"Gefährten" (USA 2011) Kritik – Als Steven Spielberg alle guten Geister verließen

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Nachdem das Kinojahr 2012 mit „Drive“, „The Artist“ und „Ziemlich beste Freunde“ einen traumhaften Start hingelegt hat, findet nun die erste Enttäuschung bzw., um es unbarmherzig auszudrücken, Katastrophe ihren Weg in die Kinos. Steven Spielberg, den ich immer geschätzt, ja sogar lange Zeit zu meinen Lieblingsregisseuren gezählt habe, bietet nach der schwachen „Tim und Struppi“-Vorstellung einen weiteren Grund, warum er besser in Rente gehen, also nur noch produzieren und die Welt mit seiner geldgierigen Ader verschonen sollte.

„Gefährten“ handelt von der Freundschaft zwischen einem Jungen und seinem Pferd während des ersten Weltkrieges. Klingt das etwa nicht dramatisch und revolutionär? Richtig geraten, denn die an sich schon dämliche und altmodische Story verfällt in Kitsch und Klischees, in uninspirierte Inszenierung und eine vorhersehbare Erzählung der Extraklasse. Aber es wird noch schlimmer, denn der Film hat weder Tiefgang noch eine Aussage zu bieten, noch versucht er ansatzweise neue Seiten aufzuziehen oder zu zeigen, wie es wohl damals wirklich zugegangen sein muss. Gott sei dank gibt es hierfür bereits das Werk „Im Westen nichts Neues“. Sehr empfehlenswert!

Zurück zum Graus. Die Umsetzung ist mangelhaft, was weniger Williams grandiosem Score zu verschulden ist, der dabei ganz und gar nicht ins Geschehen passt, sondern vielmehr den unauthentischen Kriegsszenen (da wollte Herr Spielberg wohl möglichst viele Twilight-Fans ins Kino locken, so unblutig fällt der Krieg hier aus) und natürlich sprechen die Deutschen hauptsächlich miteinander Englisch, damit der Ami bloß keine Untertitel lesen muss. Die nicht vorhandene Atmosphäre setzt der Inszenierung dann die Krone des Fremdschämens auf.

Zur Story: Was soll ich dazu nur sagen. Klischee- und schmalztriefend wohin das Auge reicht. Die Deutschen werden mal wieder als die Grausamen des Krieges dargestellt, als die, die Essen klauen und ihre Kinder in den Krieg schicken. Am allerschlimmsten ist aber, dass eine bedeutunglose Szene der anderen folgt und jede einzelne dieser Szenen ungemein quälend in die Länge gezogen wird. Dabei sei das für das Vorankommen der Geschichte total abkömmliche halbstündige Intro besonders hervorgehoben. Letztendlich muss man sich noch mit miesen Dialogen und oberflächlich gezeichneten Charakteren rumschlagen. Es ist vor allem unglaublich interessant einem durchdrehenden Pferd dabei zuzuschauen, wie es über das Schlachtfeld läuft und dabei zufällig wieder auf den Jungen trifft, der es Anfangs für Kriegszwecke verkaufen musste. Wer wirkliche Aufklärung erfahren möchte, dem sei nochmals „Im Westen nichts Neues“ ans Herz gelegt.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass ich selten einen Film gesehen habe, der so hingeschludert wirkte wie „Gefährten“. Falls jemand Tabletten gegen Dreheifer hat, bitte schicken Sie diese an Herrn Spielberg, damit dieses Hingerotze endlich ein Ende nimmt, auch wenn es nach diesem Totalreinfall nicht mehr schlimmer werden dürfte.

Die finale Erkenntnis: „The war has taken everything from everyone.“ Vielen Dank, Mr. Spielberg, aber dass der Krieg Opfer jeglicher Art fordert, ist wohl kaum etwas Neues. Dass diese unfassbare Erkenntnis dann als billige „Lassie“ meets „Der Soldat James Ryan“-Odyssee verkauft wird, ist beleidigend. Selten hat man so viel Pferdemist auf einem Haufen gesehen, in der selbst die starken Kameraeinstellungen, die Spielbergs Filme normalerweise auszeichnen, zu keinem Zeitpunkt präsent sind, sondern vielmehr an billige Hochglanzkopien aus John Ford Western erinnern.

Fazit: Der erste Weltkrieg als Kitschparade – Erich Maria Remarque würde sich im Grab umdrehen.