"Fluch der Karibik" (USA 2003) Kritik – Johnny Depp torkelt über die Meere

„Ihr werdet diesen Tag nie vergessen, an dem ihr Captain Jack Sparrow beinahe geschnappt hättet.“

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Heutzutage wird der Begriff „Blockbuster“ schon als etwas negatives abgetan. Dabei muss das gar nicht immer der Fall sein, denn wenn man sich auf lockere Unterhaltung eingestellt hat und einfach einen entspannten wie spaßigen Abend in lustiger Runde erleben will, dann ist man mit einem solchen Blockbuster gar nicht falsch bedient. Wer sich nun noch fragt, was sich hinter diesem inzwischen eigentlich allseits bekannten Begriff versteckt, dem sei es noch einmal kurz erklärt: Blockbuster zielen ganz klar in den Bereich der Unterhaltung und des großen Publikums, die sich einen Film anschauen, ohne wirklich nachdenken zu müssen oder sich nach dem Ende des Films schlecht zu fühlen. Ganz einfach Filme, ohne besonderen Nährwert, dafür aber extra geschaffen für das Kino oder als Vernichter der Langeweile. In die Kategorie eines Blockbuster fließen Filme wie „The Dark Knight“ und ‚The Avengers‘, oder auch die Negativbeispiele wie „Transformers“ und „Battleship“. Widmen wir uns jedoch einem weiteren Highlight des Bockbuster-Ecke, dann treffen wir uns im Jahre 2003 wieder und stoßen auf Gore Verbinskis herrliches Piraten-Abenteuer „Fluch der Karibik“.

Als Grundlage für Verbinskis Film stand das gleichnamige Fahrgeschäft im kalifornischen Disneyland. Unser eigentlicher Protagonist ist William „Will“ Turner, der einst aus dem Meer gezogen wurde und ein Piratenmedaillon um den Hals trug. Die Jahre vergehen und Will hat sich zum angesehen Schmied gemausert, der sein Herz jedoch schon lange an die schöne Tochter des Gouverneurs, Elizabeth Swan, verloren hat. Die steht direkt vor ihrer aufgezwungenen Hochzeit und kann sich dank ihres zu enggeschnürten Korsetts noch einmal aus der unfreiwilligen Lage anziehen, fällt dabei aber quasi genau in die Hände des berühmt-berüchtigten Captain Jack Sparrow, der einst Captain der gefürchteten Black Pearl war, die nun unter dem Kommando von Captain Barbossa steht. Mit dem besagten Medaillon, welches in Wahrheit eine verfluchte Goldmünze ist, versteckt sich jedoch ein ganz anderes Geheimnis, denn mit der Vollkommenheit aller gesammelten Münzen und dem Blut von Elizabeth Swan soll ein lastender Fluch von Barbossa und seiner Crew genommen werden. Hinter dieser Münze sind jedoch nicht nur besagte Piraten hinterher, die Elizabeth daraufhin entführen, sondern auch Jack Sparrow, der sich ebenfalls eine durchwachsene Truppe zusammenstellt, Will mit in seine Crew einbindet und sich auf die Suche nach Elizabeth und der Black Pearl macht.

Wenn man jedoch sich mal von der Piratencrew abwendet und die Crew des Films selbst unter die Lupe nimmt, dann fällt ein Name direkt ins Auge: Jerry Bruckheimer. Ein Produzent, der für astreines Popcornkino steht und seinem Ruf in „Fluch der Karibik“ mal wieder vollkommen gerecht wird. Dazu ist es noch schön, dass „Fluch der Karibik“ auf überzogene Effekte verzichtet und auf Handarbeit setzt, wobei natürlich die Szenen der Mondscheinverwandlungen aus dem Computer kommen müssen, dafür aber weder überzogen noch unecht aussehen, sondern den gewissen Authentizitätsgrat immer bewahren. Den Rest kann man der wunderbaren Maske, den tollen Kulissen und natürlich den fantastischen Kostümen verdanken. Da muss man auch schon mit Kameramann Dariusz Wolski weitermachen, der ebenfalls starke Arbeit leistet und dem Zuschauer eine gefasste Hochglanzoptik schenkt, die eine wahre Augenfreude ist. Und auch der Score von Klaus Badelt, inzwischen natürlich unendliche Male gehört, weiß das Feeling des Abenteuers grandios zu untermalen.

Dann wären da noch die Darsteller und bei denen gibt es auch nur gute Worte zu vermelden. An erster Stelle natürlich Johny Depp, der sich einen Kindheitstraum erfüllte und endlich in die Rolle eines Piraten schlüpfen durfte. Depp ist mit Herzblut bei der Sache, in jeder Szene sieht man ihm die Freude an seiner exzentrisch-tuntigen Figur an und seine Oscar Nominierung ging für die tolle Performance vollkommen in Ordnung. Weiter geht es mit Orlando Bloom als Schmied Will Turner, der den passenden Gegenpart zu Depp gibt und sich mit der Schauspielgröße immer wieder herrlich die Bälle zuspielen kann. Keira Knightley gibt Elizabeth Swan, ebenfalls toll besetzt, auch wenn ihre Rolle nicht die großen Freiräume besitzt. Und zu guter Letzt der Australier Geoffrey Rush, der den dreckigen Captain Barbossa ebenfalls brillant verkörpert und beinahe auf Augenhöhe mit Johnny Depp steht.

Regisseur Gore Verbinski gelang es 2003 mit „Fluch der Karibik“ ein totgeglaubtes Genre wiederzubeleben und schaffte damit das, was bei seinen Vorgängern Roman Polanski und Renny Harlin scheitern musste. Er inszeniert endlich wieder ein herrliches Piraten-Spektakel, welches all das beinhaltet, was man von einem tollen Unterhaltungsfilm erwartet: Es gibt jede Menge Spaß, sympathisch-exzentrische Charaktere, Action, Spannung und wohligen Grusel, der die Story in jedem Punkt bereichert und nie Durchhänger entstehen lässt. Natürlich sollte man hier keinen Tiefsinn erwarten und etwas wirklich Bleibendes serviert uns Verbinski mit seiner Inszenierung nun wirklich nicht, aber es macht einfach unheimlich viel Laune dem bunten Treiben rundum Captain Jack Sparrow, seinen Gefährten und der verfluchten Crew zu folgen. Blickt man über Logikfehler hinweg, dann bekommt man ein Piraten-Abenteuer, wie es im Buche steht und einen Sommerblockbuster, bei dem dieser Begriff weder abwertend gemeint ist, noch im Bereich des Einheitsbrei kauert. „Fluch der Karibik“ ist kein Film der fordert, der uns irgendwas über echte Piraten erzählen will und den belehrenden Zeigefinger erhebt, ganz im Gegenteil. Verbinski inszenierte einen echten Unterhaltungsfilm auf höchstem Niveau, der nicht nur durchgehend Vergnügen bereitet, sondern auch noch verdammt gut aussieht und dazu auch noch das Herz am rechten Fleck hat.

Fazit: So muss ein Blockbuster aussehen, der sich nicht im Effektegewitter verläuft und den Zuschauer mit langweiligen Charakteren quält. „Fluch der Karibik“ bedeutet 140 Minuten unheimlich viel Spaß und Spannung. Ausgestattet mit fantastischen Bildern, einem starken Score, tollen Darstellern und wunderbaren Masken, Kulissen wie Kostümen. Ein Unterhaltungsfilm, den man sich immer und immer wieder ansehen kann, ohne dass er abflacht oder schlechter wird. Genau so muss es sein, sicher nicht tiefgründig, dafür immer bei Laune haltend.

Bewertung: 7/10 Sternen