"Irgendwann in Mexico" (US/MX 2003) Kritik – Es war einmal in Mexico…

„Das hat mir mein Bruder beigebracht. Ich musste ihn töten.“ – „Ja, mit diesen netten Geschichten bin ich schon vertraut, sehr charmant.“

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Robert Rodriquez‘ Liebe zum Film dürfte inzwischen allseits bekannt sein. Seine Arbeiten strotzen vor Andeutungen und Zitaten und lassen damit auch die Herzen jedes Filmfreundes höherschlagen. Wenn Rodriquez dann noch mit seinem Kumpel Quentin Tarantino zusammen arbeitet, dann kennen die beiden Fanatiker keine Grenzen mehr und liefern filmische Glanzstücke der ganz besonderen Sorte, man denke nur an die gemeinsame Grindhouse-Hommage mit „Death Proof“ und „Planet Terror“, wie auch „From Dusk Till Dawn“ und „Sin City“, wobei Tarantino bei letzterem nur eine Episode gedreht hat. Aber auch allein kann der Texaner überzeugen, wenn man mal von den Kinderfilmen der „Spy-Kids“-Reihe absieht, die Rodriquez nur für das kleine Publikum gedreht hat und auch dieses nicht unbedingt überzeugte. Gemeint sind eher die „El Mariachi“-Filme, die sich ganz klar an das erwachsene Publikum richteten und genau das einfließen ließen, was Rodriquez bei seinen Filmen immer ausgemacht hat. Die Rede ist von „El Mariachi“ und „Desperado“, mit denen Rodriquez seine Fangemeinde deutlich ausbauen konnte. Im Jahre 2003 kam es dann auch zum würdigen Abschluss der Trilogie und „Irgendwann in Mexico“ durfte über die Kinoleinwände poltern.

Der zwielichtige CIA-Agent Sands hat einen ganz eigenen Plan und um diesen Plan zu verwirklichen, braucht er Hilfe von einem Auftragskiller, auf den auch wirklich Verlass ist. Nach einigen Geschichten fällt seine Wahl auf dem berühmt-berüchtigten El Mariachi, der dem Töten jedoch den Rücken zugedreht hat und sein Leben in Trauer und Einsamkeit irgendwo im Nirgendwo führt. Eigentlich wäre El Mariachi nicht mehr zurückgekehrt, würden im Plan von Sand nicht der Drogenbaron Barilla und einem korrupten General verwickelt sein, denn mit denen hat der Mariachi noch eine Rechnung offen. Er greift erneut zu seinem Gitarrenkoffer und macht sich auf den Weg…

Robert Rodriquez ist ein außerordentliches Multitalent, der am liebsten die verschiedensten Bereiche in seinen Filmen höchstpersönlich abdeckt. In „Irgendwann in Mexico“ ist das mal wieder genau der Fall. Rodriquez hat es sich nicht nur auf dem Regiestuhl gemütlich gemacht, sondern war an der Produktion beteiligt, hat das Drehbuch verfasst, die Musik komponiert, die Kamera geführt und den Film selber geschnitten. Hut ab kann an da nur sagen, gerade deshalb, weil sich das Ergebnis in allen Bereichen sehen lassen kann. Die Aufnahmen sind satt und gefüllt mit Kraft, die Musik erinnert an die typisch mexikanischen Gitarrenklänge und der Schnitt ist schnell, allerdings niemals wirr.

Auch in „Irgendwann in Mexico“ sehen wir wieder die wichtigen Gesichter aus dem Vorgänger „Desperado“. Damit ist an erster Stelle natürlich Antonio Banderas als El Mariachi gemeint, der wieder so verboten cool sein darf, dass es einfach nur Spaß macht, ihm beim wüten zuzusehen. Auch Salma Hayek ist als scharfe Frau Carolina vertreten, allerdings nur in Rückblenden, aber Frau Hayek ist wie immer wunderbar anzusehen. Das Highlight des Films ist jedoch Johnny Depp als undurchsichtiger und noch viel coolerer CIA-Agent Sands, der alle Blicke auf sich zieht und mal wieder eine tolle Leistung bringt. Und auch, wie in jedem Rodriquez, sind die Nebenrollen namenhaft besetzt. Da hätten wir Mickey Rourke, Eva Mendes, Cheech Marin, Willem Dafoe, Enrique Iglesias (der nur wenige Sekunden singt!), Danny Trejo und Ruben Blades.

„Sie wollen, dass ich den Koch erschieße?“ – „Nein, ich erschieße den Koch, ich muss sowieso durch die Küche raus.“

Wenn es um Coolness geht, dann ist Regisseur Robert Rodriquez ja bekanntlich immer ganz oben mit dabei. In „Irgendwann in Mexico“ kann der Texaner wieder mit durchgestylten Aufnahmen protzen und seinen Charakteren eine coole Lockerheit einflößen, die einfach nur Spaß macht. Und genau darauf kam es Rodriquez hier auch an: Um den Spaß, und den hatten sichtlich auch die Akteure, die nach Herzenslust aufspielen und mal wieder richtig auf den Putz hauen können. „Irgendwann in Mexico“ ist kein tiefgängiger Film, der sich um die Probleme von Mexico oder dergleichen dreht, hier geht es um El Mariachi, der den Tod seiner Frau rächen will und wieder zu seinem Gitarrenkoffer greift, dessen Inhalt schon so manchen Bösewicht auseinandergenommen hat. Der interessantere Charakter ist jedoch CIA-Agent Sands, der vom mexikanischen Gericht Puerco Pibil besessen ist und jeden Koch umbringt, der das Gericht einfach zu gut für diese Welt zubereitet. Dementsprechend schwarzhumorig und ironisch fällt Rodriquez Inszenierung auch aus, was den Spaß am wilden Treiben natürlich nur noch weiter anfeuert. „Irgendwann im Mexico“ wird zur geliebten Old School-Action, in der das Blut nur so spritzen darf und hat einen Kern, der sich aus Ehre, Rache, Korruption und Machtbesessenheit zusammensetzt. In staubiger Western-Atmosphäre werden Klischees aufgedreht und schnell wieder parodiert fallengelassen, denn der kurzweilige Spaß, und das ist die perfekte Bezeichnung für „Irgendwann in Mexico“, schert sich einen Dreck darum, in irgendwelche Muster zu passen und geht seinen Weg, wie es Rodriquez gerade gepasst hat. Es kracht, die Kugeln reißen riesige Löcher in die Körper, man darf lachen und Spannung ist ebenfalls immer vorhanden, wenn auch ohne jeden Tiefgang.

Fazit: Wer hier anspruchsvolles Kino erwartet, wird mit Sicherheit schnell enttäuscht die Schultern hängen lassen, denn Kultregisseur Robert Rodriquez möchte hier einfach seine „El Mariachi“-Trilogie abschließen und das tut er mit viel Lärm, Spaß und Blut. „Irgendwann in Mexico“ darf sich gerne als guter Unterhaltungsfilm bezeichnen lassen, der seine 90 minütige Laufzeit stark auszufüllen weiß, mit Coolness nur so um sich wirft, die Mexico-Atmosphäre wunderbar auf den Zuschauer überträgt und einfach Laune macht, nicht zuletzt wegen eines tollen Johnny Depps, der auch ohne Augen verdammt cool ist und Antonio Banderas, der wieder durch Mexico ballern darf. „Irgendwann in Mexico“ ist für alle sehenswert, die wissen, worauf sie sich einlassen, denn Rodriquez macht keine halbe Sachen, das sollte inzwischen eigentlich klar sein.

Bewertung: 7/10 Sternen

PS: Auf der DVD des Films befindet sich im Bonusmaterial eine herrliche Kochstunde mit Regisseur Robert Rodriquez, der zeigt, wie man Johnny Depps Lieblingsgericht Puerco Pibil richtig zubereitet.