"Hugo Cabret" (USA 2011) Kritik – Viel Hype für nichts!

„If you ever wonder where your dreams come from, look around: this is where they’re made.“

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Ein so wundervolles Zitat, aber umso enttäuschter wird sich der Zuschauer während des Abspanns umschauen und sich fragen: „Wo ist die Magie, wo ist der Traum?“ Martin Scorseses neueste Arbeit ist sicherlich eine visuelle Meisterleistung, vor allem Howard Shores Untermalung gehört zum Besten, was das Kinojahr 2011 hervorgebracht hat. In der Umsetzung also ohne Frage eine Glanzarbeit mit wunderschönen Kostümen, unfassbaren Kameraaufnahmen und die CGi-Effekte sind ebenfalls nicht zu verachten. Und sonst, so musste ich leider feststellen, herrscht über die zwei Stunden hauptsächlich gähnende Langeweile.

Nachdem ich den Trailer gesehen hatte, erwartete ich von Scorsese nichts Geringeres als ein Meisterwerk, welches in einem Pariser Bahnhof der 30er Jahre Traum mit Wirklichkeit verschmelzen lässt und damit eine herzerwärmende Geschichte für Jung und Alt aufbietet. Tatsächlich ist der Film teilweise so selbstverliebt, möchte eine einmalige Hommage an die Anfänge des Kinos darstellen, dass er aber viel zu schnell vergisst, dass ein Kind damit kaum etwas anfangen können wird. Auf der anderen Seite werden die Erwachsenen verwundert über die einfallslose Geschichte sein. Keine Überraschungen, keine einzige nennenswerte Wendung, aber dafür umso mehr Klischees und Vorhersehbarkeit.

Ich möchte dem Film sicherlich nicht seinen Charme absprechen, alleine die CGI-Aufnahmen von Paris schaffen immer wieder eine Atmosphäre, die einen zum Schwärmen verleitet. Und in diesen Momenten versuchte ich den Film lieb zu gewinnen. Ich wollte diese Geschichte in mein Herz schließen, aber das wurde mir nicht gerade einfach gemacht. Das liegt daran, dass die Figuren, abgesehen von Ben Kingsleys, viel zu blass bleiben. Die Kinderdarsteller (Chloë Moretz und Asa Butterfield) spielen sicherlich nicht schlecht, aber auch sie hat man nach dem Abspann, der übrigens soweit das schönste am Film ist (vielen Dank Howard Shore und ZAZ), vergessen. Hinzu kommt ein nerviger Sacha Baron Cohen, der mit seinem Versuch, Charlie Chaplins Schauspiel in die Moderne zu transportieren, eine Bruchlandung erleidet.

Die Schauspieler haben sicherlich auch gute Momente. Leider überwiegen aber die Schlechten, und das ist sicherlich John Logans äußerst schwachem Drehbuch zu verschulden. „Hugo“ ist ein mit Liebe umgesetztes Werk, irgendwo schon fast Scorseses persönlichster Film, eine Ehrerbietung an das Kino und all seiner Möglichkeiten. Und gerade deshalb sitzt man am Ende zutiefst enttäuscht da, denn es wäre so viel mehr möglich gewesen. Hätte man sich bei der Story besseres einfallen lassen, mehr Ideen und vor allem einen Spannungsbogen einfließen lassen, dann wäre „Hugo“ für das junge Publikum geeignet und hätte gleichzeitig als wunderbare Hommage durchgehen können, so ehrlich und emotional, wie es „The Artist“ dieses Jahr bereits vorgemacht hat.

Fazit: Optisch reizvoll, mit tollen Sets und fabelhafter Technik, aber es fehlt die Magie, aufgrund der eher soliden Darsteller und des schwachen Drehbuchs. Was bleibt, ist einer der besten Soundtracks der letzten Jahre und viel Liebe für das Detail, welches hoffentlich anderen Zuschauern genügt, um verzaubert zu werden. Für mich jedoch erwies sich „Hugo Cabret“ als die Enttäuschung des Jahres!

Bewertung: 5/10 Sternen