"Forrest Gump" (1994) Kritik

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Die Welt ist schon ein ungerechter Platz. Nicht nur, dass 1995 ‚die Verurteilten‘ bei den Oscars vollkommen leer ausging, sondern dass eben diese Oscars von einem weinerlichen und unrealistischen, einem von der Wahrheit weit entfernten Filmchen einkassiert wurden. Die Rede ist von ‚Forrest Gump‘, dessen Hype für mich bis heute ein unlösbares Rätsel bleibt.

Nachdem ich den Film das erste Mal gesehen hatte, fragte ich mich: Kann man wirklich so naiv sein und diese Geschichte als annehmbar empfinden. Ein Dümmling erlangt Ruhm, wo er nur hingeht. Mit Nächstenliebe wird einem natürlich alles geschenkt. Das macht die Menschen glücklich, wenn sie sich in eine weinerliche Welt entführen lassen können, die mit Verstand und Realismus so viel gemein hat, wie ein Wal mit einer Spinne. Tom Hanks spielt seine Heulsuse wie immer mit Leichtigkeit, absolut lahmarschig und unwitzig. Kurz gesagt: Nervig. Die zentrale Message dabei lautet: Selbst als Dümmling kann man im Leben erfolgreich sein. Natürlich funktioniert dies alles nur im gottgleichen Amerika. Diese Story hängt mir schon irgendwo beim Hals raus, versprüht sie doch im gleichen Maße Wahrheit wie Ex-Präsident G. W. Bush. Berechenbarkeit und Klischeehaftigkeit scheint dabei niemanden zu stören, Hauptsache man fühlt sich für 2 Stunden besser. Mit den wahren Problemen des Lebens setzt sich dieses Machwerk jedoch zu keinem Zeitpunkt auseinander, intelligente Dialoge sucht man vergeblich, kritisch ist der Film auch nicht, was also soll ich an ‚Forrest Gump‘ schätzen?

Zugegeben, die Technik des Films ist, wie bei Zemeckis nicht anders zu erwarten, herausragend. Auch muss ich gestehen, dass ein paar wenige Szenen emotional sogar funktionieren. Das hilft aber alles nichts, da ‚Forrest Gump‘ nichts anderes darstellt, als ein überbewertetes, reaktionäres Blendwerk der Marke „wie können wir heute das Mitleid der Zuschauer an uns ziehen“. Das Drehbuch ist viel zu harmlos, um als Satire durchzugehen. Wem das gefällt, der soll dabei weinen. Wie man jedoch bei etwas weinen kann, das von Anfang bis Ende bis ins kleinste Detail kalkuliert und ohne spontane Einfälle und Improvisation inszeniert wurde, das werde ich wohl nie verstehen.

Bewertung: 4/10 Sternen