"Hangover" (USA 2009) Kritik – Las Vegas und die Nacht des Vergessens

„Woher weißt du, dass Tiger Pfeffer mögen?“„Tiger lieben Pfeffer, aber sie hassen Zimt!“

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Heutzutage scheinen nur noch drei Arten von Komödien angesagt oder gefragt zu sein. Das wären zum einen die typischen Liebes-Komödien, die immer den gleichen Handlungsablauf besitzen und Charaktere vorweisen, die sich mit Glück auch nur minimal Unterscheiden. Wie diese Filme ausgehen werden, sollte bereits nach wenigen Minuten klar, oder absehbar sein. Auf der anderen Seite sind es die Teenie-Komödie, einst mit ‚American Pie‘ losgetreten worden und zuletzt mit dem offiziellen vierten Teil ‚American Pie – Klassentreffen‘ hoffentlich endgültig begraben. Was anzieht ist nackte Haut, pubertärer und niveauloser Fäkal- und Proletenhumor, der in seiner Dummheit wohl nur noch die rotwerdenden Siebtklässler lockt. Dann wären da noch die furchtbaren Parodien, die immer peinlicher werden und von ‚Date Movie‘ bis ‚Beilight‘ das Grauen immer wieder über Jahre ins Gesicht treiben. Abwechslung und Innovatives sind längst verlorengegangen und frischer Wind in den dumpfen Genreweiten vollkommen verflogen. Bis das Jahr 2009 kam und Todd Philipp ein Highlight aus dem Hut zauberte, welches sich nicht nur als Brüller erwies, sondern auch als eine der besten Komödien der letzten Jahre: ‚Hangover‘.

Die Story vermag auf den ersten Blick nichts Besonderes mit sich bringen. Drei Freunde und der Bruder der zukünftigen Braut planen einen Junggesellenabschied in der Stadt der Sünde, um die letzten freien Tage von Bräutigam Doug noch einmal richtig krachen zu lassen, aber „etwas“ übertreiben und rein gar nichts mehr wissen vom Vorabend. Das ist der Kern des Ganzen. Aber wie die vier Männer es krachen lassen, macht den Witz von ‚Hangover‘ aus. Als wäre das Gedächtnisverlust nicht schon schlimm genug und die Folgen vom Partychaos im Hotelzimmer und an jedem der Männer deutlich zu erkennen sind, fehlt auch noch einer von ihnen, ausgerechnet die wichtigste Person, Bräutigam Doug. Dazu gibt es noch ein Baby im Schrank und einen Tiger im Badezimmer und die abgefahrenen Ausmaße sind überdeutlich. Danach folgt eine irre Jagd, immer hinter ihren Erinnerungen her, die von einem Ort des Wahnsinns an den nächsten führen und immer voller Überraschungen stecken.

Das ‚Hangover‘ ein derartig einschlagender Kracher wird und gleich zur erfolgreichsten Komödie des Jahres, ließ sich so vorher nicht unbedingt absehen. Angefangen mit Regisseur Todd Philipps, der Filme wie ‚Road Trip‘ und ‚Starsky & Hutch‘ inszenierte und damit auch überdurchschnittliche Erfolge feiern konnte, aber nie wirklich gefragt war, vor allem nicht, nachdem er noch einen Flop mit ‚Der Date-Profi‘ ablieferte. Dazu kam dann noch ein Cast, der zwar in der Filmwelt vorher immer Vertreter war, aber nie zur ersten Wahl zählte und Menschen durch ihre Namen in die Kinos locken könnte. Da wäre an erster Stelle Bradley Cooper als Lehrer Phil, der wohl vor allem die Frauenwelt ansprechen dürfte, der seinen arroganten Charakter mit der nötigen Ausstrahlung ausfüllen kann und mit seinen Sprüchen immer wieder für große Lacher sorgt. An zweiter Stelle der verklemmte Zahnarzt Stu, gespielt von Ed Helms, der deutlich unter der Fuchtel seiner Ehefrau steht, obwohl sie ihn mal auf einer Kreuzfahrt betrogen hat. Und dann wäre da noch Zach Galifianakis, der den mehr oder weniger durchgeknallten Alan spielt. Galifianakis hat sich damit eine Rolle für das Leben geschaffen, mit der er für immer in Verbindung gebracht werden wird, so viel steht fest. Dann wäre da noch Justin Bartha, als kommender Ehemann Doug und damit die Person, um die sich alles dreht. Bartha bekommt allerdings nur die kleinste Rolle zugesprochen, denn sein Charakter verschwindet ja ziemlich zügig. Dazu gibt es noch kleine Auftritte von Heather Graham und Ken Jeong. Nicht zu vergessen ist auch Mike Tyson, der zu Phil Collins mal wieder richtig zuschlagen darf.

„Dieser Tiger ist so ein edles und wunderschönes Tier…“

Das ‚Hangover‘ keinen tieferen Sinn hat, braucht man wahrscheinlich nicht mehr sagen und sollte beim Durchlesen der Story schnell klar sein. Was ‚Hangover‘ aber vom Genre-Standard abhebt, ist die treffsichere Gagdichte, die wirklich im Minutentakt zuschlägt und so gut wie immer zünden kann. Phillips locker-leichte Inszenierung kommt da natürlich gerade richtig und kann den Zuschauer eigentlich ab der ersten Minute locken, was natürlich an den unterschiedlichen Charakteren liegt, die durch ihre schwere Verschrobenheit schnell sympathisch sind und man möchte ihnen einfach folgen. Ist man dann auch wirklich voll eingetaucht, gibt es kein Halt mehr, weder für den Regisseur, noch für den Zuschauer, der sich längst an die Seite der Protagonisten gehängt hat und die „Tatorte“ nacheinander abgrast. Von einer skurrilen Situation wird man in eine neue geworfen, immer mit der Hintergrundfrage, wo sich der vermisste Bräutigam nun wirklich befindet. ‚Hangover‘ ist dabei durchzogen von knackigen Twist und schönen Überraschungen, die sich voll auf dem starken Timing ausweiten können und das Las Vegas-Klischee voll ausreizen, ohne aber altbekannt zu wirken. Das hohe Tempo lässt dabei zu keiner Sekunde nach und damit kommt es nicht im Ansatz zu Längen. Beste Unterhaltung ist hier garantiert, mit reichlich politischer Unkorrektheit, Gesetz dem Fall, man kann sich mit einem derartigen Humor anfreunden, denn nicht selten geht es mal unter die Gürtellinie, ohne aber niveaulos zu werden. Wer mal wieder richtig viel Lachen will und die luftige gute Laune genießen, der ist mit ‚Hangover‘ mit Sicherheit an der richtigen Adresse.

Fazit: Mit ‚Hangover‘ hat Todd Phillips genau das geschafft, wonach sich die Filmwelt gesehnt hat. Er hat frischen Wind in diese Welt gebracht und zwar richtig viel. Die großen Brüller, die schönen Lacher und das angenehme Schmunzeln machen ‚Hangover‘ aus. Dazu die toll gezeichneten Charaktere, der knackig ausgewählte Soundtrack und das gar nicht mal dumme Drehbuch von Jon Lucas und Scott Moore. Fertig ist das Komödien-Hit der letzten Jahre, der zwar nichts Bleibendes bietet, aber verdammt viel Spaß macht und einfach gute Laune mitbringt. Was will man mehr?

Bewertung: 7/10 Sternen