"Hulk" (USA 2003) Kritik – Grüne Langeweile

„Weißt du was mir am meisten Angst macht? Wenn ich nicht mehr dagegen ankämpfen kann und total die Kontrolle verliere, dann genieße ich das…“

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Bryan Singer nahm sich 2000 der Verfilmung von den großen ‚X-Men‘ an. Singer hatte sich vorher unter anderem mit Die üblichen Verdächtigen einen klaren Namen machen können und seine ‚X-Men‘-Version konnte sich auch durchaus sehen lassen. 2 Jahre später kam der nächste eher unübliche Genre-Regisseur mit einer Comic-Verfilmung um die Ecke. Gemeint ist Sam Raimi, der uns einst ‚Tanz der Teufel‘ schenkte und mit seinem tollen ‚Spider-Man‘ eine der besten Comic-Verfilmungen überhaupt geschaffen hatte. Dann kam das Jahr 2003 und der taiwanesische Regisseur Ang Lee, der vorher Perlen wie ‚Der Eissturm‘ und ‚Tiger & Dragon‘ drehte, mischte sich in die bunte Welt der Comichelden ein. Lee nahm sich des grünen Kolosses an und lieferte die erste Kinoversion von ‚Hulk‘. Sein Action-Drama ist jedoch alles andere als ein guter Film und enttäuscht in fast allen Punkten.

Der ruhige Atomphysiker Dr. Bruce Banner untersucht zusammen mit seiner Ex-Freundin Betty Ross die Kraft von Gammastrahlen. Nach einem schrecklichen Laborunfall, der Bruce eigentlich hätte töten müssen, fühlt er sich sogar noch besser als zuvor. Der Unfall hat jedoch etwas in ihm geweckt, was lange auf seinen Ausbruch wartete. Bei seinen unkontrollierten Wutanfällen wird Bruce zum grünen Supermonster Hulk, der alles zerstören kann, was sich ihm in den Weg stellt…

Wie schon in ‚Spider-Man‘ ist auch hier wieder Danny Elfman für den Soundtrack verantwortlich gewesen. Die Qualität von Elfman steht außer Frage und seine Musik, die dem ‚Spider-Man‘-Score gar nicht unähnlich ist, ist das geringste Übel des Films und kann in ihren Einsätzen auch überzeugen, wenngleich Elfman natürlich schon besseres abgeliefert hat. Die Kameraführung von Frederick Elmes ist ebenfalls gut anzusehen und lieferte schöne Aufnahmen, vor allem in Verbindung mit den satten Farben. In ‚Hulk‘ wird das Bild immer wieder aufgesplittet und es kommt zu mehreren Bildern gleichzeitig, genau, wie man es auch aus den Comics gewohnt ist. Das ist Anfangs ja noch eine durchaus nette Idee, doch verkommt zunehmend zur unnötigen Spielerei. Ein anderes Manko sind die angepriesenen Effekte. Für das Jahr 2003 waren sie sicherlich gut gemacht, allerdings sind sie nach wie vor zu deutlich als solche zu erkennen und mindern den Spaß doch etwas und der gewünschte Wow-Effekt setzt nicht ein. Billig sind die Spezialeffekte allerdings auch sicher nicht.

Ein Superheld ist nicht immer nur ein Superheld, sondern auch ein Mensch aus Fleisch und Blut. Also musste auch ein Schauspieler her, der diesen Charakter glaubwürdig rüberbringt. Man entschied sich für Eric Bana, der rein optisch zwar nicht voll ins gewohnte Bild vom Wissenschaftler Dr. Bruce Banner passt und sicher keine Idealbesetzung wie Tobey Maguire ist, aber er geht in Ordnung. Was jedoch nicht in Ordnung geht, ist Banas ausdrucksloses Schauspiel, der durchgehend den gleichen Gesichtsausdruck aufsetzt und keinerlei Emotionen vermittelt. Ebenso Jennifer Connelly, die eine tolle Schauspielerin sein kann, hier als Banners Geliebte Betty Ross aber auch vollkommen hinter ihrem Können zurückbleibt und ebenfalls kein Stück mitreißen kann. Dann wäre da noch Nick Nolte als Dr. David Banner und Vater von Bruce. Nolte pendelt immer zwischen gelangweilt und übertrieben aufgedreht umher und kann einfach nie ernstgenommen werden. Betty Ross‘ Vater, General Ross, wird von Sam Elliott gespielt, der zwar ins Bild passt, aber auch flach bleibt. Und dann wäre da noch Josh Lucas als Banners Rivale Major Talbot. Lucas‘ Leistung lässt sich in einem Wort punktgenau zusammenfassen: uninteressant. In kleinen Rollen sind auch Lou Ferrigno, der in den 70ern den Hulk in der gleichnamigen Fernsehserie verkörperte und Marvel-Legende Stan Lee, der Schöpfer des Comics, zu sehen.

Stan Lees Inspirationsquellen zu seinem „The Incredible Hulk“-Comic lässt sich schnell erahnen. Ob es nun Frankenstein höchstpersönlich war, oder auch Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Das ist aber kein Problem, denn Lees Comic und die erschaffene Figur war immer noch vielschichtig und interessant genau um etwas Eigenes darzustellen. Spannend war es nun, wie Ang Lee seinen Film aufbaut. Bleibt er in den 60er Jahren und lässt historische Konflikte mit einfließen, oder verlegt er seine Geschichte in die Gegenwart und passt sie dem heutigen Standard an? Konzentriert er sich auch auf den inneren Kampf von Bruce Banner mit dem Hulk, oder will er uns einfach einen Blockbuster servieren, der uns das Popcorn aus den Händen fegt? Man wäre wohl mit beidem zufrieden gewesen, doch die Antwort ist folgende: weder noch.

Ang Lee will viele Themen anschneiden und unter einen Hut bringen. Die eigentlich gestorbene Beziehung von Bruce zu seinem Vater, der plötzlich wieder vor ihm steht und einen klaren Plan im Hinterkopf hat und dazu auch nicht unschuldig an seiner Verwandlung ist. Die Beziehung von Bruce zu Betty, die zwar gescheitert ist, aber doch nie beendet. Und natürlich den unkontrollierbaren Kampf zwischen Bruce und seinem verankerten, unbekannten Monster, das jegliche Verbindungen zur Gefahr macht und alles zerstören könnte. Bruce muss sich selber erforschen, kennenlernen und steuern und sich gegen das Militär und die Feinde auflehnen, die ihn mit allen Mitteln ausschalten wollen. Das hätte alles zu einem starken Film führen können, der Action und Tiefgründigkeit verbinden hätte können und daraus einen starken Einklang bilden, wie Sam Raimi es uns 2002 vorgemacht hat. Doch Lees Inszenierung fehlt es einfach an fast allem. Und wir wollen hier kein realistisches Drama sehen, denn es handelt sich nach wie vor um eine Comic-Verfilmung. Allerdings darf man doch wenigstens einen spannenden und weitestgehend glaubwürdigen Film erwarten. Doch das gelingt Lee nicht.

‚Hulk‘ lässt sich Zeit und es dauert gut 40 Minuten bis unser heißersehnter Hulk das erste Mal über den Bildschirm tobt. Schön und gut ist die Einführungszeit der Charaktere also, nur leider interessieren sie einfach nicht die Bohne. Man fiebert nicht mit ihnen, man leidet nicht mit ihnen und der nächste Schritt der Figuren wird zur Nebensache. So werden die Ansätze nur angekratzt, bleiben aber oberflächlich. Die erzwungene Lovestory zwischen Betty und Bruce bremst die Geschichte immer wieder aus gipfelt in unnötigem Kitsch mit gewollt dramatischer Würzung. Das böse, böse Militär bekommt natürlich auch noch sein Fett weg und das Monster ist eben nur ein Monster, weil es einfach keine andere Wahl hat. Hier will einfach keine Spannung aufkommen. Was dem Film fehlt, ist ein ebenbürtiger Gegner. Jemand, der dem Hulk die Stirn bieten kann und für etwas Pepp in der Geschichte sorgt. So ist ihm doch niemand gewachsen und wenn er will, dann legt er alles in Schutt und Asche und die Sache ist für ihn gegessen. Höhepunkte gibt es auch keine und Hulks Kampf gegen einen mutierten Riesenpudel (!!!) wird zur einmaligen Lachnummer. Hoffnungen auf die Action sollte man auch nicht legen, die ist nämlich spärlich gesät. Die paar Szenen sind aber dennoch gut gemacht und wenn der Hulk einen Panzer ohne Probleme quer durch die Gegend schleudert, setzt man doch kurzzeitig ein Grinsen auf. Das war es dann aber auch und eines ist schlussendlich klar: Ang Lee sollte sich von Comics fernhalten.

Fazit: Ang Lee inszenierte mit ‚Hulk‘ eine der schwächsten Comic-Adaptionen überhaupt. Die Charaktere interessieren nicht, die Handlung plätschert unausgearbeitet und viel zu oberflächlich vor sich hin und die 135 Minuten werden zur Geduldsprobe. Die Schauspieler sind ausdruckslos und selbst die Action ist nur OK. Was am Ende bleibt sind durchaus nette Aufnahmen und ein feiner Soundtrack. Deutlich zu wenig für eine derart beliebte Comicfigur, die weitaus Besseres verdient hätte. Hier wäre in jedem Fall eine ganze Menge drin gewesen.

Bewertung: 3/10 Sternen