"Iron Man 3" (USA, CH 2013) Kritik – Im Kampfanzug gegen den Terror

Autor: Stefan Geisler

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„Mr. Stark, today is the first day of what’s left of your life.“

Als 2008 „Iron Man“ in die Kinos kam, ließen sich selbst gutgläubig-optimistische Comic-Fans nicht dazu hinreißen, sich auszumalen, welche Früchte Marvels Comic-Blockbuster-Konzept „Phase One“ noch tragen sollte. Doch als dann 2012 alles in dem fulminanten Blockbuster „Marvels The Avengers“ gipfelte, waren alle Zweifel wie weggeblasen. Disney/Marvel hat mit der Vision eines zusammenhängenden Leinwand-Superhelden-Universums nicht nur aus künstlerischer Sicht vieles, sondern besonders im Hinblick auf die Einspielergebnisse in den letzten Jahren einfach alles richtig gemacht. Doch wie geht es weiter? Kann es ein Leinwandleben für Thor, Captain America, Iron Man und Co. nach den Avengers geben? Die Antwort ist ein klares „Ja“, denn auch „Iron Man 3“, seines Zeichens der erste Film der Post-Avenger-Ära, der sogenannten „Phase Two“, ist nicht nur ein rundum gelungener Blockbuster, sondern fügt sich auch wunderbar in das in den letzten Jahren erschaffene Marvel-Kino-Universum ein.

Nach den Ereignissen in New York ist der Iron Man Tony Stark (Idealbesetzung: Robert Downey Jr.) einfach nicht mehr derselbe. Die Ereignisse um die Avengers wollen ihn einfach nicht mehr loslassen und selbst die Flucht in die Arbeit verspricht nur bedingt Besserung. Doch eine lange Schonzeit gibt es für den milliardenschweren Playboy Tony Stark nicht, denn ein neuer Gegenspieler namens Mandarin (Ben Kingsley) lässt Anschläge in den USA verüben, ohne Spuren zu hinterlassen. Die Behörden stehen vor einem Rätsel. Als auch Tony Starks früherer Leibwächter und enger Freund Happy Hogan (Jon Favreau) bei einem Anschlag schwer verletzt wird, fordert Tony Stark den Terrorfürsten Mandarin persönlich heraus…

Was hat man im Vorfeld über den dritten Teil der „Iron Man“-Reihe spekuliert. Wer wird der Bösewicht? In welches Kostüm wird der Eiserne diesmal schlüpfen? Gibt es Cameo-Auftritte? Von besonderem Interesse war dabei die Frage, wie sich Shane Black („Kiss Kiss, Bang Bang“) als neuer Iron-Man-Regisseur schlagen wird, denn schließlich hatte dieser ein schweres Erbe anzutreten, immerhin legte sein Vorgänger Jon Favreau mit seiner „Iron Man“-Leinwandumsetzung den Grundstein für den Erfolg von Marvels „Phase One“. Erstaunlicherweise erweist sich besonders der Wechsel auf dem Regiestuhl als echter Glücksgriff für Marvel, denn anders als Jon Favreau versteht sich Shane Black nicht nur darin bombastische Actionsequenzen zu inszenieren, sondern ist auch ein Mann für die leisen Töne.

In Shane Blacks „Iron Man 3“ ist Lebemann Tony Stark nur noch ein Schatten seiner selbst, denn die Ereignisse aus „Marvels The Avengers“ haben deutliche Spuren im Gemüt des sonst so unantastbaren Playboys hinterlassen. Albträume, Flashbacks, Gemütsschwankungen, Schlaflosigkeit und Panikattacken: Stark erinnert hier eher an einen traumatisierten Kriegsheimkehrer als an einen strahlenden Superhelden in glänzender Rüstung. Apropos glänzende Rüstung: Auch vom Markenzeichen des Eisernen, dem rot-gelben Kampfanzug, bekommt man lange Zeit nur wenig zu sehen. Dieser erhält anfangs lediglich Symbolcharakter, wird zu einer Art Schutzkokon, in den sich der Milliardär Stark immer wieder zurückzieht, wenn er von erneuten Panikattacken heimgesucht wird. Mit messerscharfer Präzision gelingt es dabei Drew Pearce, der in Zusammenarbeit mit Shane Black das Drehbuch verfasst hat, den ehemaligen Waffenproduzenten aus seinem eisernen Korsett zu befreien, seine verletzlichen Seiten aufzuzeigen und wieder auf seine Grundcharakteristika herunterzubrechen. Was anfangs so wirkt, als wolle Regisseur Black wieder alle Uhren auf Null stellen und eine ähnliche Ausgangslage wie im ersten Teil des Franchises kreieren, erweist sich spätestens nach Tony Starks Katharsis als konsequente Weiterentwicklung des beliebten „Iron Man“-Konzepts. Manchmal muss man eben erst einen Schritt zurücktreten, um voranzukommen.

Auch in puncto Gegenspieler ist Iron Man inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen. Hatte er im zweiten Teil mit Ivan Vanko alias Whiplash noch ein Relikt aus dem Kalten Krieg zu bekämpfen, erweisen sich seine Gegenspieler diesmal als weniger greifbar. Terrororganisationen, Schläferzellen und genetische Kampfstoffe, greifbare Gegner gibt es kaum. Lediglich der Mandarin (zwischen Genie und Wahnsinn: Ben Kingsley), als Oberhaupt einer Anti-Amerikanischen-Terrororganisation, tritt für alle sichtbar über die Fernsehbildschirme in Erscheinung und wird damit zum Gesicht des Schreckens. Hetzreden, Video-Botschaften in einem geheimen Versteck aufgenommen, Selbstmordattentäter und die Machtlosigkeit der amerikanischen Behörden: Das alles erinnert natürlich nicht von ungefähr an das Katz-und-Maus-Spiel, das jahrelang zwischen Al-Qaida-Oberhaupt Osama bin Laden und den amerikanischen Geheimdiensten tobte. Fast möchte man meinen in „Iron Man 3“ die Comic-Version von Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ serviert zu bekommen.

Fazit: Wow, Shane Blacks „Iron Man 3“ ist eine gelungene Weiterführung der „Iron Man“-Reihe. Eine hervorragende Figurenzeichnung, interessante Gegenspieler und ein schlichtweg atemberaubendes Finale machen „Iron Man 3“ definitiv zu einem der Höhepunkte der diesjährigen Blockbustersaison. Wenn Marvels „Phase Two“ schon so rasant startet, kann man nur gespannt sein, wo die Reise endet.

P.S: Natürlich auch bei „Iron Man 3“ wieder bis nach den Credits sitzen bleiben