"GoodFellas" (USA 1990) Kritik – Drei Jahrzehnte in der Mafia

„Wenn man zu einer Bande gehört, sagt einem niemals jemand, dass man dich umbringen will. So läuft das nicht. Es gibt keine großen Auseinandersetzungen oder Flüche wie im Film. Deine Mörder kommen mit einem Lächeln. Sie kommen als deine Freunde, als Leute, die sich dein ganzes Leben lang um dich gekümmert haben. Und sie kommen immer dann, wenn man ganz unten ist und ihre Hilfe am nötigsten braucht.“

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Als Fan von Gangster-Filmen, ganz besonders über die Mafia, sind die Filme von Martin Scorsese für mich natürlich unumgänglich und schon fast heilig. Mit seinem sechsfach Oscar nominierten Film ‚GoodFellas‘, über den wahren Aufstieg und Fall des Gangsters Henry Hill, liefert Scorsese mal wieder einen der besten Genre-Beiträge und auch einen der besten Filme aller Zeiten ab.

Wenn Scorsese sich einem Projekt annimmt, kann man davon ausgehen, dass die Atmosphäre und die Bilder immer grandios sind. So auch bei ‚GoodFellas‘. Die rauen, düsteren Bilder des Mafia-Milieus sind fesselnd eingefangen und erzeugen eine der spannendsten und dichtesten Atmosphären des Gangster-Films und auch der Filmgeschichte. Der Soundtrack, bei dem sich Scorsese vor allem auf Klassiker verlässt, ist wieder toll gewählt und Lieder wie ‚Rags to Riches‘ oder ‚Below the Ocean‘ passen sich genau dem Flair des Films an.

Auch schauspielerisch lässt Scorsese mal wieder keine Wünsche offen und hat einen ausgezeichneten Cast zusammengewürfelt. Die drei wichtigsten Figuren, Ray Liotta als Hauptfigur und fallender Stern Henry Hill, der Oscar prämierte Joe Pesci als äußerst kaltblütiger und cholerischer Gangster Tommy DeVito und Scorseses Lieblingsdarsteller Robert De Niro als Jimmy Conway. Alle gehen in den Rollen der Mafiosos völlig auf und füllen ihre verschiedenen Charaktere hervorragend aus. Auch die Nebenrollen sind unter anderem mit Lorraine Bracco als Henrys Ehefrau und Paul Savino, den man im Genre immer wieder begegnet, stark besetzt.

Scorsese inszeniert mit ‚GoodFellas‘ ein einmaliges Portrait über einen Mann, der schon als kleiner Junge von der Mafia begeistert war. Begeistert davon, wie sie leben und welche Rechte ihr gegeben werden. Jeder respektiert sie, jeder fürchtet sie und niemand macht ihnen Probleme und wenn doch wird das Problem schnell aus dem Weg geräumt. Genau das will Henry Hill. Vom Laufburschen arbeitet er sich durch verschiedene Straftaten und über einen Zeitraum von 30 Jahren hoch zum Profi-Gangster und organisiert schließlich selber die großen Überfälle. Doch Henry wächst über sich hinaus, sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und übernimmt sich. Er fängt an mit Drogen zu handeln, wird selber abhängig und der Fall droht. Auf seinem Weg begegnet er vielen Menschen, doch mit niemand wächst er so zusammen wie mit Jimmy und Tommy. Beide zeichnen sich durch ihre kaltblütigen Vorgehensweisen aus. Doch vor allem Tommy fällt durch seine Brutalität immer wieder auf. Wenn er ohne weiteres einen Barkeeper, der eine abfällige Bemerkung abgegeben hat, erschiest und sein Verhalten die ganze Zeit für mehr als angebracht bezeichnet, oder einen alten Bekannten auf übelste Verprügelt und später mehrere male mit einem Küchenmesser auf ihn einsticht, wird deutlich wie verroht die Gefühle dieses Menschen schon sind. Karen, die Frau von Henry, weiß nicht auf wen sie sich mit ihm einlässt. Doch die Wahrheit kommt immer mehr an die Oberfläche. Karen ist zwar verstört von der Vorgehensweise, kann sich aber trotzdem nicht von Henry lösen und wirkt immer wieder angetan von den Verbrechen ihres Mannes. Die Charaktere zeichnet Scorsese in einer fesselnden Art und Weise wie man sie sich besser nicht wünschen kann. Er verleiht seinen tragischen Figuren die nötige Tiefe und zeigt uns die Mafia nicht euphorisch, sondern realistisch. Scorsese zeigt uns die brutalen Methoden der Mafia zwar nicht nur einmal, geht aber wie gesagt nie in die falsche Richtung und stellt das Töten als toll dar. Er zeigt uns die Mafia wie sie ist. Es ist zwar eine Familie, die sich in jedem Fall unterstützen würde, aber sobald ein falsches Wort die Runde macht, ist die familiäre Bindung gar nicht mehr herzlich. In ‚GoodFellas‘ wird deutlich um was es wirklich geht. Es geht um Macht, denn jeder will der Stärkste und Beste sein und es geht um Ehre, die genauso brüchig wie die Freundschaft der Figuren ist. Das mit der brüchigen Freundschaft wird in den letzten 5 Minuten ganz besonders deutlich, in denen Henry im Gericht gegen seine ehemalige „Familie“ aussagen muss um sein eigenes Leben zu retten.

Fazit: Meister Scorsese zeigt uns mit ‚GoodFellas‘ einen der stärksten Einblicke in das Leben in und rund um die Mafia. Mit seiner grandiosen Inszenierung, den hervorragenden Darstellern sowie der tollen Atmosphäre ist ‚GoodFellas‘ einer der realistischsten und besten Filme überhaupt.

„Solange ich denken kann, wollte ich schon immer Gangster werden. Für mich hatte es wesentlich mehr Anreiz Gangster zu sein als Präsident der Vereinigten Staaten.“

Bewertung: 9/10 Sternen