"Hobo with a Shotgun" (CA 2011) Kritik – Rutger Hauer räumt die Straßen auf

„Könige, mein Freund, kann man stürzen!“

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Was haben die fiktiven Filmfiguren Harry Brown („Harry Brown“), Paul Kersey („Ein Mann sieht rot“) und Travis Bickle („Taxi Driver“) gemeinsam? Richtig. Sie haben alle die Nase gestrichen voll von der endlosen Kriminalität auf den Straßen. Vom „Dreck“, der die Zeit verpestet und die Städte in den Abgrund zieht. Letzte Rettung: Gnadenlose Selbstjustiz, denn Gewalt, und das wissen wir alle, führt zu Gegenwalt, auch wenn das politisch natürlich vollkommen Inkorrekt ist. Aber was bleibt einem Menschen schon übrig, der mit einem schweren Schicksalsschlag zu kämpfen hat und Seitens des Gesetzes keinerlei Unterstützung bekommt? Er nimmt das Gesetz selber in die Hand, das ist schon seit Jahrhunderten so, doch die Folgen von einem solchen Manöver, lassen sich schnell als Teufelskreis bezeichnen, denn ehe man sich versieht, steht man selber ganz oben auf der Fahndungsliste des Gesetzes, obwohl man doch eigentlich nur für sein eigenes Recht gekämpft hat. Aber lassen wir mal ab von der ernsten Grundlage, bleiben trotzdem in der gleichen Sparte und widmen uns Jason Eiseners „Hobo with a Shotgun“ aus dem Jahre 2011, der sich den beliebten Fake-Trailer von Robert Rodriquez‘ Grindhouse-Hommage „Planet Terror“ als Grundlage genommen hat.

Manchmal braucht es einfach einen dahergelaufenen Penner, der die heutigen Straßen vom Verbrechen befreit und mal so richtig aufräumt. Als eines Tages ein namenloser Landstreicher in die Stadt Hope Town ankommt und feststellt, dass es keinerlei Gesetzeshand und Ordnungshüter mehr gibt, die die dortigen Schandtaten noch irgendwie stoppen wollen, sieht er noch über die Untaten weg und will seinem Traum als Landschaftsgärtner nachgehen. Der gebrauchte Rasenmäher kostet jedoch ganze 50 Dollar und das Geld hat der arme Penner nun mal nicht. Als er sich daraufhin entschließt, betteln zu gehen, muss er mit ansehen, wie die Brüder Ivan und Slick mit ihrem gefürchteten Vater „The Drake“ einen Jungen bedrohen und bestialisch ermorden. Die drei Täter, die auch das Sagen in Hope Town haben, bemerken den versifften Penner und bringen ihn zur Polizei, wo ihm sein Eindruck der Polizisten noch bestätigt wird: Korruption bestimmt hier alles. Nach einem schmerzhaften Zusammentreffen mit den Brüdern auf der Polizeistation, wird der namenlose Penner wieder freigelassen, kratzt 50 Dollar zusammen und kauft sich eine Shotgun, die nun für Ordnung sorgen wird…

Wer sich selber als Fan des Robert Rodriquez & Quentin Tarantino-Imperiums betitelt und an dem mehr als gelungenen Grindhouse-Doppel „Planet Terror“ und „Death Proof“ Gefallen gefunden hat, wird zugeben müssen, dass nicht nur die Filme selbst die Liebhaber der Regisseure beglückten, sondern auch die herrlichen Fake-Trailer, die vor den Hommagen gezeigt und extra gedreht wurden. Unter diesen Fake-Trailern war auch „Machete“, der es 2010 als Langfilm mit dem B-Movie-Star Danny Trejo in der Hauptrolle in die Lichtspielhäuser geschafft hat und haltlos Jubelströme auslöste. „Hobo with a Shotgun“ ist, wie erwähnt, ebenfalls eine solche Fake-Trailer-Auskopplung, die im Trailer noch mit David Brunt als Schrotflinten-Penner amüsieren konnte, sich im Spielfilm nun aber auf Rutger Hauer in der Rolle stützt. Rutger Hauer ist natürlich kein unantastbarer Charakter-Darsteller, aber der Holländer besitzt einen unverkennbaren Charme, dem man sich, auch in diesem Fall, nicht entziehen kann. Dazu sind auch noch Brian Downey als „The Drake“, Gregoy Smith als Slick und Molly Dunsworth als Abby in herrlich schmierigen Rollen zu sehen, die zwar nicht die Ausstrahlung eines Hauers genießen, aber ihre dreckigen Figuren hassenswert ausfüllen.

Wer von „Hobo with a Shotgun“ eine wirklich ansprechende und intelligente Story erwartet, der läuft der unausweichlichen Enttäuschung geradewegs in die Arme. Es geht einfach nur um einen identitätslosen Penner, der dem ekelhaften Gesindel nicht länger bei ihren Schandtaten zusehen will und daraufhin zur Shotgun greift. Diffizil und politisch korrekt ist das zu keiner Sekunde, aber überaus effizient. Jason Eisener redet nicht lange um den heißen Brei und der rote Lebenssaft darf schon nach wenigen Minuten im hohen Bogen durch die Lüfte spritzen. Und hier sollte gesagt werden, wer mit reichlich Blut und extremer Gewalt nichts anfangen kann, wird an „Hobo with a Shotgun“ keinerlei Gefallen finden. Die Köpfe werden innovativ vom Torso entfernt, ein Schulbus voller Kinder bekommt es mit einem Flammenwerfer zu tun und die Brutalität selbst wird in überzogener Art und Weise ohne Gnade auf die Spitze getrieben. Viel schöner ist jedoch das unverkennbar schmutzige 70er-Feeling, das durch das herrlich satte Technicolor erzeugt wird und direkt in die Zeit des Exploitationsfilm zieht. „Hobo with a Shotgun“ ist kein prägendes Meisterwerk, sicher nicht im Ansatz, das will er auch gar nicht sein, aber es macht einfach Spaß dem bunten Treiben zu folgen.

Fazit: Wer sich mit jeder Menge Blut, innovativen Einfällen, einer schmutzigen 70s-Exploitation-Atmosphäre und einer vollkommen platten Story anfreunden kann, der wird mit „Hobo with a Shotgun“ seine wahre Freude haben. Dazu gibt es noch einen herrlich kernigen Rutger Hauer in der Hauptrolle, der als Penner mit Schrotflinte endlich wieder richtig auf den Putz hauen darf. Nichts Weltbewegendes, aber die Rechnung des Rache-Spaßes ging vollkommen auf.

Bewertung: 7/10 Sternen