"Wer ist Hanna" (2011) Kritik

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‚Wer ist Hanna?‘ Nein, einen Moment mal, da stimmt was nicht. Was ist Hanna? ‚Hanna‘ ist nicht das, was ich erwartet hatte, nämlich einen durchgestylten 0815-Thriller mit einem Mädchen in der Hauptrolle. Ganz im Gegenteil: Joe Wright (Abbitte, Stolz und Vorurteil) präsentiert uns einen skurillen Mix aus Drama, Action und teils Komödie. Ob diese Kombination aufgeht, erfahrt ihr jetzt!

Die Geschichte dreht sich um ein Mädchen, welches durch ihren Vater fernab aller Zivilisation zu einer Killerin ausgebildet wird, bis sie irgendwann erwachsen genug ist, ja für was eigentlich? Das, was anschließend passiert, ist, dass der Zuschauer einen der ungewöhnlichsten Thriller der letzten Jahre vorgesetzt bekommt. Wunderschön bebildert, grandios choreographierte in den actionreichen Szenen, technisch herausragend umgesetzt, ein Score, der zum Ohrwurm verdammt ist, und… Saoirse Ronan (!). Was diese Jungdarstellerin hier nach ‚Abbitte‘ erneut an schauspielerischem Talent auffährt, ist überwältigend. Nahezu akzentfrei spricht sie mehrere Sprachen, dann dieses Hin- und Her zwischen verständnislosem, unschuldigem, liebevollem Mädchen und Killer-Maschine, das ist einfach ganz große Kunst.
Regisseur Joe Wright stellt bald klar, dass dies kein gewöhnlicher Actionfilm sein wird. Viel zu viel Zeit lässt er sich in vielen Einstellungen, immer wieder fühlte ich mich wie im Arthouse-Kino. Genug Platz für Seltsames, Schönheit und Lustiges bietet der Film ebenso wie für Dramatik und Brutalität. Jede Szene bleibt einzigartig in ihrer Art und Weise, und das ist doch das Ziel von Kino, oder nicht?! Dass diese Mixtur nicht jedermanns Geschmack und Laune treffen wird, liegt auf der Hand, ich fühlte mich mit den zwei Stunden mehr als nur gut aufgehoben und unterhalten.

Fazit: Ein intelligenter und temporeicher Arthouse-Action-Film, eine Ode an die korrekte Erziehung unserer Kinder, ein Erwachsenenmärchen, Chemical Brothers‘ genialer Score, Saoirse Ronan so toll wie eh und je, poetische Aufnahmen, grandiose Momente,…! Alles in allem ein Film, der sicherlich nicht perfekt ist, denn ein wenig mehr Tiefgründigkeit hätte ich mir trotzdem gewünscht, jedoch im überraschungsarmen Kinojahr 2011 als Glanzleistung zu sehen ist.

Hanna: „What does music feel like?“
Erik: „Music: a combination of sounds with a view to beauty of form and expression of emotion.“

Ein wunderschönes Abschlusszitat zu einem wunderschönen Film wie ich finde.