"From Dusk Till Dawn" (USA 1996) Kritik – In Mexiko sind die Vampire los

„Gott liebt es das Messer reinzustechen und die Klinge abzubrechen!“

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Freundschaften sind eine schöne Sache, vor allem wenn man mit seinem besten Freund sogar in der gleichen Branche arbeitet und sich dort des Öfteren über den Weg laufen kann. Da hätten wir zum Beispiel Ben Stiller und Owen Wilson, Leonardo DiCaprio und Tobey Maguire, oder auch Matt Damon und Ben Affleck. Dass diese Schauspieler sich auch in Filmen gerne über den Weg laufen, sollte inzwischen bekannt sein und auch im echten Leben bekommt man durch die Medien immer wieder Bilder zusehen, in denen man diese Pärchen zusammen in ihrer Freiheit bei verschiedenen Aktivitäten sieht. Eine ganz andere und ebenso besondere Freundschaft besteht zwischen Quentin Tarantino und Robert Rodriquez, die sich beide schon seit langem als Kultregisseure betiteln können und von denen jede neue Filmankündigen mit Jubel und Freude angenommen wird. Bis zum Jahr 1996 arbeiteten die beiden Männer schon zweimal zusammen, zum einem in den Neo-Western ‚Desperado‘, bei dem Rodriquez die Riege übernahm und Tarantino eine Schauspielrolle ausfüllte und zum anderen der Episoden-Film ‚Four Roums‘, bei dem Rodriquez eine Episode inszenierte und Tarantino sowohl als Regisseur und Schauspieler fungierte. Warum ausgerechnet das Jahr 1996 nun als Grenzpunkt gewählt wurde, lässt sich damit erklären, dass in diesem genannten Jahr die dahin beste Zusammenarbeit in ‚From Dusk Till Dawn‘ des Duos entstand.

Die Gecko-Brüder genießen schon einen hohen Bekanntheitsgrad in Amerika. Jedoch nicht gerade durch gute Taten, sondern durch ihre Gewaltverbrechen. Da wo die beiden Brüder Seth und Richard auftauchen, bleiben Leichen zurück. Als sie den gottlosen Priester Jacob und seine Kinder Kate und Scott als Geiseln nehmen, um über die mexikanische Grenze zu kommen, geht der Wahnsinn erst richtig los, denn in der abgelegenen Truckerbar Titty Twister erwartet die Gruppe keine besoffenen Männer, sondern blutsaugende Ungeheuer.

Die Aufgabenverteilung war klar: Tarantino und Rodriquez schrieben zusammen das geniale Drehbuch, Rodriquez selbst nahm auf dem Regiestuhl Platz und Tarantino übernahm noch die Rolle des unberechenbaren Richard. Auf diesen Grundpfeilern einen Film aufziehen zu können, spricht natürlich schon für sich und alle diese Punkte offenbaren keinerlei Schwächen. Ebenso wie anderen Bereiche. Angefangen mit der tollen Kameraführung von Guillermo Navarro, der zuvor bei ‚Four Rooms‘ oder ‚Desperado‘ schon fantastische Arbeit leistete, zeigt auch hier wieder sein ganzes Können. Die hitzigen Aufnahmen, ohne wirre Einstellungen, die immer weiter von einem düsteren Schleier umschlungen werden, übertragen genau die richtige Atmosphäre auf den Zuschauer. Dazu natürlich der passende Score von Graeme Revell, angereichert mit Songs wie „Dark Night“ von The Blasters oder „After Dark“ von Tito & Tarantula, der wie in jedem Rodriquez oder Tarantino-Film wunderbar die Szenen begleitet. Wie schon erwähnt, auch bei den Schauspielern gibt es nichts zu meckern. Quentin Tarantino („Pulp Fiction“) spielt Richard Gecko, George Clooney („Michael Clayton“) Seth Gecko, Harvey Keitel („Taxi Driver“) den Priester Jacob, Juliette Lewis („Kap der Angst“) Töchterchen Kate und Ernest Liu den Sohnemann Scott. Dazu die Nebenrollen, die mit Leuten wie Salma Hayek, die einen legendären Tanz zeigt, Tom Savini, Danny Trejo und Cheech Marin wirklich toll besetzt sind und vor allem in Fankreisen für ein breites Lächeln sorgen dürften.

Alles fängt an wie ein ganz normaler Gangsterfilm. Wir sehen einen Sheriff wir er seinen täglichen Tankstellenbesuch macht und dabei genau in die Hände der Gecko-Brüder Seth und Richard läuft, die gar keinen Spaß verstehen und die ganze Tankstelle auseinandernehmen und dabei keinen Stein auf dem anderen lassen. Danach geht die Reise weiter zum nächsten Motel, in ihrem Kofferraum haben sie schon eine neue Geisel versteckt. Hier laufen sie zum ersten Mal der dreiköpfigen Familie Fuller über den Weg. Ihr billiges Zimmer frischbezogen, verlässt Seth die Behausung auch schon wieder um kurz etwas zu essen zu holen. Als er wiederkommt ist die Geisel Gloria bereits tot, ihre vergewaltigte Leiche liegt auf dem Bett und das Blut ist im ganzen Zimmer verteilt. Hier macht uns Rodriquez die beiden Standpunkte der Charaktere klar. Der eine, sachliche Bruder, mit den klaren Gedankengängen und der andere, psychopathische Bruder, dessen Handlungen nie berechenbar sind. Nun brauchen sie neue Geiseln, um an ihren Treffpunkt in Mexiko zu kommen, doch da sie schon gesuchte Verbrecher sind, können sie nicht ohne Probleme die Grenze überschreiten. Hier kommt dann Familie Fuller richtig ins Spiel, die die Gewaltverbrecher nun über die Grenze bringen sollen. Jacob ist ein Priester, der seit dem Tod seiner Frau nicht mehr an Gott glaubt und sich um seine beiden Kinder allein kümmern muss. Zusammen machen sie sich gezwungenermaßen und mit geladener Pistole am Kopf auf den Weg und erreichen auch ihr Ziel: eine dreckige Absteige mitten in der Wüste namens Titty Twister. Hier sieht erst alles nach einer schmutzigen Spelunke aus, in der sich Trucker und Biker besaufen und gegenseitig die Fressen polieren. Als es jedoch zum hocherotischen Auftritt von der mysteriösen Santanico Pandemonium kommt, bricht das Chaos in der Bar aus und alles ist plötzlich voll von Vampire. Nun müssen die Brüder mit der Familie zusammenkämpfen, um diese alles verändernde Nacht zu überleben.

„Sahen die aus wie Irre? Haben die etwa so ausgesehen? Das waren Vampire! Irre explodieren nicht, wenn das Sonnenlicht sie trifft! Ganz egal wie irre sie sind!“

Auf den ersten Blick könnte man meinen, ‚From Dusk Till‘ Dawn ist das trashige Austoben zweier Filmfanatiker, die in bester B-Movie Manier nach Lust und Laune auf den Putz hauen. Das funktioniert auch auf dieser Ebene, denn Rodriquez hat spürbar Spaß bei seiner Inszenierung gehabt und lässt das Blut und die Gliedmaßen nach Belieben durch die Gegend fliegen, dabei spielt er gekonnt mit Erwartungen, überlässt dem Zuschauer so manches Mal den gedanklichen Freiraum und entzieht ihn immer wieder dem Voyeurismus. Aber ‚From Dusk Till Dawn‘ weiß auch darüber hinaus zu überzeugen, denn immer wieder gibt es wichtige Anhaltspunkte, die sich auch auf uns selber übertragen lassen. Vom brutalen Road-Movie schlägt alles um in den brettharten Vampir-Trash, der in Sachen Splatter keine Grenzen kennt und bei dem den Charakteren eine ganz neue Rolle zugesprochen wird. Die beiden Gecko Brüder wären die klaren Antagonisten des Films, die den gottlosen Priester und seine Familie in ihre dreckigen Handlungen einbeziehen und in das eigene Verderben führen, obwohl die Familie selbst schon zerrüttet war, genau wie die zerstörten Familienverhältnisse der beiden Brüder. Sind die Blutsauger aber erst mal von der Leine, dann wird vor allem Seth zu interessanten Figur, der dem Priester, dessen Glaube durch einen schweren Schicksalsschlag verlorenging, zurück zu Gott führt und das mit einer kurzen, aber vollkommen schlüssigen Ansage. Der wichtigste Satz im Film ist und bleibt: „Ich glaube nicht an Vampire, aber ich glaube an das, was ich sehe.“ Die Dunkelheit, das Böse und eigentlich Unvorstellbare, hat sich in diese Welt eingeschlichen und beschwört die Doppelmoral und die religiöse Kehrtwendung auf, die sich auf jeden der Charakter projizieren lässt. Diese Punkte verbindet Rodriquez mit Bravour und macht aus ‚From Dusk Till Dawn‘ einen coolen, extrem blutigen, ironischen und ebenso zynisch verdrehten Kampf von „Gut“ gegen Böse.

Fazit: ‚From Dusk Till Dawn‘ hat seinen Kultstatus mehr als nur verdient. Mit vielen Zitaten und den klaren Andeutungen lässt sich Rodriquez Inszenierung schon als Hommage bezeichnen, aber der Film geht auch in seiner eigenständigen Art vollkommen auf. Gerade durch die tollen Darsteller und durch das starke Drehbuch kann sich der Film entfalten und allen Moralvorstellungen oder Konventionen aus dem Weg gehen. Blutig, dreckig, abgedreht und mit ultracoolen One-Linern bepackt hat ‚From Dusk Till Dawn‘ sich seinen Platz in der Filmgeschichte mehr als nur gesichert.

Bewertung: 8/10 Sternen