit Fincher zusammenarbeitet, erweist sich wieder mal als exzellenter Darsteller. Er füllt seinen schwierigen Charakter ohne Probleme grandios aus. Edward Norton schlägt Pitt’s Darstellung sogar noch und wird zum wahren Highlight des Films. Norton gibt den Erzähler der Geschichte. Ein typischer Amerikaner, der unter schweren Schlafstörungen leidet und nur den nötigen Schlaf bekommt, wenn er sich in Selbsthilfegruppen vor Schwerkranken ausheulen darf. Norton zeigt nach seinen starken Auftritten in ‚Zwielicht‘ und vor allem ‚American History X‘ wieder einmal, dass er ein 1a Charakterdarsteller ist. Seine nuancierte Darstellung der verzweifelten Figur, die mehr und mehr halt durch den Fight Club gewinnt ist ganz großes Kino. Helena Bonham Carter spielt Marla Singer. Marla wirft Jack genau dann einen Stock zwischen die Beine, wo es in seinem Leben gerade Bergauf geht. Sie geht auch in die Selbsthilfegruppe, allerdings aus einem anderen Grund wie Jack. Jack kann Marla nicht ausstehen und muss nun auch noch miterleben wie Tyler immer wieder Sex mit Marla hat. Auch Helena Bonham Carter bringt ihren versifften und abgefuckten Charakter äußerst eindrucksvoll rüber und zeigt wie jeder unserer Darsteller eine ihrer besten Karriereleistungen. Desweiteren überzeugen in den Nebenrollen Namen wie Jared Leto und Meat Loaf.

‚Fight Club‘. Dieser Film, der inzwischen jedem ein Begriff ist. ‚Fight Club‘. Dieser Film, der die Zuschauer gleichermaßen begeistert wie aufrüttelt. Doch warum ist ‚Fight Club‘ nun ein Ausnahmefilm dieser Klasse? Das mag an den verschiedensten Themen liegen, die der Film uns vorführt und daran, wie sehr wir uns in den behandelten Bildern und Themen verlieren. Es geht um vieles: Die eigene Selbstkontrolle, die uns immer wieder durch Vorgesetzte und dem Staat aus den Händen gerissen wird. Die Manipulation und Täuschung durch das Fernsehen und die ganze Gesellschaft, der wir uns nicht entziehen, aber auch nicht entziehen wollen. Die Hemmungen, die uns immer wieder im Weg stehen, um den nächsten Schritt zu wagen und zu dem wir irgendwann zurücksehen werden und merken, dass dieser Punkt inzwischen alltäglich geworden ist. Die Einsamkeit, die wir immer wieder auf verschiedene Arten durchleben müssen, ob wir nun wirklich allein sind oder unter unzähligen Menschen stehen und im Gegensatz dazu stehend: Die Momente in denen wir Menschen begegnen, die genauso einsam, verloren, verzweifelt und unzufrieden sind wie man selbst. Das Aufblühen in der Gruppe, der Weg zu sich selbst und den eigenen Blockaden, ob in der Realität oder in den Gedanken, entfliehen. Die elendige Routine und innere Gleichgültigkeit hinter sich lassen, einen neuen Kurs anpeilen. Allem entspringen, dem Nullpunkt immer näher kommen und merken was Leben bedeutet, egal wie schmerzhaft der steinige Weg auch sein mag. Die ultimative und endgültige Selbstzerstörung. Auf den ersten Blick mag ‚Fight Club‘, allein von der Story her, recht simpel gestrickt sein. Doch dem Zuschauer wird schnell klar, dass er es mit keinem einfachen Film zu tun bekommt. Denn auch ‚Fight Club‘ zeichnet sich in all den Themen mit seiner Gnadenlosigkeit, Kälte und Zerstörungswut aus. Die Bilder sind hart und treffen den Zuschauer genau da wo er schmerzt. Auch schier unmöglich scheint das Hervorheben der besten Szenen, denn ‚Fight Club‘ bewegt sich durchgehend auf dem höchsten Niveau. Längen gibt es nicht, Langeweile ist ein Fremdwort und Blinzeln scheint fast schon zu viel. Auf den Zuschauer prasselt ein derartiger Bilderregen ein, wie man ihn in dieser Art nur selten erlebt.

Fazit: Mit ‚Fight Club‘ gelingt Regisseur David Fincher eine einmalige und atemberaubende Reise in die Finsternis, aber auch eine Reise in unsere eigene Welt. ‚Fight Club‘ zeigt sich als einer der vielschichtigsten, intelligentesten und gesellschaftskritischsten Filme überhaupt. Vollkommen machen ihn die perfekten Leistungen der Schauspieler, die grandiose Optik, der Soundtrack, das hervorragende Drehbuch und Fincher’s ausgezeichnete Inszenierung.

„Die erste Regel des Fight Club lautet: Ihr verliert kein Wort über den Fight Club.
Die zweite Regel des Fight Club lautet: Ihr verliert KEIN Wort über den Fight Club!
Dritte Regel des Fight Club: Wenn jemand Stopp ruft, schlappmacht, abklopft, ist der Kampf vorbei.
Vierte Regel: Es kämpfen jeweils nur zwei.
Fünfte Regel: Nur ein Kampf auf einmal.
Sechste Regel: Keine Hemden, keine Schuhe.
Siebte Regel: Die Kämpfe dauern genau solange, wie sie dauern müssen.
Und die achte und letzte Regel: Wer neu ist im Fight Club, muss kämpfen.“