"Inception" (2010) Kritik

„Dreams feel real while we’re in them. It’s only when we wake up that we realize something was actually strange.“

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‚Inception‘ ist ein unlösbares Mysterium. Damit meine ich nicht die Geschichte an sich, sondern die Antwort auf die Frage, ob der Film wirklich das Übermeisterwerk ist, für das er von vielen gehalten wird. Oder ist er doch nur ein sinnfreies Nichts, welches an der Oberfläche vorgibt, Intelligenz und Tiefgang zu vermitteln? Auch diese Meinung wird von vielen vertreten. In meinen Augen wird ‚Inception‘ seinen Platz 9 der besten Filme aller Zeiten auf Imdb ebenso wenig gerecht, wie ihn für einen banalen Thriller abzustempeln. Umso schwieriger ist es allerdings, dem Film eine endgültige Note zu verpassen. Bereits zum fünften Mal habe ich den Film jetzt gesehen. Regisseur Christopher Nolan wird sich deswegen höchstwahrscheinlich kringeln und denken: „Was für ein Idiot.“ Und irgendwo hat er auch recht, denn seine Marketing-Maßnamen haben Wunder bewirkt. Nicht nur, dass die Menschen glauben, sie würden etwas Besonderes vorgelegt bekommen. Der Film wird sogar von vielen Filmfans als revolutionär, einmalig und einer der besten Filme aller Zeiten gehandelt. Auch da dürfte sich Nolan einen abgrinsen. Und ehrlich gesagt, selbst ich war nach der ersten Sichtung geblendet, wurde ausgetrickst durch Nolans „brillantes“ Ende. „Da muss doch mehr dahinter stecken, wenn er seine Geschichte auf diese Weise enden lässt.“

In Wirklichkeit ist ‚Inception‘ jedoch ein Paradebeispiel für das sogenannte Style over substance. Effekte übernehmen den Platz der nicht vorhandenen Handlung. Hätte Nolan uns wirklich etwas über Träume, das Traumsharing oder luzides Träumen und die damit einhergehenden, philosophischen Themen erzählen wollen, hätte es die Action nicht gebraucht. Anfangs war ich durchaus von einem tieferen Sinn überzeugt, aber da gibt es rein gar nichts zu entdecken. Jeder Interpretationsansatz wird durch einen Wiederspruch zerstört. Jedes Mal, wenn die Story interessant und tiefgründig zu werden scheint, wird sie durch ein Effektespektakel verdrängt. Ohne Frage sind die Special Effects grandios und Wally Pfister treibt mit seiner Kamera die unmöglichsten Dinge. Nur was hilft das alles, wenn das Drehbuch versagt?

Darin besteht nämlich das Hauptproblem: Interessante Ansätze en masse, die jedoch in nichts Besseres münden, als die anhaltende Wiederholung der immer selben Erklärung: „Unterbewusstsein.“ Was ist Unterbewusstsein? Wie sehr ist unser Leben davon abhängig? Sehr oft bekommt der Zuschauer dieses Wort zu hören. Ein weiterer Beweis dafür, dass Nolan seinen eigenen Stoff nicht wirklich verstanden hat, ist, dass er für die Geschichte so gut wie zu keinem Zeitpunkt die richtigen Bilder zu finden scheint. Viele tun das mit der einfachen Erläuterung ab, alle Charaktere und die Welt seien Teile von Cobs Träumen. Nein, nein, nein, das ist zu einfach. Selbst wenn es so wäre, sollte sich jeder Mal einen Lynch anschauen, dort werden Träume wirklich zu Emotionen, Hölle und Grauen. !Etwas empfinden!… ist das Schlagwort, und dabei verliert sich ‚Inception‘ in seiner eigenen Arroganz. Nolan glaubt, an der Oberfläche zu kratzen wäre ausreichend. Das Bizarre dabei ist, dass er es besser wissen sollte…

Trotz alledem hat mich der Film gut unterhalten. Selbst bei der fünften Sichtung kam nie Langweile auf. Die Darsteller sind super, die Effekte spitze, mitgrübeln tue ich, obwohl es nichts zu grübeln gibt, jedes Mal aufs Neue. Irgendwo ist Nolan schon ein Genie. Das zuzugeben, fällt im Falle ‚Inception‘ sicherlich schwer. Eine Sache fällt mir allerdings sehr einfach. Da ‚Inception‘ mit jeder Sichtung schlechter wird, wird es kein nächstes Mal geben, keine nächste Sichtung, kein „vielleicht ist an dem Film doch mehr, als viele denken“. Jedoch hoffe ich inständig, dass Nolan mit seinem dritten Batman-Teil wieder an seine guten, alten Zeiten wie „Prestige“ oder „The Dark Knight“ anknüpfen wird.

Bewertung: 6/10 Sternen