"Iron Sky" (FIN/D 2012) Kritik – Sci-Fi-Trash vom Feinsten

Autor: Philippe Paturel

null„Die Frauen auf der Erde haben ja gar keine Haare mehr und wenn sie welche haben, dann sehen die aus wie der Bart unseres Führers!“

Was soll man schon von einem Film erwarten, der Nazis auf den Mond schickt, die dort still und heimlich ihre Invasion der Erde planen. Eine der größten Trash-Gurken der letzten Jahre? Einen, zumindest kurzweiligen, No-Brainer? Weder noch, denn was man stattdessen bekommt, ist eine der größten Überraschungen der letzten Jahre, eine kleine, aber Grenzen aufzeigende Trash-Perle irgendwo zwischen Verhoevens „Starship Troopers“ und Tarantinos „Inglourious Basterds“. Das Resultat ist ein in vielen Belangen zukünftiger Klassiker.

1945 haben die Nazis sich auf den Mond zurückgezogen, dort bauen sie heimlich ihren „Todesstern“, um im Jahr 2018 die Erde zurückerobern zu können. Was ihnen letztendlich fehlt, ist die richtige Technik zum Betreiben ihres Todessterns. Dann aber fällt ihnen zufällig ein I-Phone in die Hände, mit dem sie den Todesstern für kurze Zeit in Betrieb nehmen können. Da die Energie nur kurz hält, müssen sie Klaus Adler auf eine geheime Mission zur Erde schicken, damit er ihnen genug I-Phones zum Antrieb des Kolosses beschaffen kann. Die Geschichte nimmt ihren Lauf und was der Zuschauer mitverfolgen darf, ist soweit der schwarz-humorigste, aber gleichzeitig intelligenteste Sci-Fi-Actioner seit „Starship Troopers“.

„Götterdämmerung“, „Meteorblitzkrieg“ oder „Albinisierer“, das sind nur drei vieler Begriffe, die demnächst mit Sicherheit so häufig zitiert werden wie „Le Big Macke“. Einfach grandios sind all diese Einfälle, welche uns Regisseur Timo Vuorensola mit viel Detailverliebtheit auf die Leinwand gezaubert hat. Schon zu Beginn, wenn ein Space-Shuttle der USA zu Laibachs Song “Under the Iron Sky“ zum Mond fliegt, wird klar, dass Ernsthaftigkeit eher nebensächlich ist. Und doch ist es erstaunlich, wie kritisch, politisch und vor allem satirisch „Iron Sky“ daherkommt. Um diese ganzen schwarz-humorigen Kleinigkeiten deuten zu können, ist jedoch definitiv historisches und politisches Wissen von Nöten, denn recht bald zeigt sich Vuorensolas Kunst, den Zuschauer politisch zum Nachdenken zu bringen und im gleichen Moment für große Lacher zu sorgen.

Auch die überspitzte Inszenierung weiß zu begeistern. In der einen Szene wird “Star Trek“ auf die unglaublichste Weise zitiert und in der Nächsten Darth Vader zum Nazi degradiert. Das waren durchaus drehbuchtechnische Wagnisse, denn solche drastischen Einfälle können auch schnell mal nach hinten losgehen. In “Iron Sky“ wurde das jedoch gekonnt gelöst. Und wenn am Ende die Vereinten Nationen gemeinsam gegen die übermächtige Gottesdämmerung in den Krieg ziehen und sich anschließend im UN-Hauptquartier alle UN-Vertreter um Helium 3 gegenseitig die Köpfe einschlagen, dann ist eines sicher, in dem ganzen Absurditätenkabinett aus Satire und bitterbösem Humor steckt viel mehr politische Wahrheit als man denken mag. Und wenn Nazi-Wahlsprüche ebenfalls für US-Wahlen anwendbar sind, auch dann hat der Regisseur seine Thematik verstanden: Hat die Menschheit wirklich aus den Fehlern des dritten Reichs gelernt? Da verzeiht man dann auch gerne den leicht zähen Anfang, der zunächst eine Bruchlandung erwarten ließ.

„Iron Sky“ bringt frische Luft in das Kinojahr. Bombastische Weltraum-Action (unfassbar, dass das Budget nur knapp 10 Mio. € betrug), abgebrühte Politiker und Wahlleiter, größenwahnsinnige Nazis und eine Menge tiefschwarzen Humors und gelungener Persiflagen. Zeppelin-Raumschiffe, ein Raumschiff namens U.S.S. George W. Bush,… really? Allerdings, und das ist trashig bis zum geht nicht mehr. Die politische Note ist besser eingesetzt, als es zu erwarten war. Das ist genial, denn man kann darüber nicht nur lachen, sondern anschließend in gepflegter Runde diskutieren. Das hat trotz einiger unfreiwillig komischer Momente den Status „Starship Troopers des 21. Jahrhunderts“ verdient.