Filmkritiken zu "Männerhort", "Among the Living – Das Böse ist hier" und "Wish I Was Here"

Autor: Pascal Reis

„Männerhort“ (DE 2014)

von Franziska Meyer Price, u.a. mit Elyas M’Barek, Christoph Maria Herbst und Detlev Buck

Die kommerzialisierte Manufaktur deutscher Massenkalauer rodelt und röchelt weiter: Der nächste gelbliche Auswurf in Form von „Männerhort“ darf sich natürlich ebenfalls in eine Reihe zu „Vaterfreuden“ und horrender Konsorten gesellen und zieht den Zuschauer geradewegs in ein überstrahltes (und unterbelichtetes) Paralleluniversum, in dem es wiederholt keine sozialen Schichten zu geben scheint, sondern nur die architektonisch chic verzweigte Neubausiedlung irgendwo in Frankfurt. In den Hauptrollen sehen wir ein Arschloch (Christoph Maria Herbst), einen Schwulen (Detlev Buck) und Elyas M’Barek (würg) – das muss als Charakterisierung genügen, dachten sich David Ungureit und Rainer Ewerrien übrigens auch –, die den infernalischen Plan der Frauenwelt glücklicherweise aufgedeckt haben: Die „Enteierung“ (Zitat) des männlichen Geschlechts. Hört, hört. Und so errichten sie ihr titelgebendes Refugium in einen Heizungskeller, wo sie einfach mal…männlich sein dürfen: Bier trinken, Fußball gucken und rangeln (äh) auf der Couch. Dass „Männerhort“ Gallonen von Öl in die lodernde Flamme komplementärer Gender-Debatten gießt, ist ihm leider nicht bewusst, dafür ist er zu naiv und zu selbstgefällig, was es ihm selbstredend auch unmöglich macht, seine umnachtete Nummernrevue von Klischees und noch mehr Klischees zu entkräften, anstatt sie nur im Stakkato zu reproduzieren. Am Ende folgt dann die beflissene Selbsterkenntnis, die großen Gesten dürfen aufklappen und der Weg zurück in die Spießigkeit besenrein gekehrt werden. Danke, mal wieder. Für nichts.

„Among the Living – Das Böse ist hier“ (FR 2014)

von Alexandre Bustillo und Julien Maury, u.a. mit Théo Fernandez, Béatrice Dalle und Francis Renaud

Da haben sich zwei gefunden und man wünscht sich, dass sie nie wieder voneinander lassen: Alexandre Bustillo und Julien Maury, zwei Künstler, auf deren Visitenkarte die Gravur ‚Horrorfilmregisseure mit Passion‘ einen angemessenen Platz gefunden hätte. Nach dem sehr sinnlichen „Livid – Das Blut der Ballerinas“ entladen sich die Blutsbrüder zwar nicht mehr auf der interpretativen Ebene, dafür umso stärker auf der assoziativen. Sieht man sich „Among the Living – Das Böse ist hier“ an, fühlt man sich unweigerliche in die 1970er Jahre zurückversetzt, als etwa ein Dario Argento dramaturgischen Profit einzig in seiner stilprägenden Farbkonstellation zog, als das Horror-Kino auf Stimmung(en), denn auf inhaltliche Kohärenz gesetzt hatte und immerzu für den präzise stilisierten Moment lebte. „Among the Living – Das Böse ist hier“ funktioniert da ganz ähnlich: Als Gesamtkonstrukt wenig ergiebig, einem zerschossenen Flickenteppich gleich, sind die mehr als kompetent ausgestanzten Einzelszenen von Bedeutung. Bustillo und Maury zünden ein Genre-Potpourri aus Motiven und Referenzen, irgendwo zwischen moderner Bestialität, nostalgischem Schauer, zwischen beängstigender (!) Home Invasion und dem Verlust kindlicher Unschuld. Wer sich mit einer gesunden Genreaffinität versehen sieht, kommt bei „Among the Living – Das Böse ist hier“, dieser kleinen, gemeinen Perle, auf seine Kosten.

„Wish I Was Here“ (USA 2014)

von Zach Braff, u.a. mit Zach Braff, Kate Hudson und Mandy Patinkin

Mit „Garden State“ fing das Autorenfilmerdasein von Zach Braff doch so entzückend an: Sein sensibler Diskurs über eine strauchelnde Generation, seine Generation, die sich allen Chancen zur Weiterentwicklung ausgesetzt sah, aber keine Kraft mobilisieren konnte, diese in Angriff zu nehmen, bestach durch ihre Warmherzigkeit, ihre plastischen Charaktere. Wer von „Wish I Was Here“ wirklich eine Art „Fortsetzung“ zu „Garden State“ erwartet, schaut frühzeitig bedröppelt in die Röhre. Seine Crowdfunding-Finanzierung hat bereits genügend Wellen geschlagen, die Rechtfertigung des ganzen Bohei aber bleibt Braff seinem Publikum mehr als schuldig. „Wish I Was Here“ ist einer dieser Filme, die man als harmoniesüchtige Schmalzlocke noch irgendwo akzeptieren könnte, würden sie sich nicht so durch und durch blasiert in die bedeutungsschwangeren Gesten, die salbungsvollen Posen eingraben. Zach Braff geriert sich als Kitt einer dysfunktionalen Familie, die durch die Krebserkrankung des Vaters (Mandy Patinkin) langsam wieder einen Draht zueinander findet – So weit, so schal. Dass „Wish I Was Here“ letzten Endes (immerhin) nicht alle Träume seiner Figuren verwirklicht, ändert nichts an der Tatsache, das Braffs sentimentales Rühren an den großen Themen (Wer bin ich? Wo geht es hin?) immerzu in formelhaften Schmalspurdramatik mundet: Hier kullert eine Krokodilsträne die Wange entlang, auf der Tonspur dazu immerzu flankiert vom passende Indie-Heuler, und am Ende bleibt das Lachen, das Surfbrett, der Sprung ins befreiende Blau und der Krebs als Geheimrezept für den Weltfrieden.