"House at the End of the Street" (USA, CA 2012) Kritik – Horror aus dem Giftschrank

Autor: Stefan Geisler

„What are you?“

null

Manchmal kann es vorkommen, dass fertige Filme erst Jahre nach ihrer Fertigstellung in die Kinos kommen. Die Gründe dafür sind vielfältig, laufen zumeist aber alle auf ein Ziel hinaus: Gewinnoptimierung. Natürlich geht dieser Plan nicht immer auf, wie man zuletzt an der Eddy-Murphy-Komödie „Noch 1000 Worte“ sehen konnte. Dieser wurde zwar bereits 2008 abgedreht, aber nach kolossalen Kassenflops wie „Mensch, Dave!“ hoffte man wohl darauf, dass wieder bessere Zeiten für den einstigen Publikumsliebling Murphy kommen würden. 2012 rang man sich endlich dazu durch, der Komödie doch noch einen Kinostart zu spendieren. Das Resultat: Ein finanzieller Totalausfall, denn gerade einmal die Hälfte der Produktionskosten konnte an den Kinokassen wieder eingespielt werden. Ein weitaus besseres Marketing-Händchen haben da die Verantwortlichen von „House at the End of the Street“ bewiesen, denn obwohl der Horror-Thriller mit Jennifer Lawrence in der Hauptrolle bereits kurz nach ihrem „Winter’s Bone“-Erfolg gedreht wurde, lies man sich mit der Veröffentlichung noch ein wenig Zeit. Ein cleverer Schachzug, denn so konnte man gehörig vom grassierenden „Panem“-Fieber des vergangenen Jahres profitieren und allein in den USA das Dreifache des Filmbudgets wieder einspielen. Bleibt zu hoffen, dass nicht auch in Deutschland unzählige panemgeile Lawrence-Fans hungrig in die Kinos stürmen, denn dieser Film hätte gut und gerne noch ein paar Jahre unter Verschluss bleiben können.

Sarah (Elisabeth Sue) zieht mit ihrer Tochter Elissa (Jeniffer Lawrence) in einen kleinen Ort, weit weg vom Smog und Lärm der Großstadt. Hier hoffen sie, ein bisschen Ruhe und Frieden zu finden. Auch durch ihre Nachbarn ist keine Störung zu erwarten, da das einzige Haus in unmittelbarer Nähe nur von Zeit zu Zeit von einem jungen Mann (Max Thieriot) bewohnt wird, der sich tagsüber kaum blicken lässt. Bald schon erfahren die beiden von ihren neuen Dorf-Bekanntschaften, dass Ryan, so der Name ihres seltsamen Nachbarn der einzige Überlebende einer furchtbaren Familientragödie ist und man seine Bekanntschaft besser meiden sollte, da er etwas „eigen“ sei. Als Elissa jedoch eines Abends nach einer Party von einem Unwetter heimgesucht wird, erweist sich eben jener Sonderling als Retter in der Not, denn genau als ein Platzregen einsetzt, fährt dieser mit dem Auto an der jungen Schönheit vorbei und bietet ihr an, sie nach Hause zu fahren…

Tiefe Wälder, ein leer stehendes Haus, ein düsteres Familiendrama und Jennifer Lawrence – alles hätte so schön werden können. Doch in Mark Tonderais („Hush“) „House at the End of the Street“ passt einfach gar nichts zusammen: Hilflos stolpert der Film nach einer halbstündigen Aufwärmphase zwischen aufgesetztem Familiendrama, unbeholfener Teenie-Romanze und spannungsarmen Horror-Thriller-Elementen hin und her, ohne sich richtig entscheiden zu können, was er eigentlich sein möchte. Dafür wird hier aber mehr als einmal die Grenze zur Lächerlichkeit um ein ganzes Stück übertreten: Wenn die „coolen Kids“, die eher an eine Milchbubi-Version der Grease-Gang erinnern, auf einer Schulparty aus dem Nichts heraus und mit vollkommen überzogener Härte damit beginnen, erst Ryans Wagen und dann Ryan selbst mit Baseballschlägern und Tritten einzudecken, kann dies nur mit einem fragenden Kopfschütteln bedacht werden. Und auch die Szenen, die das Mutter-Tochter-Verhältnis näher beleuchten sollen, wirken plump und aufgesetzt und neigen dazu in die Extreme abzugleiten, unvorhersehbaren Gefühlsexplosionen, die einen mehr als einmal mit dem Gedanken „…und wo kam das jetzt bitte her“ im Kinositz zurücklassen, sind hier der Regelfall.

Wer erwartet schon tiefgründige Dialoge und komplexe Charakterstudien von einem Horrorfilm, in dem zumindest die Horror-Elemente funktionieren. Leider sind selbst diese nicht mehr als eine Aneinanderreihung altbekannter Klischees, die man so oder so ähnlich schon zig Mal besser in Horrorfilmen belächeln durfte. Hier kann man sein Popcorn darauf verwetten, dass das Opfer auf der Flucht vor dem Peiniger früher oder später über die eigenen Beine stolpern wird und der Killer schwerer kleinzukriegen ist, als Jason Voorhees persönlich. Bei so viel angestaubter Horror-Kost kann selbst ein durchaus interessanter Twist wenig Schwung in die Sache bringen, zumal sich dieser auch nach kurzer Zeit als vollkommen nebensächlich entpuppt. Wer noch einmal richtig Grund zum Schmunzeln haben will, der sollte unbedingt bis zum Ende sitzen bleiben, denn in einer kurzen Rückblende erfährt man hier, welches „traumatische“ Erlebnis ausschlaggebend dafür war, dass aus einem friedlichen Kind eine mordende Bestie wurde. Sigmund Freud würde im Grab rotieren.

Fazit: Warum es diese filmische Gurke in die Kinos geschafft hat, ist klar: Der aktuelle Jennifer-Lawrence-Hype soll trotz miserablem Endprodukt gehörig die Kassen klingeln lassen. Doch außer einer verschenkten Lawrence, riesigen Logiklöchern, einem Haufen ungeklärter Fragen und einigen unfreiwilligen Lachern hat „House at the End oft the Street“ rein gar nichts zu bieten.