Filmkritiken zu "Der Richter: Recht oder Ehre", "Predestination" und "Wild Card"

Autor: Pascal Reis

„Der Richter: Recht oder Ehre“ (USA 2014)

von David Dobkin, u.a. mit Robert Downey Jr., Robert Duvall und Vera Farmiga

Hüftsteifer Biedermeier von innerfamiliärer Problembeseitigung. Robert Downey Jr. leidet am Jack-Sparrow-Syndrom und kann offensichtlich nur noch den manierierten Narzissten im Tony-Stark-Modus, hier mit mehr Tränen in den Augen, versteht sich. Robert Duvall ist daneben natürlich immer eine sichere Bank und gibt den stoischen Patriarchaten naturgemäß routiniert, so wirklich memorabel ist seine Performance aber auch nicht. Ohnehin ist „Der Richter: Recht oder Ehre“ ein auf funktionale Charakter-Modelle geeichtes Melodram, bei dem jeder Anflug von Emotionalität mit Pianogeklimper, Gitarrengezupfe oder Indie-Geseier zugekleistert wird, als wäre Zach Braff am Werke (die Prämisse tritt ja auch auf „Garden State“ zu). In seiner gnadenlos kalkulierten Mechanik, verhindert dieser 140-minütige (!) Klotzkopf kategorisch, dass „Der Richter: Recht oder Ehre“ seine angestauten Familienzwistigkeiten irgendwie intensiviert und durch wahrhaftige, sprich, affektive Menschlichkeit grundieren kann. Alles nur Schall und Rauch und doof.

„Predestination“ (AU 2014)

von Michael Spierig und Peter Spierig, u.a. mit Ethan Hawke und Sarah Snook

Meine Güte, was für ein überkonstruierter Braten, der Bestimmungsparadoxie mit aller Kraft von der Selbstbegegnung zur Selbstauflösung herleiten muss. Die Mindfuck-Dramaturgie pflegt ihren bräsigen Drang zum Einlullen kontinuierlich, ist aber ebenso darauf bedacht, das titelgebende Vorbestimmungskonzept nicht zum Clinch zwischen dem Darwinismus und dem Kreationismus heranwachsen zu lassen. Stattdessen nutzt man nur die Metapher hinter dem Huhn-Ei-Dilemma, was impliziert, dass das Motiv von „Predestination“ logischerweise (Vor-)Bestimmung bedeutet. Als retrofuturistischer Film Noir zollt man seiner handwerklichen Sicherheit noch Anerkennung, und ja, philosophische Gedankenspiele lauern an jeder Ecke. Die aber werden so konsequent im Keim erstickt, agieren Michael Spierig und Peter Spierig letztlich doch viel zu gefällig darin, ihre Hauptfiguren (Ethan Hawke und Sarah Snook) unfassbar gewitzt (…) zu überlappen. Was bleibt, ist das teilnahmslose Zusehen, wie sich die blöde Blindschleiche immer wieder in den Schwanz beißt und dafür auch noch Applaus erwartet.

„Wild Card“ (USA 2015)

von Simon West, u.a. mit Jason Statham, Sofía Vergara und Stanley Tucci

Die Karten des Schicksal kannst Du nicht zählen, Dein Leben im Zerrspiegel zu betrachten mag Dich für einen Moment vom Wesentlichen ablenken, aber: Belüge niemals einen Lügner. Im von Simon West wertig inszenierten „Wild Card“ gleiten, krauchen und stolpern wir durch ein apathisches Las Vegas, welches sich vom grellen Look und den rhythmisch auf- und abrollenden Lichtsignalen der Touristenzentrale distanziert. Stattdessen warten schnöde Hinterhöfe, symmetrische Apartments und zweitklassige Casinos, in denen die Chips über die Tische rutschen und die Karten aus den Zählern brechen, um den Übermut zu stimulieren – Findest du Gefallen daran, hat dich die Stadt der Sünde bereits unlängst mit ihrem Virus infiziert. Aber „Wild Card“ ist weniger daran interessiert, die Schattenseiten Las Vegas‘ aufzutragen und setzt Jason Statham ins Zentrum, nutzt seine gefährliche Coolness, bricht aber mit seinem markigen Hau-Drauf-Gelüsten, in dem er ihn der Gewalt ruhebedürftig entgegen positioniert. Knochen brechen zwar immer noch und Messer werden wendig in ästhetischer Zeitlupe in die Kinnlade gedonnert, aber nur, weil sie seinen Traum von Korsika, seinem Elysium, versperren. „Wild Card“ ist schon eine komische Angelegenheit, dramaturgisch zerfasert, niemals einer klaren Linie folgend, vielmehr ein ausgestanzter Lebensmoment, Impression reiht sich an Exposition, die zwar in einen Abspann mündet, aber keinesfalls ein Ende bereit hält. Und das ist richtig so.