"Independence Day" (USA 1996) Kritik – Für Amerika! Für die Menschheit!

„Willkommen auf der Erde!“

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Der deutsche Filmemacher Roland Emmerich hat sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten seinen Platz geschaffen und inszeniert einen Film nach dem anderen, immer mit dem gleichen Grundthema. Der Herr Emmerich mag es nämlich ganz besonders, wenn er die Erde und Menschheit richtig in die Luft jagen kann und dann einen Helden losschickt, der die Sache wieder geradebiegt. Nimmt man die Karriere von Roland Emmerich mal etwas genauer unter die Lupe, dann sollte man schon mit einigen Wassern gewaschen sein, denn unser „deutscher Spielberg“ liebt es, wenn er amerikanischer als jeder Amerikaner sein kann. Mit Streifen wie ‚Der Patriot‘, wie passend, ‚The Day After Tomorrow‘ oder ‚2012‘ sollte der Fall klar sein. Emmerich kann mit Effekten umgehen und Weltuntergangsszenarien erschaffen, doch wenn es um die Story oder Charaktere geht, dann ist der gebürtige Stuttgarter meistens ein schwerwiegender Ausfall, ganz besonders deutlich wird das in seinem Steinzeit-Machwerk ‚10.000 BC‘, in dem sich Emmerich eine erzählerische Basis schaffen musste, dabei aber auf ganzer Linie kläglich scheiterte. Im Jahre 1996 hatte der Regisseur seinen großen Durchbruch mit ‚Independence Day‘ und dieser Sci-Fi-Blockbuster zeigte überdeutlich, in welche Richtungen der Deutsche in Zukunft einschlagen wird.

In ‚Independence Day‘ geht es um einen Alienangriff auf die Erde, der klar inspiriert wurde durch den Roman „Krieg der Welten“ von H.G. Wells, der es auch zuletzt im gleichnamigen Film von Spielberg auf die Leinwand geschafft hat. Hier beginnt allerdings alles zwei Tage vor dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, ein Tag, der kaum ehrwürdiger für jeden Amerikaner sein könnte. Ausgerechnet vor diesem immens wichtigen Feiertag tauchen 30 Kilometer große Raumschiffe aus dem Weltall auf und verdecken die Großstädte der Welt, doch das Mutterschiff hat sich noch lange nicht gezeigt. Die Hoffnungen auf ein friedliches Auftreten werden schnell zerschlagen und der Präsident der vereinigten Staaten, Thomas Whitmore, erklärt die Katastrophenlage. Panik bricht aus und die Aliens zerstören das Weiße Haus demonstrativ mit ihren extremen Waffen. Der Satellitentechniker David Levinson, der Marine Corps-Pilot Steve Hiller und natürlich der Präsident höchstpersönlich müssen sich zusammenraufen und den Aliens den Krieg ansagen und zum Angriff gegen den übermächtigen Gegner blasen, auch wenn der Kampf anfangs längst entschieden scheint.

Wenn wir die Effekte von ‚Independence Day‘ genauer anschauen, unter dem klaren Aspekt, das der Film aus dem Jahre 1996 stammt, dann lässt sich auch heute noch sagen, das diese wirklich bombastisch gelungen sind. Wenn eine riesige Feuerwolke über Washington auftaucht und sich aus dem Inneren langsam das Raumschiff herausfährt, dann sieht das nach wie vor grandios aus. Und auch die Explosionen, legendär natürlich die Zerstörung des Weißen Hauses, sind nicht veraltet, sondern vollkommen Gegenwartstauglich. Dementsprechend können sich auch die Kameraaufnahmen von Karl Walter Lindenlaub sehen lassen, der das Geschehen in standhaften Bildern festhält und zum Glück nie in die wackelige Unübersichtlichkeit abdriftet. Der Score von David Arnold ist hingegen eher Standardware aus der Genrekiste, der das Treiben heroisch unterstreicht, aber nichts Bleibendes liefert. Schauspielerisch ist da ebenfalls das gleiche Bild zu finden. Eigentlich hat keiner der Charaktere Tiefgang oder ist wirklich interessant, sondern viel mehr die Klischeefiguren aus der Massenwareschublade. Da hätten wir Will Smith als harten Piloten Steve Hiller, der natürlich verboten cool ist mit Zigarre und Sonnenbrille, Bill Pullmann als Präsident Thomas Whitmore, der mal wieder wie kurz vor dem Einschlafen wirkt und Jeff Goldblum, der von allen noch die beste Leistung bringt und am sympathischsten wirkt, als Elektronikfachmann David Levinson.

Wer sich ‚Independence Day‘ ansieht, der muss sich auf eine klare Tatsache einstellen, denn diese bekommt man in so gut wie jeder Minute um die Ohren gehauen: die vereinigten Staaten stehen über allem und ein Amerikaner kann einfach alles schaffen, egal was sich ihm in den Weg stellt. Regisseur Emmerich lässt sich mit seiner Einführung auch nicht lange Zeit und die Aliens dürfen nach einer guten viertel Stunde schon mit ihrem Chaos loslegen. In diesen Momenten weiß ‚Independence Day‘ auch zu gefallen, gerade wenn er das Gefühl der Erwartung, Verwirrung und Panik verbindet und vom Bildschirm auf den Zuschauer überträgt, der sich in diese Situation versetzt und selber fragt, wie er selbst wohl handeln würde. Ist die erste Welle jedoch überstanden und die stolze USA macht sich bereit zum Gegenschlag, dann tunkt Emmerich seine Inszenierung in klebrigsten Patriotismus, lässt die Nationalflaggen immer wieder durchs Bild flattern und von Mut und Ehre faseln. Die klar überlegenen Aliens bekommen es mit der Weltmacht zu tun und wenn es bei denen richtig ernst wird, dann halten sie auch zusammen und es gibt keinerlei Einzelkämpfer mehr, denn für den Stolz eines Landes opfert man sich auch mit breitem Grinsen. Neben dem Pathos und der breiten amerikanischen Brust, auf die man sich vorher natürlich einstellen musste, sind es die Logiklöcher und die ziehende Länge des Films, die sich immer wieder bemerkbar macht und einiges an Spannung nimmt, auch wenn ein Unterhaltungslevel immer vorhanden ist.

Fazit: Patriotismus, Pathos und das stolze Amerika treffen auf ein dämliches Drehbuch und uninteressante Charaktere. Dazu gibt es fantastische Effekte, kräftige Bilder und eine gewisse Unterhaltung, die zwar nicht immer ganz da ist, aber ‚Independence Day‘ nicht unbedingt langweilig macht, allerdings auch mit Sicherheit nicht gut, was eben an den genannten Schwächen liegt. So bleibt ein Sci-Fi-Actioner, den man sich zwar angucken kann, aber ganz bestimmt nicht muss. Für zwischendurch oder an einem regnerischen Abend darf ‚Independence Day‘ seine Chance bekommen.

Bewertung: 4/10 Sternen