"Friendship!" (DE 2010) Kritik – Vom Osten in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

„Shut the fuck up.“ – „Shut you the fuck up!“

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In jungen Jahren träumt doch jeder einmal davon, sich einfach seinen besten Freund oder Freundin zu schnappen und die Welt gemeinsam zu erkunden. Plätze entdecken, die man vielleicht nur einmal im Leben zu sehen bekommt. Orte erleben, die man nie wieder vergessen wird und das unbeschreibliche Gefühl auch gleichermaßen mit jemandem teilen zu können, der von der eigenen Horizonterweiterung ebenso überwältig ist, wie man selber. Gerade interessant ist es, wenn man aus einem kleinen Dorf kommt und selber nie auch nur weiter als in die nächste Kleinstadt gekommen ist. Wenn sich in solch einem Fall die Möglichkeit eröffnet, dass man aus seinem verschlafenen Nest zeitweise fliehen kann, um sich an den Großstädten und den damit verbundenen Sehenswürdigkeiten zu erfreuen, dann ergreift man diese natürlich liebend gerne ohne lange zu überlegen. Dementsprechend interessant sind auch Filme, sogenannte Road-Movies, die sich einem solchen Thema annehmen und uns zusammen mit den Protagonisten quer durch die Weltgeschichte schicken. Allerdings wissen diese Werke natürlich nicht immer zu überzeugen, wie sich auch bei Markus Gollers „Friendship!“ zeigte.

Tom und Veit steht endlich die ganze Welt zur Verfügung, denn die beiden Ostdeutschen können sich darüber erfreuen, dass die Mauer gefallen ist und Deutschland wieder ein einheitliches Land ist, in dem der Wind der grenzenlosen Freiheit durch alle grauen Gassen pfeift. Doch Tom und Veit wollen nicht in Deutschland bleiben, sondern haben richtig große Ziele vor Augen: Die Vereinigten Staaten, genauer gesagt, San Francisco. Allerdings nicht ohne Grund soll es San Francisco sein, denn Veit, dessen Vater vor vielen Jahren verschollen ist, soll sich angeblich in der berühmten Weltstadt aufhalten und schuldet Veit nach wie vor einige Erklärungen. Ihre Englischkenntnisse entsprechen heutigen Grundschulmaßstäben und doch machen sich die beiden breitgrinsend auf den Weg durch das riesige und fremde Land, in dem ein Abenteuer nach dem anderen auf die beiden Männer wartet. Die ersten zwischenmenschlichen Probleme schleichen sich ein, als sie mit Zoey Bekanntschaft schließen…

Wenn man in Deutschland Zuschauer ins Kino locken will, mit einem Film, aus den eigenen Landen versteht sich, dann sollte man, wenn möglich, immer auf einen der großen Publikumslieblinge zurückgreifen, die mit ihrem Namen sicher viele Menschen ins Kino locken werden, auch wenn der Großteil wahrscheinlich weiblich ist. Im Fall von „Friendship!“ ist die Wahl auf Matthias Schweighöfer getroffen, einer der großen Sympathiebolzen, der zwar nicht immer wirklich mit seinem schauspielerischen Talent glänzt, aber in „Friendship!“ tatsächlich eine seiner besseren Leistungen zeigt, auch wenn er in Sachen Mimik und Gestik immer wieder deutlich übertreibt. Viel besser macht sich Friedrich Mücke an Schweighöfers Seite, der nicht für die Lacher zuständig ist, sondern schon beinahe als Ruhepol betrachtet werden kann. Nie fällt Mücke aus dem Rahmen oder macht sich negativ bemerkbar, dafür ist seine Darstellung einfach zu gefasst und unaufgeregt. Ohne Frage ist er hier das schauspielerische Glanzlicht und für die aufgesetzte Slow-Motion-Szene gegen Ende konnte der Schauspieler rein gar nichts. Die Nebenrollen sind hier nur beiläufig erwähnenswert, denn weder namenhaft tritt hier etwas wirklich Bedeutendes auf, noch kann eine Performance wirklich aufmerksam auf sich machen. Höchstens Colin Farrell-Ex Alicja Bachleda als Zoey liefert eine solide Darstellung, doch mehr kommt nicht.

Vom grauen Osten, in dem jeder Ausbruch mit dem Tode enden kann und die Mauer als Grenze allen Möglichkeiten steht, machen sich die Tom und Veit auf in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Gegensätzlicher geht es wohl kaum, denn beginnt alles in der grauen Einöde, so eröffnen sich in den USA doch unendliche Weiten, die nicht nur den eigenen Horizont erweitern und gleichermaßen explodieren lassen, sondern auch eine Schönheit mit sich bringen, die man im kahlen Osten sicher nie im Ansatz so genießen durfte. Unter diesem Mantel ist „Friendship!“ auch mit einem wirklich ansprechenden wie interessanten Thema gesegnet und will keinesfalls als einer der beliebten DDR-Filme à la „Sonnenallee“ verstanden werden, sondern als astreines Road-Movie, in dem es eben nicht nur um die Horizonterweiterung geht, sondern auch um Freundschaft und Zusammenhalt. Um familiäre Wahrheiten und zwischenmenschliche Problemüberwindungen. Sind die ersten 20 Minuten jedoch vergangen, dann verliert auch „Friendship!“ das nötige Tempo, welches die zu Anfang sympathischen Charaktere in die Geschichte werfen konnten. Die Geschichte schleppt sich von einem Ort zum anderen, die skurrilen Elemente in Gollers Inszenierung wollen nicht zünden und gerade der Spagat zwischen gefühlvollen, sentimentalen und humorvollen Szenen gelingt „Friendship!“ nur sehr, sehr selten.

Über die Harmonie zwischen den beiden Hauptdarstellern braucht man nicht lange reden, denn die stimmt und ist auch der große Pluspunkt in „Friendship!“, auch wenn der Tiefgang nur selten zum Vorschein kommt und wenn, dann auch nur geringfügig von Interesse für den Zuschauer. Ein weiteres Defizit neben dem inszenatorischen Ungleichgewicht der Gefühle, ist die doch zu handzahme Umsetzung und Darstellung, ob es der belanglose Verlauf ist, oder die brave Charakterzeichnung. Hier und da mal ein frecher Spruch reichen dafür einfach nicht aus, denn Goller hat bewusst Wert daraufgelegt, seine Protagonisten immer in einem sympathischen und liebenswerten Licht erstrahlen zu lassen, was nicht durchgehend der klügste Schritt gewesen ist. Wenn sich „Friendship!“ dann seinem Ende nähert und mit einer vollkommen deplatzierten Zeitlupen-Einstellung dem Zuschauer beinahe ins Gesicht schreit, dass jetzt der dramatische Höhepunkt erreicht ist, dann ist das nicht nur ein negativer Ausfall, sondern in seiner unnötigen Art kaum zu tolerieren.

Fazit: „Friendship!“ ist nettes, aber vollkommen belangloses und ungleichmäßig inszeniertes deutsches Kino, welches sicher niemandem wehtut, aber keinerlei Nährstoff bietet, der auch nach dem Ende des Films noch im Gedächtnis bleiben könnte. Zwei gutgelaunte Hauptdarsteller zeigen nette Leistung und auch die Kameraaufnahmen der amerikanischen Weiten können sich durchaus sehen lassen, doch die Geschichte selbst weiß einfach nicht zu überzeugen, nicht weil Goeller sich immer mehr aufhalst, sondern weil er keine Verbindung zwischen seinen ganzen beiläufigen Themen und der Hauptgeschichte findet. „Friendship!“ muss man wirklich nicht gesehen haben.

Bewertung: 4/10 Sternen