"G.I. Joe – Die Abrechnung" (USA 2013) Kritik – Tiefe gibt es nur auf der Z-Achse

Autor: Jan Görner

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„Hey Joe, where you goin‘ with that gun in your hand?“

Das vergangene Jahr ist gut gewesen zu Channing Tatum. Zuerst konnte der 32-Jährige in „21 Jump Street“ sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen und dann in seinen zwei Soderbergh-Kollaborationen „Side Effects“ und „Magic Mike“ Kritiker und Publikum sogar davon überzeugen, dass sie es mit einem ernstzunehmenden Schauspieler zu tun haben. Fast vergessen waren die Zeiten von „G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra“ als er als all-american hero hölzern durch die Kulissen stolperte. Fast. Da hätte sich das Quasi-Reboot „G.I. Joe –Die Abrechnung“ doch wunderbar angeboten, um nicht nur das Franchise, sondern auch gleich Tatums geschädigten Ruf zu rehabilitieren. Hätte.

Seit wir ihn das letzte Mal sahen, ist Captain „Duke“ Hauser (Channing Tatum) zum Anführer der G.I.-Joe-Einheit aufgestiegen. Als in Pakistan die Regierung zusammenbricht, schickt der US-Präsident (Jonathan Pryce) die Joes, um die Nuklearsprengköpfe des Landes zu sichern. Doch die Elitesoldaten geraten in einen Hinterhalt, dem fast die gesamte Einheit zum Opfer fällt. Die Joes sind Opfer einer Verschwörung von allerhöchster Stelle geworden, die sie als vermeintliche Landesverräter brandmarkt, um die Kontrolle über die Welt zu übernehmen. Als einzige Überlebende ist es nun an den Soldaten Roadblock (Dwayne Johnson), Flint (D.J. Controna) und Lady Jaye (Adrianne Palicki), die Feinde der Freiheit aufzuhalten und ihre Freunde zu rächen.

Paramount hat einfach kein Glück mit seinen Großprojekten. Neben dem PG-13-Zombie-Actioner „World War Z“ war vor allem die Spielzeugverfilmung (dass das mal ein Wort werden würde, an das sich Kinogänger gewöhnt haben, hätte ich auch nicht gedacht) „G.I. Joe – Die Abrechnung“ von Problemen geplagt. Eine Konvertierung in 3D war der offizielle Grund, warum man sich im Mai letzten Jahres kurzerhand entschloss, den geplanten Starttermin um ganze neun Monate auf März 2013 zu verschieben. Wahrscheinlicher ist aber wohl, dass desaströse Testvorführungen Nachdrehs notwendig machten, die Publikumsliebling Channing Tatum mehr Leinwandzeit einräumen sollten. So oder so wurden mit dieser drastischen Entscheidung etliche Millionen Dollar in den Sand gesetzt, denn zum Zeitpunkt da die Notbremse gezogen wurde, lief die Werbemaschine bereits auf Hochtouren. Ob es sich gelohnt hat? Seit „Kampf der Titanen“ haben nachträglich in 3D konvertierte Filme einen schlechten Ruf. Aber die Technologie hat seit 2010 einige Fortschritte gemacht und so nimmt sich der Effekt in „G.I. Joe – Die Abrechnung“ bis auf einige blurlines doch recht anständig aus. Und schließlich ist der 3D-Aufschlag zum Ticketpreis ein nettes Sahnehäubchen. Mehr Tiefe erhält der Streifen auf diese Weise aber auch nur auf der Z-Achse.

Joseph Gordon-Levitt, Dennis Quaid, Sienna Miller – die Liste an Personal, auf das im zweiten G.I.-Joe-Abenteuer verzichtet wird, ist durchaus namhaft. Und eigentlich müsste auch Channing Tatum hier genannt werden, ist sein Auftritt doch wenig mehr als ein besserer Cameo. „G.I. Joe – Die Abrechnung“ ist auf Flurbereinigung ausgelegt und in dieser Funktion näher am Reboot als am Sequel. Dass im Titel auf eine Ordnungsziffer verzichtet wurde, liest sich in diesem Zusammenhang programmatisch. Die Neuzugänge um Dwayne „The Rock“ Johnson liefern allesamt Dienst nach Vorschrift. Der Ex-Wrestler muss allerdings auch nicht aus seiner bequemen Rolle als tougher Actionheld mit einem flotten Spruch auf den Lippen schlüpfen. In der Tat funktionieren die (vermutlich nachgedrehten) Szenen zwischen ihm und Channing Tatum am besten. Bruce Willis für seinen Teil bringt die gleiche Begeisterung für seinen Job mit wie schon zuletzt in „Stirb langsam 5“ oder „The Expendables 2“. Nämlich gar keine. Wer nicht mit dem „G.I. Joe“-Franchise vertraut ist, wird die große Symbolkraft von General Joe Colton, dem Namenspatron der Eliteeinheit, wohl ohnehin nicht erfassen. Willis ist es offenbar auch schnuppe, er schaut grimmig drein, wie ein Schauspieler, der darauf wartet endlich seinen Scheck zu bekommen. Dafür ist mit dem Wu-Tang-Clan-Mitglied und Martial-Arts-Fans RZA („The Man with the Iron Fists“) als blinder Schwertkampfmeister ein echter Casting-Coup gelungen. Zwar kann der Rapper keinen einzigen Satz halbwegs deutlich aussprechen, dafür genießt er aber Exotenbonus.

Als Regisseur machte sich Jon Chu einen Namen mit aufwendigen 3D-Tanzfilmen wie „Step Up 4: Miami Heat“ und tatsächlich taugt er auch etwas als Action-Choreograph. So können sich besonders die Ninjakampf-Sequenzen mit den beiden Fan-Favoriten Shadow (Lee Byung Hung) und Snake Eyes (Ray Park) durchaus sehen lassen. Chu müht sich gleichsam, die Geschichte um die Eliteeinheit mehr im Actiongenre zu erden. Auf allzu spinnerte Sci-Fi-Elemente wie die Nanobots des niedrigschwelligen Franchise-Einstiegs von 2009 wird weitgehend verzichtet. Die Zerstörung eines menschenleeren Londons via kinetic bombardment bietet zwar Schauwerte, bleibt darüber hinaus aber merkwürdig zusammenhangslos und blutleer. Bei Rollennamen wie Lieutenant Lady Jaye oder Sergeant Major Roadblock fällt es ohnehin nicht ganz so leicht, dem Geschehen immer mit einem ernsten Gesicht zu folgen.

Die Geschichte ist ein Action-Plot nach Schema F mit federleichten Polit-Thriller-Anleihen, der kaum der Rede wert ist. „G.I. Joe – Die Abrechnung“ richtet sich traditionell ohnehin eher an ein Publikum, dem Charakterisierung und Story zu sehr von den Spezialeffekten ablenken, und schließt in einer Reihe mit den anderen Hasbro-Lizenzfilmchen wie „Transfromers“ und „Battleship“ bündig ab. Entsprechend eingenordet, kann man den Fast-Neustart als belangloses Feuerwerk durchaus goutieren. Wer aber etwas mehr erwartet, muss wohl doch auf den Sommer hoffen.