"Insidious" (USA 2010) Kritik – Nichts Neues aus dem Hause Wan

„Nicht das Haus ist von Geistern besessen, sondern ihr Sohn.“

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Nach den Folterorgien wie ‚Saw‘ und ‚Hostel‘ überschwemmt ein neues Übel unsere geliebte Filmlandschaft: die Poltergeister. Mit der ‚Paranormal Activity‘-Reihe und co werden die Zuschauer wieder angelockt und die Kinosäle gefüllt. Im Jahr 2010 hat es dann auch ‚Insidious‘ in die Kinos geschafft und Regisseur Wan, auch für den ersten Teil von ‚Saw‘ verantwortlich, will neue Grusel-Maßstäbe setze, entlockt mir jedoch nur ein müdes Kopfschütteln und lautes gähnen.

‚Insidious‘ spielt zu 90% in finsteren Zimmer und dunklen Fluren. Das allein kann natürlich keine stimmige Grusel-Atmosphäre erzeugen. Der Film ist halt einfach nur dunkel. Mit Handkamera bewaffnet ruckelt sich der Film von Anfang bis Ende über den Bildschirm Das sollte ihn noch authentischer machen, wird aber auf Dauer einfach immer nerviger. Also kann man jetzt erst mal grob festhalten: wir sehen nicht viel und schaukeln dazu auch noch durch die Gegend. Hoffnungen lagen noch auf dem Soundtrack. Anfangs doch noch Ansatzweise stimmig eingespielt setzt der Film immer mehr und mehr auf das modische Tongepöbel. Das heißt: wenn es gruselig werden soll, wird ein pompöser Donnerschlag durch die Boxen gefeuert der den Moment noch erschreckender darstellen soll. Ich persönlich war von diesem ständigen Knall einfach nur noch angenervt, vor allem weil er dazu auch noch schrecklich absehbar wurde. Atmosphäre? Nicht vorhanden.

Mit Rose Byrne und Patrick Wilson hat ‚Insidious‘ zwar zwei Darsteller die nicht vom Horrorfilmschlag „dicke Brüste und glänzendes Wachbrett“ sind, aber eine erwähnenswerte Leistungen bringen sie trotzdem nicht. Sie spielen die typischen Genre-Stereotypen ganz nach Schema F. Nichts Besonderes, aber es gab schon deutlich schlechtere Darstellungen.

Um noch eine Sache klarzustellen: Ich habe rein gar nichts gegen Horrorfilme und bin für jede Art davon offen. Ob ich es nun mit Zombies, Vampiren, Kannibalen, Reifen, Hexen oder Mörderpuppen zutun bekomme. Völlig egal. Von mir aus kann es schön blutig werden oder ganz ruhiger Psycho-Horror sein. Völlig nebensächlich. Natürlich sollte ein Horrorfilm, egal wie er nun aufgebaut ist, eine gruselige oder beängstigende Atmosphäre haben und so was wie Spannung besitzen. Wenigstens unterhalten! Leider ist ‚Insidious‘ in jeder Hinsicht ein Totalausfall.

Wir bekommen es mit dem Genre-Standard zu tun. Eine Familie zieht in ein neues, geräumiges Haus. Merkwürdige Dinge geschehen. Gestalten tauchen auf, Türen öffnen sich von selbst, der Boden knarrt und immer wieder fremde Schatten. Was hilft da noch? Ein Umzug, genau. Denkste! Die Sache wird sogar noch schlimmer und es können immer mehr Parallelen zwischen Vorfällen und unserer neuen Lieblingsfamilie geschlagen werden. Das führt dann immer weiter zurück, bis in die Jugend von Papa Josh. Denn der mag es gar nicht wenn er fotografiert wird. Es müssen „Geisterjäger“ gerufen werden die Josh dabei helfen gegen seine Ängste anzukämpfen und dabei seine Familie zu retten.

Wie gesagt, etwas Besonderes oder Neues gibt es hier nicht. Das soll aber gar kein Kritikpunkt sein, denn es gibt genügend Horrorfilme die alte Geschichten stark wiedergeben und packend darstellen. Also warum jetzt diese extrem schlechte Bewertung? Ganz einfach: was mich an ‚Insidious‘ am meisten gestört hat war, dass der Film zu jeder Zeit UNBEDINGT erschrecken wollte. Auf Biegen und Brechen wollte immer und immer wieder Angst verbreiten. Und ja, ich war auch bereit dafür, ich hatte sogar eine gewisse Vorfreude auf den Film. Durch die Werbung und andere Empfehlung wurde mir ein Schocker der Extraklasse versprochen, der mir endlich wieder meine Grenzen aufweisen wird. Also hab ich mich ins dunkle Zimmer verkrochen und losgelegt. Was mich hingegen erwartete war stellenweise unfreiwillig komisches Geplapper und ein Film der jeglichen Verstand für gute Inszenierung verloren hat, oder besser gesagt nie gefunden hat. Allein der rote Dämon der unsere Familie terrorisiert sieht aus wie eine billige Darth Maul-Kopie. Dazu gibt es noch erheiternde Tänze von einem eigenartigen Kind zu schöner nostalgischer Musik, Gestalten die in irgendwelchen Ecken und hinter Türen warten und jede Menge Gekreische. Das alles hat mich nicht im Geringsten unterhalten, sondern war einfach nur furchtbar ermüdend und hat sich schrecklich gezogen. Achja, dann gibt es ja noch die Geisterjägertruppe, die die Situation nun ein bisschen entspannen soll. Zwei Möchtegern-Nerds die sich durch das Haus stolpern und eine alte Schrulle die natürlich genau weiß was sich hier abspielt. Das Ende soll dann nochmal ein ganz besonderer und unerwarteter Paukenschlag für jeden Zuschauer sein mit ganz tollem WOW-Effekt. Für mich setzt Wan dem Film hier wirklich die Krone auf und 100 qualvolle Minuten des Däumchendrehens und Minutenzählens fanden ihr ärgerliches Ende im heißersehnten Abspann.

Fazit: ‚Insidious‘ ist ein belangloser, nerviger und langweiliger Geisterhorror, der weder eine Atmosphäre besitzt, noch irgendwie ansatzweise Spannung aufbauen oder gar unterhalten kann. Mit uninteressanten Charakteren, unnützen Soundeffekten, wirrer Handkamera und inkonsequenter Inszenierung schießt sich der Film weit ins Aus. Wer einen GUTEN Film über Geister sehen will, sollte lieber direkt zu ‚Poltergeist‘ aus dem Jahr 1982 greifen. Der versteht wenigstens mit dem Thema umzugehen und überzeugt in jedem Punkt. ‚Insidious‘ hingegen ist reine Zeitverschwendung.

Bewertung: 2/10 Sternen