"So finster die Nacht" (SE 2008) Kritik – So egal dieser Film

„Ich bin zwölf. Aber das bin ich schon sehr lange.“

Im Leben trifft man ja viele Menschen. Manche sind einem auf Anhieb sympathisch, manche gehen einem von der ersten Sekunde an auf die Eier und wieder andere sind so normal, dass man sie sofort wieder vergessen hat. Manche bleiben im Gedächtnis, ob positiv oder negativ, andere schaffen nicht mal den Absprung von „gesehen“ zu „gemerkt“. Die sind einem einfach scheiß egal und man hofft eigentlich nur, dass diese Person nicht einsam stirbt, weil es allen anderen auch so geht. Dass es irgendwo da draußen jemanden gibt, der diese Person mag oder sogar liebt, sie vielleicht in diesem Augenblick vermisst oder gar um sie weint. Und dann fragt man sich: Warum? Was ist an dieser Person so toll, was macht sie so einzigartig? Würde derjenige, der sie in diesem Moment vermisst, vielleicht merken, wie langweilig die Person ist, wenn sie eine der Leute treffen würde, die man selbst so sympathisch fand? Einzigartig sind alle Menschen für sich, natürlich. Doch ab und zu…ab und zu trifft man jemanden, der ist einfach was besonderes.

Überträgt man diese Metapher für „Personen, die du im Leben triffst“ auf ein anderes Medium und nennt sie „Filme, die du im Leben schaust“, dann gehört „So Finster Die Nacht“ zu der Sorte Film, von der man sich fragt, was an ihr so toll ist und was man daran so lieben kann. Für mich ist dieser Streifen nichts besonderes, er ist nicht langweilig, hat aber nichts Spektakuläres zu bieten, keine wirklichen Schwächen, keine Stärken. Man legt ihn ein und zwei Stunden später wieder zurück in die Hülle, das war’s. Kein Nachbeben in Form von Szenen, die einem nicht aus dem Kopf gehen oder Zitaten, die einem durchs Hirn schwirren. Die Geschichte kommt nach anfänglicher wirrer Schnipsel in Fahrt und fesselt in dem Maße, dass man nicht abschalten will, hat aber nichts zu bieten, was man nicht schon gesehen hätte oder auf der anderen Seite – nichts, womit man nicht gerechnet hätte. Emotional lässt er mich ebenso kalt wie das, was damit zu verbinden ist, nämlich die Schauspieler. Die haben dafür zu sorgen, dass ich mich mit den Figuren, die sie verkörpern, anfreunde, identifiziere oder verfeinde, und das gelingt hier nicht. Stirbt jemand, lässt mich das kalt. Tötet jemand, lässt mich das kalt. Verzieht jemand vor Trauer das Gesicht – mir doch egal. Kalt lässt mich hier auch die Atmosphäre und das ist des Films absolute Stärke, denn ein größeres Kompliment als „kalt lassen“ kann ich der Stimmung nicht machen. Von Anfang an taucht man ein in diesen Schnee und setzt sich rein, sie wird bis zum Ende aufrecht erhalten und gibt diesem Streifen etwas ganz Eigenes. Ohne sie wäre „So Finster Die Nacht“ um einiges langweiliger.

So bleibt dieser Film einer, den man sich an verregneten Tagen anschauen kann, wenn man nicht weiss, was man mit sich anfangen soll und der Blick auf eine verstaubte DVD-Hülle fällt, die seit zwei Jahren unter dem Fernseher verschimmelt. Nichts besonderes, ein solider Streifen ohne Überraschungen oder große Schwächen. Ich für meinen Teil hoffe dann weiter auf jemand ganz Besonderen.

Bewertung: 3/10 Sternen