"Hotel Transsilvanien" (USA 2012) Kritik – Monströser Spaß im Burghotel

„Welcome to Hotel Transylvania!“

null

Urlaub: Was könnt es Schöneres geben, als am Pool einfach ungestört die Seele baumeln zu lassen? Was für Normalsterbliche kein Problem darstellt, ist für Werwölfe, Zombies, Mumien & Co. ein fast unlösbares Unterfangen, denn wo können die wohl berühmtesten Monster der Film- und Fernsehgeschichte ihren Urlaub genießen, ohne gleich Angst und Schrecken unter den übrigen Urlaubern zu verbreiten? Abhilfe schafft da das „Hotel Transsilvanien“, wo Monster noch Monster sein dürfen. Ins Leben gerufen wurde dieses eigenwillige Bauprojekt vom Grafen Dracula höchstselbst. In seinem Hotel bietet der Graf seinen Gästen den größtmöglichen Luxus in einer garantiert menschenfreien Umgebung. Denn diese sind nicht nur schrecklich anzusehen, sondern stellen mit ihren Fackeln, Holzpflöcken und Silberkugeln auch die größte Gefahr für friedliebende Monster dar. Regisseur Genndy Tartakovsky („Samurai Jack“) hat mit „Hotel Transsilvanien“ einen im wahrsten Sinne monstermäßigen Spaß kreiert. Laut, schnell und vollkommen durchgeknallt präsentiert sich der neue Animationsfilm aus den Sony Pictures Animation-Studios („Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“) und weckt dadurch Erinnerungen an alte Tex-Avery-Cartoons.

Tief in den dunkelsten Wäldern Transsilvaniens, hinter einem verfluchten Friedhof liegt ein altes Gemäuer, das die schrecklichsten Kreaturen der Welt beherbergt: Das 5-Sterne Monster-Hotel „Hotel Transsilvanien“. In diesem Hotel sagen sich nicht nur Yeti und Bigfoot „Gute Nacht“, denn Graf Dracula (Adam Sandler) wacht persönlich darüber, dass sich seine Gäste auch richtig entspannen können. Und dazu gehört auch, dass er das Hotel vor den gemeingefährlichen Menschen und ihren todbringenden Feuerfackeln schützt, die den Monstern schon seit vielen Jahren das Leben zur Qual machen. Anlässlich des 117. Geburtstages seiner Tochter Mavis (Selena Gomez) versammelt sich wieder einmal die gesamte Monsterwelt, um diesen Ehrentag gebührend zu feiern, doch irgendwie hat auch der menschliche Rucksack-Tourist Jonathan (Andy Samberg) einen Weg zur Burg gefunden…

Im „Hotel Transsilvanien“ ist die Hölle los: Skelettierte Mariachi-Bands, emsige Zombie-Bauarbeiter, hexende Putzfrauen und mittendrin eine Schar Werwolfkinder. Langweilig wird es in diesem eigenwilligen Hotel mit Sicherheit nicht, denn hier passiert so viel gleichzeitig, dass man selbst bei der zweiten und dritten Sichtung noch immer auf neue, verrückte Details stoßen dürfte. Und so ist man als Zuschauer ebenso von dem Geschehen auf der Leinwand fasziniert, wie Protagonist Jonathan und begibt sich gemeinsam mit ihm auf eine turbulente Entdeckungsreise durch das unheimliche Gemäuer.

Da stört es auch kaum, dass sich die Story rund um Graf Dracula und dessen abenteuerlustige Teenie-Tochter auf bereits metertief ausgetretenen Pfaden bewegt, wobei natürlich der obligatorische Vater-Tochter-Streit mit anschließender Versöhnung nicht fehlen darf. Dass „Hotel Transsilvanien“ trotz vorhersehbarer Handlung dennoch bis zum Schluss Spaß macht, ist vor allem den eigenwillig animierten Figuren zu verdanken. Denn diese sind bewusst cartoonesk gehalten, verändern bei Bedarf Form und Größe und auch den körperlichen Beschränkungen wird hier nicht allzu viel Beachtung geschenkt. Denn wenn Draculas Kopf vor Wut um ein Vielfaches anschwillt und sich Monster schlangengleich auf der Tanzfläche bewegen erinnert der ganze Spaß eher an „Ren & Stimpy“-Cartoons als an die fein ausgearbeiteten Pixar-/Dramworks-Animationsfilme. Zwar sind und bleiben alle Figuren dabei immer niedlich anzusehen, dennoch könnten einzelne Gestalten in Kinderaugen durchaus bedrohlich wirken. Zum Beispiel der groteske, sadistische Chefkoch Quasimodo, der sich gemeinsam mit seiner fiesen Ratte Esmeralda unentwegt auf die Jagd nach Menschenfleisch begibt oder aber die vielen ächzenden und stöhnenden Zombie-Butler.

„Hotel Transsilvanien“ setzt in Sachen Humor eher auf Masse statt Klasse und scheint somit perfekt auf seine Synchronsprecher zugeschnitten zu sein. Denn für „Hotel Transsilvanien“ stand neben Kevin James („Das Schwergewicht“), Andy Samberg („Der Chaos-Dad“), Steve Buscemi („The Big Lebowski“) und David Spade („Kindsköpfe“) auch der Pate des Schenkelklopfer-Humors Adam Sandler („Jack & Jill“) höchstpersönlich hinter dem Mikrofon. Dennoch sind wenige Gags „echte“ Rohrkrepierer und besonders die vielen Anspielungen und Querverweise auf klassische Monsterfilme dürften bei den älteren Kinogängern immer wieder für vergnügliche Augenblicke sorgen.

Fazit: Trotz einer schwachen Story ist Genndy Tartakovsky mit „Hotel Transsilvanien“ ein unterhaltsamer und vollkommen überdrehter Animationsfilm gelungen, der besonders bei eingefleischten Monsterfans kräftig punkten dürfte.