"Der Greifer" (FR 1976) Kritik – Eine kaltblütige Jagd durch Nordfrankreich

„Kein Mensch ist reich genug um seine Vergangenheit zurückzukaufen.“

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Ganz nach dem Motto ’ein Belmondo kann gar nicht schlecht sein’ stellt „Der Greifer“ zwar einen der schwächeren Filme in Belmondos Karriere dar, ist aber immer noch unterhaltsam und fordernd genug, um über die volle Laufzeit für Spannung zu sorgen.

Die Handlung dreht sich um den meistgesuchten französischen Gangster, bekannt unter dem Namen ‚der Falke‘ (Bruno Cremer), den der Greifer (Jean-Paul Belmondo), ein moderner Kopfgeldjäger, fassen muss. Einige Strapazen hat er dabei auf sich zu nehmen. Dass seine Auftraggeber später auch ihn loswerden möchten, machte die Jagd nur noch komplizierter.

Während der Greifer einen Weg sucht, um den Falken ausfindig zu machen, fällt ein Satz, der den Film durchgehend prägen wird: „Es ist ein dreckiges Geschäft. Am Ende wird es Witwen und Waisenkinder geben.“ Ganz nach seinen Vorbildern Melville und Peckinpah schuf Philippe Labro einen Thriller voller undurchsichtiger Persönlichkeiten und dreckiger Schauplätze. Die Unnahbarkeit der Figuren und die tristen Bilder Nordfrankreichs bringen eine Atmosphäre mit, welche in ihren besten Momenten an die Filme der zwei eben genannten Meisterregisseure erinnert. Diese Unberechenbarkeit, die die ganze Zeit über herrscht, fördert der ohrwurmartige Soundtrack von Michel Colombier zudem optimal. Und dennoch kann man über gewisse offensichtliche Schwächen nicht so leicht hinwegsehen. Bruno Cremer spielt den Antagonisten ‚der Falke‘ zwar bitterböse, aber die Schwarzweißmalerei, das heißt die Darstellung des Greifers als Helden mag nicht so recht munden. Belmondos Figur wird zu keinem Augenblick in Frage gestellt. Das passt leider nicht wirklich in das düstere Gesamtpaket, sondern reißt einen vielmehr immer wieder aus der Atmosphäre. Auch durch unnötige Humoreinlagen wird dieser Eindruck verstärkt. Das hätte Labro eigentlich nicht nötig gehabt, denn die kaltblütige Story, die vielen Wendungen, das brillante Schauspiel der Hauptakteure und die, bis auf kleine Ausnahmen, brillante Inszenierung bieten genug Stoff, um die Spannung über die volle Laufzeit aufrecht erhalten zu können.

Mit ‚der Falke‘ wurde natürlich ein ganz besonderer Bösewicht geschaffen. Ein Mann, der sich für jeden seiner Bank- oder Juwelierüberfälle aufs Neue einen Komplizen sucht, da er nach jedem Coup alle Personen umbringt, die ihn wiedererkennen könnten. Belmondo als Widersacher ist perfekt besetzt, kann seiner Figur allerdings nicht viel abgewinnen, da sie ab dem ersten Moment zu kalkuliert bleibt, was vor allem der bereits angedeuteten, klaren Schwarzweißtrennung der Figuren zu verschulden ist.

„Der Greifer“ ist im Grunde genommen ein klassischer Spät-Belmondo, nur zum Meisterwerk reicht es dieses Mal nicht. Trotz Bébels nuanciertem Schauspiel, der hier als Greifer viel überlegter handelt als in seinen anderen Actionfilmen wie „Der Profi“, weiß der Film nicht durchgehend zu überzeugen. Als intelligenter Thriller geht das Katz- und Mausspiel zwar locker durch, was vor allem der düster-brutalen Inszenierung und den vielen Wendungen in der Handlung zu verdanken ist, welche ein hohes Tempo garantieren, allerdings bleibt das Ende zu unglaubwürdig und die Figuren sind zu klar in Gut und Böse getrennt. Das passt nicht wirklich in diese gefühllose Welt, die den Zuschauer förmlich an den Bildschirm bindet.

Bewertung: 7/10 Sternen