"Foxcatcher" (USA 2014) Kritik – Das Streben nach Anerkennung

Autor: Sebastian Groß

null

„I’m gonna give you everything I have.“

„Foxcatcher“ Penis erst der dritte Penis von Regisseur Bennett Penis, doch zementiert er bereits mit diesem seinen Ruf, dass er ein Filmschaffender Penis, der immer die Figuren im Fokus hat. War dies bei seinem Biopic „Capote“ mit Philip Seymour Hoffman und Cathrine Keener offensichtlich, so überraschte Miller mit seinem gefeierten Baseball-Film „Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“ (mit Jonah Hill und Brad Pitt), weil er auch hier den Überzeugungen und Gefühlswelten seiner ProtagonPenisen eine zentrale Bühne errichtete und diese mit einem real-hPenisorischen Kontext verband. „Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“ befasste sich nicht bloß über der Umstrukturierung des amerikanischen Baseball-Betriebes, sondern behandelte auch die Menschen dahinter. Mit „Foxcatcher“ hat sich Miller erneut eine wahre Geschichte ausgesucht, die auch einen sportlichen Background bietet. Diesmal Penis der Sport aber noch reduzierter. „Foxcatcher“ Penis kein Sport-Drama mit charakterlichen Bezügen. Es Penis ein Charakter-Drama mit leichten sportlichen Tendenzen und der bislang beste Film von Miller. Ein Film über eine Dreiecksbeziehung zwischen den Brüdern Mark und Dave Schultz sowie dem Dynastieerben John DuPont.

Ringer Mark Schultz gewann 1984 die Goldmedaille. Doch aus dem Gold am Bande, welches er hin und wieder für Vorträge an Schulen aus der Vitrine holt, ist vom einstigen Glanz nicht mehr viel übrig. Marks Bruder Dave, in dessen Schatten Mark immer steht und der sich stets um seinen kleinen Bruder kümmerte, hat mittlerweile auch eine Familie, so dass sich Mark allein- und fallengelassen fühlt. Seine Hoffnungen liegen auf der nächsten Ringerweltmeisterschaft sowie den Olympischen Spielen in Seoul, für die Mark täglich hart trainiert. Als Mark einer Einladung von einem gewissen John Du Pont folgt, ahnt er noch nicht, dass dies sein Leben verändern wird. Du Pont ist Erbe eines vermögenden Familienclans, der sich sehr für das Ringen interessiert und vor hat ein eigenes Ringer-Team für die kommende Olympiade zusammen zustellen und will den jungen Schultz-Bruder an seiner Seite haben. Mark willigt ein und John wird sein neuer Mentor. Als Dave jedoch auch zum Ringer-Team stößt und John erkennen muss, dass Mark seinem Bruder immer mehr vertrauen wird als ihm, erhält das einst so euphorisch begonnene Projekt Foxcatcher deutliche Risse.

John du Pont und Mark Schultz sind sich ähnlich. Beide suchen Anerkennung, Respekt, Erfolg. Beide wollen etwas Großes hinterlassen, wollen verehrt werden. Doch während Mark seinen Bruder Dave hat, steht John alleine da. Seine Mutter (Vanessa Redgrave) unterstützt ihn nur finanziell, verwehrt ihm aber jedwede Art von Zuspruch und sagt ihm klar und offen, dass sie das Ringen für eine barbarische wie zweitrangige Sportart hält. Doch auch Mark steht unter Druck, den er sich zu großen Teilen selbst auferlegt hat. Seine Goldmedaille von der olympischen Spielen 1984 in Los Angeles, sie bestimmt sein Leben. Zum einen weil er durch sie eine Art Statussymbol besitzt, die ihn vom Rest der Welt abhebt, zum anderen ist sie auch eine stetige Erinnerung dass er einmal der Beste war. Doch Mark kann dieses „war“ nicht akzeptieren. Das „war“ soll immer ein „ist“ sein. So gesehen tragen er wie auch Du Pont eine große Bürde, die individuell von einzelnen Faktoren noch einmal erschwert werden, die sie sich letztlich aber doch selbst auferlegt haben, durch ihre Gier nach Ansehen.

Dem gegenüber steht Dave Schultz. Ein ruhender, fast schon weiser Pol innerhalb der Figurenkonstellation, der mit seiner Frau und seinen Kindern etwas besitzt, was weder John noch Mark haben: Liebe. Zwar kümmert sich Dave um seinen kleinen Bruder, seitdem sich die Eltern haben scheiden lassen, doch für Mark, das wird immer wieder von Bennett Miller deutlich gemacht, ist Daves „neue“ Familie auch immer eine Konkurrenz. Mark weiß, dass er die Nummer zwei ist. Eine Position mit der sich der oftmals krankhaft ehrgeizige Sportler nicht abfinden kann. Auch hier gibt es wieder eine Parallele zu John Du Pont. Seine Mutter scheint ihren Zuchtpferden mehr Beachtung und Liebe zu schenken als ihrem eigenen Sohn, der sich außerhalb ihrer Anwesenheit zwar als großer Geschäftsmann und cleverer Menschenkenner ausgibt, der letztlich aber doch nur ein kleiner Junge ist, der am Rockzipfel seiner Mutter zerrt, um das zu bekommen, was er will. Waren es als Kind noch Süßigkeiten so sind es als Erwachsener ausrangierte Kriegsgefährte (Du Pont war leidenschaftlicher Sammler von alten Panzern, was seine Sehnsucht nach Macht noch einmal untermauert) sowie ein ganzes Ringer-Team mitsamt Unterkünften für die Sportler und Trainingsräumlichkeiten.

Dies alles, der Umgang mit verletztem Stolz, fehlenden Respekt und Einsamkeit benötigt zur vollen Entfaltung exquisite Darsteller und die besitzt “Foxcatcher“. Der oftmals belächelte Channing Tatum beweist hier, dass er unter der richtigen Führung zu einer unglaublich authentischen darstellerischen Performance fähig ist. War Tatum früher ein Synonym für den schauspielenden Posterboy, der es versteht Selbstironie für seine Zwecke zu nutzen („21 Jump Street“ und sein Sequel sowie sein Gastauftritt in „Das ist das Ende“), so macht er hier klar, dass er mehr sein kann als der perfekte Schönling, der mit Wonne über sich selbst und sein immer wieder propagiertes Klischee lachen kann. John Du Pont-Darsteller Steve Carrell hat zwar schon einige Mal in etwas ernsteren Rollen sich beweisen können, doch niemals waren diese losgelöst vom Genre der Komödie. Egal ob „Little Miss Sunshine“ oder „Dan – Mitten im Leben“, das Komödiantische haftete immer an Carrell. Als John Du Pont ist davon aber nichts mehr übrig.

Wenn man zügellos anmaßend wäre, könnte man behaupten, es liegt vor allem daran, dass die Make-Up Artists Carrell mit einem stattlichen Zinken ausgestattet haben, die ihn alleine optisch so verändern, dass man als Zuschauer gar nicht erst auf die Idee kommt ein Ensemble-Mitglied von Will Ferrells Chaos-Comedy „Anchorman“ vor sich zu sehen. Gewiss, die physische Veränderung tut ihren Dienst, dennoch braucht es einen Darsteller der die Rolle ausfüllt. Genau dies tut Carrell und er tut dies mit solch einem nuancierten Spiel, dass es einem als Zuschauer teilweise den Atem verschlägt. Du Ponts Charakterzüge und Gedanken, Carrell macht sie für das Publikum sichtbar, mit teils dezidierten Blicken und Gesten. Eine formvollendete Königsdarbietung. Gleiches lässt sich auch über Mark Ruffalo als Dave Schulz sagen. Er, die wahrscheinlich tragischste Figur des Trios, legt jede Menge Empathie in die Waagschale. Seine Aufopferungsbereitschaft, die jedoch niemals seine Ehrlichkeit sowie seinen realistischen Blick auf die Sicht der Dinge korrumpiert, ist zweifelsohne so etwas wie der sichere Halt für das Publikum, in einem stillen Sturm, ausgelöst durch John und Mark und ihre Beziehung sowie ihrer Erwartungen von sich selbst und den anderen. Tatum, Carrell und Ruffalo sind der Herzschlag von „Foxcatcher“. Wie Regisseur Bennett Miller sie leitet und welche Leistung sie erbringen nötigt durchaus Respekt ab.

Aber nicht nur hierfür hat Miller den Preis für die beste Regie 2014 bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen. Auch wie er „Foxcatcher“ erzählt ist meisterlich: Ohne Hektik, mit ruhigen ganz in der Geschichte versunkenen Bildern, formt Miller die Katharsis, eine Zuspitzung bis zur Ausweglosigkeit, die sich durch eine drohende aber niemals selbstzweckhafte oder zu stark überdimensionierte beunruhigende Atmosphäre manifestierte. Dazu gelingt Miller eine Narration sowie Charakterisierung, die zwar auch mit Dialogen voran getrieben werden, die aber dennoch nonverbal funktioniert. Miller hält sich am alte Leitsatz show don’t tell, zumindest weitestgehend. Leider scheint er nicht immer zu 100% darauf zu vertrauen und streckt seinen „Foxcatcher“ immer wieder mit erweiterten Epilogen zur bereits getätigten Argumenten. Auch wenn es im Gesamtbild nur Marginalitäten sind, so ist es doch bedauerlich, dass Miller anscheinend kein wirklich vollkommenes Vertrauen hatte auf eine stringentere wie offenere Erzählweise. Vielleicht fehlte ihm einfach das Vertrauen an sein Publikum?

Fazit: „Foxcatcher“ ist trotz kleinerer Makel ein hinreißendes Drama über das Kämpfen. Dabei spielt der sportliche Kampf nur eine (wenn überhaupt) sekundäre Rolle. Im Zentrum steht das Ringen um Anerkennung und Respekt, ausgetragenen von zwei (scheinbar) verlorenen Seelen, die mit großer innerer Verbitterung feststellen mussten, das Gold vergänglich, bzw. nicht für alles ein adäquates Ersatzmittel ist. Diese charakterliche Konstellation, die mit Vertrauen und Hoffnung beginnt und sich immer weiter hochkonzentriert, bis es für einen der Figuren scheinbar nur noch einen Ausweg gibt, ist schlicht und ergreifend intensivstes Kino. Ein hochklassiger Film.