Die "Focker" Trilogie (USA 2000-2010) Kritik – Robert De Niro, Ben Stiller und der Kreis des Vertrauens

„Meine Braut, ihr Vater und ich“ (USA 2000)

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Gaylord „Greg“ Focker (Ben Stiller) und Pam (Teri Polo) haben sich gefunden und verliebt. Nun steht Greg vor dem großen Moment, die Eltern seiner Geliebten kennenzulernen und macht sich mit ihr auf den Weg nach Long Island, um die Familie von Pam in die Zukunftspläne des Paares einzuweihen. Jack (Robert De Niro), Gregs zukünftiger Schwiegervater, ist jedoch ein harter Hund, der früher beim CIA als Agent tätig war und Greg durchbohrt, wann immer er kann, denn in seinen familiären Kreis des Vertrauens werden nicht viele Menschen aufgenommen. Greg hat es sofort schwer in der Familie, nicht nur weil er Krankenpfleger ist, sondern auch weil er nicht den nötigen Biss in Jacks Augen hat. Die Lage schaukelt sich immer weiter hoch und Greg erlebt einige der anstrengendsten Stunden seines Lebens, nicht zuletzt wegen Pams Ex-Freund Kevin (Owen Wilson), der Jacks persönlicher Liebling ist. Die Fettnäpfchen stehen bereit…

Familienkomödien mit romantischem Zusatz kommen dem Kinobesucher inzwischen schon aus den Ohren heraus, doch wenn man das Thema wie Regisseur Jay Roach angeht, dann eröffnen sich die wahren Lichtblicke im zähen Genreeinheitsbrei. „Meine Braut, ihr Vater und ich“ besitzt natürlich keinerlei Tiefgang oder anspruchsvolle Kernthematik, sondern stützt sich durchgehend ganz auf den Spaß und die Unterhaltung und kann dabei gekonnt aus den Vollen schöpfen. Die Charaktere, vom Krankenpfleger Greg, bis zum exzentrischen Familienvater Jack, werden dem Zuschauer in Windseile sympathisch gemacht und können durch ihre nicht selten schrägen Eigenarten einfach ein Gagfeuerwerk der treffsichersten Sorte entfachen. Jay Roachs Inszenierung hat das richtige Timing, ein Tempo, welches nicht im Ansatz zu Längen entlädt und weiß so gekonnt zwischen Wortwitz, Situationskomik und Klamauk umherzuspringen, dass es eine wahre Freude ist, dem bunten Treiben zuzuschauen und mitzuerleben, wie Greg von einem Fettnäpfchen ist das nächste Schlamassel stolpert.

Bewertung: 7/10 Sternen

„Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ (USA 2004)

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Nachdem Krankenpfleger Greg (Ben Stiller) seine erste Bewährungsprobe bei seinen zukünftigen Schwiegereltern gerade so überstanden hat, stehen schon die nächsten Probleme ins Haus, denn dieses Mal soll die Familie von Jack (Robert De Niro) und Co. die Familie Focker kennenlernen und sich mit Gregs Eltern Bernie (Dustin Hoffman) und Roz (Barbra Streisand) im warmen Florida bekanntmachen. Wie sich herausstellt, sind Bernie und Roz Althippies, die ihrer Sexualität freien Lauf lassen und auch vor dem strengen Besuch, ganz besonders natürlich der grimmige Jack, keinen Halt machen. Hier krachen zwei Welten aufeinander, das Chaos innerhalb der Familien ist vorprogrammiert und die Hochzeitsplanungen von Pam (Teri Polo) und Greg gerät gehörig ins Wanken…

Nachdem sich „Meine Braut, ihr Vater und ich“ zu Recht zu einem wahren Kassenerfolg mauserte, durfte eine Fortsetzung natürlich keinesfalls fehlen. 4 Jahre sollte es dauern, bis sich Greg und Jack wieder in herrlichster Weise auf der Leinwand zanken durften und den Kreis des Vertrauens in die Ferne rücken lassen. Wie es bei Nachfolgern so Brauch ist, legt auch Jay Roach eine Schippe drauf und lässt die schrägen wie skurrilen Elemente in seiner Inszenierung noch weiter aufkochen, was sich vor allem durch die Schwiegereltern von Greg abzeichnen, die ihrem Trieben auch noch im Alter keine Grenzen setzen und die Schlagsahne nicht nur für die Kuchen gebrauchen. „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ verfügt wie der Vorgänger über eine fantastische Gagdichte, die sich hier zwar öfter unter der Gürtellinie befindet, aber nie niveaulos wird, oder die Charaktere in ein unsympathisches Licht manövriert. Natürlich sollte man auch von Teil 2 kein Tiefen erwarten, weder bei der Story, noch von den Charakteren, denn hier ist das Ziel wieder ganz klar: Unterhaltung. Und dieses Ziel wurde vollkommen erreicht.

Bewertung: 7/10 Sternen

„Meine Frau, unsere Kinder und ich“ (USA 2010)

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Greg (Ben Stiller) hat es endlich in den Kreis des Vertrauens geschafft, auch wenn er dafür einige Jahre kämpfen musste, und wird von seinem Schwiegervater Jack (Robert De Niro) nun als festes Mitglied der Familie akzeptiert. Allerdings gab es Familienzuwachs und Greg und Pam (Teri Polo) sind stolze Eltern von zwei Zwillingen. Der Geburtstag der Zwillinge steht vor der Tür und die Verwandtschaft trudelt ein, als erstes natürlich Jack und Frau Dina (Blythe Danner), und mit denen kommt auch das Chaos, bei dem ein missglückter Versuch den Truthahn zu tranchieren noch das kleinste Problem ist. Greg muss sich wieder mal behaupten und zeigen, dass er der Chef im Haus ist, doch das ist leichter gesagt als getan, vor allem, weil die hübsche Arbeitskollegin Andi Garcia (Jessica Alba) deutlich zeigt, dass sie interessiert an Greg hat…

Wenn man sich eine Komödie ansieht, dann erwartet man vor allem folgendes: Gags, Spaß und flotte Unterhaltung. Wenn es sich dann noch um den dritten Teil der „Focker“-Reihe handelt, dann erhofft man sich auch, seine liebgewonnen Charaktere wieder in Bestform zu sehen und allein schon beim Mienenspiel von De Niro zu Lachern animiert zu werden, ganz zu schweigen von Stillers Gestikulierungen, die sich in den beiden Vorgängern immer in spaßigster Weise entladen konnten. In „Meine Frau, unsere Kinder und ich“ ist der Ofen jedoch endgültig aus und der neue Regisseur Paul Weisz scheitert auf ganzer Linie. Das erste Problem eröffnet sich wie gesagt damit, dass der Film einfach nicht witzig ist und keinerlei Tempo hat, sondern die ersten beiden Teile nur stumpf ausschlachtet. Die Charaktere werden ins Lächerliche gerückt, nicht auf die liebevolle und herzliche Art wie zuvor, sondern im bitteren Bereich der Fremdscham, vor allem die Szene wird schmerzhaft in Erinnerung bleiben, in der Robert De Niro seine deutliche Erektion nicht verbergen kann und diese dann von Ben Stiller behandelt bekommt. Das ist nicht lustig, das ist nur peinlich. Weisz bemüht sich zwar, überdrehte Situationen heraufzubeschwören, doch wenn man weder Timing, noch einen Sinn für Humor besitzt, sind alle Anstrengungen umsonst. Dazu gibt es noch eine nervige Jessica Alba, die andauernd von ihrer Ghettofaust redet und zwei Kinder, die kläglich in der platten Langeweile verschenkt werden.

Bewertung: 3/10 Sternen

Fazit: Wer hemmungsloses, unterhaltsames und wirklich witziges Familienchaos erleben will, der sollte zu „Meine Braut, ihr Vater und ich“ und „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ greifen, denn die beiden Filme bieten genau das. Die tollen Darsteller zeigen sich gut gelaunt und springen zwischen sympathisch albernen und herrlich schrägen Momenten nur so umher. „Meine Frau, unsere Kinder und ich“ sollte man streng übergehen, denn hier wurde all das vergessen, was die zwei Vorgänger ausgemacht hatte und der Film selbst wird zur seelenlosen Aneinanderreihung von miesen Gags, die zum Schämen einladen, aber nicht zum Lachen auffordern.