"Hangover 2" (USA 2011) Kritik – Gedächtnisverlust in Bangkok

„Ich wünschte, Affen könnten skypen. Vielleicht irgendwann…“

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Todd Phillips feierte mit seiner Komödie ‚Hangover‘ nicht nur einen netten Erfolg, sondern inszenierte damit einen der erfolgreichsten Filme überhaupt. Knapp 470 Millionen Dollar spielte der Film ein und avancierte damit zu einer der größten Überraschungen überhaupt. Was durfte nach so einem Erfolg also auf gar keinen Fall fehlen? Richtig, eine Fortsetzung. Und die war natürlich sofort so klar, wie das Amen in der Kirche. Aber, und das hat uns die Vergangenheit nicht nur einmal gelehrt, es scheint so, als würden auf Fortsetzungen zumeist ein schwerer Fluch lasten, der nicht nur den hochwertigen Vorgänger zerstört und entmystifiziert, sondern auch im verdientesten Fall, wenn eben jene Fortsetzung nur für den Profit gemacht worden ist, als Rohrkrepierer durch die Kinogeschichte geht. In ‚Hangover 2‘ tritt auch wieder diese viel zu bekannte Angelegenheit ein. Die 250 Millionen Dollar Marke konnte die Komödie schnell knacken, das filmische Endprodukt hätte allerdings einen schweren Bauchklatscher sondergleichen äußerst verdient gehabt.

Zwei Jahre konnten ins Land gehen, nachdem Stu, Alan, Phil und Doug in Las Vegas die Sau rausgelassen haben und sie danach nicht mehr einfangen konnten. Nun steht allerdings wieder die nächste Hochzeit vor der Tür und dieses Mal hat es den Zahnarzt Stu getroffen, der sich von seiner bestimmenden Ex-Frau losreißen konnte und nun die gebürtige Thailänderin Lauren zur Frau machen möchte. Wie es aber in einer thailändischen Familie so Brauch ist, müssen Stu und Lauren im Heimatland heiraten, wo auch der strenge Vater von Lauren auf Stu wartet, der nicht gerade gute Worte für ihn parat hat. Natürlich sollen auch Phil und Doug dabei sein, doch auch der ziemlich eigenartige Alan bekommt Wind von der Hochzeit und wünscht sich nichts sehnlicher, als mit seinem geliebten Wolfsrudel noch einmal zu feiern. Nach langem hin und her konnte sich Stu dann endlich ein Herz fassen und Alan zu seiner Hochzeit in Asien einladen. Am ersten Abend im fremden Land wollten die vier Männer und der Bruder der Braut eigentlich nur ein Bier am Strand trinken, doch am nächsten Morgen gibt es das schwere Erwachen in einer heruntergekommenen Bude mitten in Bangkok. Dieses Mal ist jedoch nicht Bräutigam Stu weg, sondern der zukünftige Schwager Teddy. Eine verzweifelte Suche in der unbekannten Stadt beginnt und allerhand seltsame Leute laufen drei Männern dabei über den Weg.

Wo ‚Hangover‘ noch mit den glänzenden Aufnahmen des prachtvollen und farbenfrohen Las Vegas protzen konnten und die Stadt der Sünde in ihren ganzen Facetten eingefangen wurde, geht es jetzt ab nach Thailand. Hier beweist auch Kameramann Lawrence Sher sein Können, der ‚Hangover 2‘ in zwei klare Gebiete einteilt. Auf der einen Seite haben wir die exotische Natur, mit dem hellen Wasser, den weißen Stränden und dem paradiesischen Flair. Auf der anderen Seite sind es die Großstadtaufnahmen vom bebenden und nie ruhenden Bangkok, in der sich an allen Ecken Abgründe eröffnen können. Die Atmosphäre der Millionenstadt, die sich durch dreckige Straßen und finstere Gestalten auszeichnet, gibt ‚Hangover 2‘ natürlich gleich ein ganz anderes, düsteres Feeling, welches sich wirklich sehen lassen kann. Auch bei dem Score wurde wieder eine erfrischend abwechslungsreiche Kombination zusammengestellt, die sich von Billy Joel bis Kanye West alles erlaubt und auch genau ins Bild des Films passt. Und auch die Schauspieler aus Teil 1 konnten wieder gewonnen werden, für den sich ganz besonders Zach Galifianakis und Bradley Cooper bedanken können, denn der hat sie schließlich zu Topverdiener in Hollywood gemacht. Die Schauspieler passen auch hier nach wie vor in ihre Rolle und auch in den Nebenrollen gibt es Leute wie Paul Gimatti und Mike Tyson zusehen. Es liegt also sicher nicht an den Darstellern, das ‚Hangover 2‘ nicht zünden will, sondern ganz klar an der Story.

Wenn man einen guten Witz auf Lager hat, dann erzählt man diesen natürlich gerne im großen Umfeld und erntet die Lacher mit Genuss. Kommt man aber nach kurzer wieder angekrochen und bringt den gleichen Witz nochmal, dann gibt es, verständlicherweise, nur ein trockenes Schweigen, bei dem sich der ein oder andere vielleicht auch noch zu einem gutgemeintes Grinsen hinreißen lassen kann, doch das ist wirklich schon das Maß aller Dinge. Genau das lässt sich auch wunderbar auf ‚Hangover 2‘ übertragen. Regisseur Todd Phillips konnte mit ‚Hangover‘ einschlagen wie eine Bombe, dafür hat er sich sicher auch die Anerkennung verdient, aber seine Fortsetzung ist keine Fortsetzung, die uns etwas Neues zeigt, sondern nur ein dummes Remake, das für zwei gute Jahre in die Mikrowelle geschoben wurde und sich nun aufgewärmt vor uns stellt. Eigentlich werden nur Kleinigkeiten geändert: Las Vegas wird zu Bangkok, ein Baby zum schweigenden Mönch, der Tiger zum Affen und es verschwindet nicht der Bräutigam, sondern der Schwager. Wie die Geschichte nun abläuft, ist für jeden Zuschauer klar, denn die Überraschungsmomente aus dem ersten Teil können hier natürlich nicht mehr zünden, eben weil sie sofort absehbar sind. Aber Phillips beweist auch bei seinen Gags kein Timing mehr, was er in ‚Hangover‘ durchgehend hatte. Seine Devise ist ein klare: dreckiger, lauter und abgefahrener. Jetzt darf das Äffchen an Genitalien knabbern und Stu von einer Prostituierten mit Penis bearbeitet werden. So trotten wir als Zuschauer unserem Trio hinterher und langweilen uns aufgrund der altbekannten Umstände fast über die gesamte Laufzeit. Ab und an ist ein Schmunzeln drin, doch die großen Lacher bleiben gänzlich aus und die sollten schließlich eine derartige Komödie ausmachen.

Fazit: Das Budget wurde von 35 Millionen auf 80 Millionen Dollar aufgestockt. Dementsprechend ist klar: höher, schneller, weiter, aber auch dümmer. ‚Hangover 2‘ ist ein typischer Normalfall unter den heutigen Fortsetzungen. Ein Erfolgskonzept wird nochmal geritten und ob die Qualität nun stimmt oder nicht ist egal, Hauptsache die Kassen klingeln und alle Beteiligten können ihren Geldbunker weiter ausstopfen. Plagiatsvorwürfe muss sich Regisseur Todd Phillips selber machen, der sich so dreist erneut durch seine eigene Geschichte stolpert, dass einem beinahe die Augen zufallen und jegliche Kreativität beim Geldzählen verloren gegangen scheint. Die Schauspieler passen wieder und füllen ihre Rollen standesgemäß aus und auch die Optik sowie der Soundtrack sind gut. Nur eine Geschichte zweimal zu erzählen und das auch noch in so kurzem Abstand, das kann nicht gutgehen und wenn dann auch noch die Gags verloren gegangen sind, dann ist ‚Hangover 2‘ nicht mehr zu helfen.

Bewertung: 3/10 Sternen