Kritik: Hostel – Part II (USA 2007)

„Wenn du eine Amerikanerin haben willst, kann das teuer werden.“

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Drei junge Amerikanerinnen werden bei einem Wochenendausflug in das berüchtigte slowakische Hostel gelockt. Schon bald erfahren sie das düstere Geheimnis dieses Ortes und seiner internationalen Gäste äußerst schmerzhaft am eigenen Leib.

Fortsetzungen sind ja bei Horrorfilmen so eine Sache. Schließlich sind die guten Horrorfilme nichts anderes als die schlimmsten Albträume und welche Person, die von einem schweißtreibenden Albtraum aufwacht, schläft gerne wieder ein um weiter zu träumen?

Bei Filmen machen wir das aber anscheinend gerne. Anders lässt es sich nicht erklären, dass manche Horrorfilme unendlichfach fortgesetzt werden. Die Qualität nimmt dabei meistens ab, leider. Trotzdem, ein guter Horrorfilm, wie „Hostel“ zum Beispiel, hat es verdient fortgesetzt zu werden. Das Potenzial war da, Eli Roth hat es genutzt.

Zu allererst resetet er den Plot. Der Held des ersten Teils muss verschwinden. Roth schließt scheinbar nahtlos an, schockt den Zuschauer kurz, nur um dann doch alle Versprechen wahr zu machen. All das Leid und die Spannung, die man durch Paxtons Augen in „Part One“ erlebt hatte, sollen sich als nutzlos erweisen. Das ist der Preis der Fortsetzung. Sie kann ein Happy-End revidieren.

Neues Spiel, neues Glück, nun werden drei neue Figuren ins slowakische Rennen geschickt und diesmal sind es Frauen, was die Machtstrukturen und Interpretationsmöglichkeiten des „Part One“ in völlig neue Muster rückt. Es mag bescheuert sein, auf den ersten Blick, einfach die Männer durch Frauen zu ersetzen, aber bei „Hostel“ ändert das schon gehörig viel. Allein das hätte schon für den „Part Two“ gereicht. Zusätzlich gibt uns Roth noch einen tieferen Einblick in die Welt der Täter. Was ist das für eine Organisation, was sind ihre Mitglieder und wie bereiten sich die Kunden auf ihr Rendez-vous vor?

Anhand von zwei Freunden, der eine will sich als Mann fühlen und muss dafür eine Frau zu Tode foltern und der andere versucht krampfhaft zu verstehen, warum er so was überhaupt machen will, untermauert Roth nochmal die Gültigkeit seiner obskuren Welt. Wer sich noch nach dem ersten Teil gefragt hat, wie gestört die Täter eigentlich sein müssen, wird nach Teil 2 anerkennen, dass es schon fast etwas konservatives an sich hat. Die Nachfrage ist leider höher als erwartet und das macht es umso realer.

Clevererweise hat Roth seinem Filmtitel ja nur ein simples „Part II“ angehängt, denn wie etwas ganzes fühlt sich das auch nicht an. Dieser Film ergänzt wirklich nur den ersten Teil um viele Aspekte, er vertieft, wagt machmal mehr und soll all das erzählen, was im ersten Teil zu kurz kam. Somit könnte man „Part One“ und „Part Two“ als Ganzes betrachten. Sie vervollständigen sich. Würde man Teil 2 nicht das höhere Budget ansehen, wären sie sogar stilistisch wie Zwillinge.

Eigentlich macht „Part II“ vieles besser als Teil 1, nur fehlte mit dem Vorwissen dieser Reiz des Neuen. Während man sich bei „Hostel“ nie sicher war, wohin die Reise wirklich geht und man mit derbem naturalistischen Splatter in den Sessel gepresst wurde, erlebt man die Geschehnisse des zweiten Teils eher aus einer distanzierteren Position, zwar schockieren die Folter-Exzesse immernoch, aber man fühlt sich seltener wie mit auf den Stuhl geschnallt.

Bewertung: 6/10 Sternen