"Geboren am 4. Juli" (1989) Kritik – Eine wahre Errungenschaft des Antikriegskinos

„Manchmal wünschte ich… wünschte ich.. also das erste Mal wurde ich in den Fuß getroffen. Ich hätte mich hinlegen können. Ich meine, wen interessiert es heute, ob ich ein Held bin oder nicht. Ich wurde kastriert an dem Tag. Und wieso? Weil ich so blöd war.“

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„Ist so heiß hier, so ’ne miese Kacke, das muss die Hölle sein… oder das Fegefeuer!“
Nach „Platoon“ schuf Oliver Stone 1989 erneut einen Film über die Epoche des Vietnamkriegs, welcher dieses Zitat untermauert.

„Geboren am 4. Juli“ ist ein eindringliches, aufwühlendes Antikriegsdrama. Der Film handelt von Ron (Tom Cruise), einem Kämpfer und Patrioten. Freiwillig meldet er sich zur Elite-Einheit der Marines und kämpft an vorderster Front in Vietnam. Bei einem Einsatz wird er schwer verletzt. Für den Rest seines Lebens an den Rollstuhl gefesselt, enttäuscht und verbittert, kehrt er in die Heimat zurück. Dort wird der Protest gegen den Vietnam-Krieg immer lauter. Und das ist für Ron schlimmer als sein eigenes Schicksal. Erst die Begegnung mit seiner Jugendfreundin Donna öffnet ihm die Augen für die Sinnlosigkeit des Krieges…

Nach „Platoon“ hat Oliver Stone hier erneut ein äußerst schockierendes Kriegsdrama auf die Beine gestellt. Er stellt die Folgen des Vietnamkriegs als tragische Zerstörung des Menschenlebens dar, und behandelt ganz nebenbei die damalige politische Lage in Amerika. Dabei heimste der Film 1990 bei den Oscars ganze 8 Nominierungen und 2 Siege ein. Und wenn ich eines selten sage, dann wohl, dass dies ein Film ist, welcher alle Auszeichnungen verdient hätte. Für John Williams packenden Score, für das Drehbuch, für die Kamera, …, und vor allem für Tom Cruise alles überragende Darstellung des behinderten Vietnam-Veteranen. Allein wegen Cruise hat mich der Film sehr berührt. Ich bin keiner derer, die gegen Tom Cruise eine Antipathie hegen, sondern finde ihn immer wieder hervorragend als Schauspieler. Daher ist es umso lobenswerter, wenn ich sage, dass dies wohl seine beste Rolle überhaupt ist. Er spielt seine Rolle dermaßen vielseitig, sowohl physisch und mental, als auch artistisch und emotional, so dass ich nicht nur einmal Gänsehaut bekommen habe. Und selbst Willem Dafoe hat hier nach „Platoon“ erneut einen kleineren, aber entscheidenden Auftritt. Abgesehen davon ist die Inszenierung einfach perfekt, vielleicht teils etwas zu patriotisch, aber dennoch überaus gelungen. Einen harten Schlag ins Gesicht haben mir ganz besonders die Szenen im Lazaret und in der Vietnamhütte versetzt. So realistisch, so traurig, so brutal.

Trotzdem bleibt der Film im Gesamtpaket nicht ohne kleinere Schwächen. Teils etwas zu amerikanisch geraten, anfangs leicht klischeebehaftet, aber das stört hier nicht wirklich, da es sich unmittelbar in das realistische Gesamtbild einfügt. Zudem verläuft die charakterliche Entwicklung von Ron ab und zu etwas zu plötzlich.

„There was another war waiting for the soldiers when they returned home.“ Oja, und gerade deswegen ist „Geboren am 4. Juli“ für mich mehr als nur ein Film. Er ist ein großartiges gespieltes und umgesetztes Stück amerikanischer Geschichte, ein wichtiger Beitrag zum Thema Krieg und amerikanischer Politik und eine Lehrstunde, welche niemand verpasst haben sollte. „Geboren am 4. Juli“ ist ein Meisterwerk und wenn ihr mich fragt, ist das ein Film, der in der Schule gezeigt und besprochen werden sollte! Oder bin ich der Einzige, der allein folgendes Zitat für diskussionwürdigen Stoff hält?

„I had a mother; I had a father, things – things that made sense. Do you remember things that made sense? Things you could count on? Before we all got so lost? What are we gonna do, Charlie? What am I gonna do?“

Selten hat ein Film so überzeugend und hart gezeigt, wie sinn- und hirnlos Krieg ist! Und so frage ich mich: Wo ist der Oliver Stone aus diesen Jahren abgeblieben?

Bewertung: 9/10 Sternen