“James Bond 007 – Skyfall” (GB 2012) Kritik – Sein Hobby ist Auferstehung

Autor: Philippe Paturel

null

„England… MI6… so old-fashioned!“

James Bond ist sichtbar älter, zerbrechlicher und nachdenklicher geworden. Nach seinem eiskalten Rachefeldzug im eher bescheidenen „Quantum Of Solace“, in dem der Franzose Mathieu Amalric Daniel Craig das Leben schwer machte, wird nun der MI6 und damit einhergehend Großbritannien von Cyber-Terroristen bedroht. Schneller als der Blitz erscheint James Bond, der vom MI6 eigentlich für tot erklärt wurde, auf dem Dienstplan, dieses Mal, um die Vernichtung des MI6 abzuwenden. Was in einer unglaublich virtuos inszenierten Verfolgungsjagd seinen Anfang nimmt, entwickelt sich schnell zu einem bedrohlichen, sehr realen Thriller, der auf so viel Drama und Düsternis setzt wie kein Bond zuvor. An die Klasse von „Casino Royale“ kann Qualitätsgarant Sam Mendes („American Beauty“, „Jarhead“) allerdings auch nicht anknüpfen.

Lange hält Mendes den Gegenspieler, in Person von Javier Bardem, im Geheimen. Die klimaxartige Einführung ist dann so zynisch wie genial. Bardem steigt aus einem Aufzug und stolziert auf charismatischste Weise in Richtung des gefesselten Craig und erzählt diesem dermaßen cool eine Anekdote, dass man ihm am liebsten sofort den nächsten Oscar für den besten Nebendarsteller in die Hand drücken möchte. Allerdings steht und fällt das neue „Bond“-Abenteuer mit dem Erscheinen des Bösewichts. Sobald sich Bardem in das Leinwandgeschehen einmischt, bekommt man ihn in so gut wie jeder Szene zu sehen und so freut man sich, dass nach dem blassen Mathieu Amalric der neue Antagonist wieder deutlich mehr Screen Time und psychologische Tiefe verliehen bekommen hat. Neben Bardem und Craig hat dieses Mal überraschenderweise aber auch Judi Dench eine große Rolle. Das eröffnet zwar vollkommen neue Perspektiven, allerdings kommt dadurch, trotz der attraktiven Bond-Girls, die Sexiness eindeutig zu kurz. Sowohl Bérénice Marlohe als auch Naomi Harris dienen lediglich als Schmückwerk und haben in Bonds neuester Mission eher weniger zu melden. Ein weiterer Schwachpunkt ist die unspektakuläre Story, denn die Cyber-Terroristen-Handlung weiß nach dem ähnlich gelagerten „Stirb Langsam 4.0“ nur noch wenig zu begeistern. Das Gleiche gilt für die Nebenhandlung, die einem bereits aus „Goldeneye“ bekannt vorkommen sollte.

Begeistern kann „Skyfall“ in Sachen Storytelling also nicht. Stattdessen wird spioniert, gemordet, geschossen und verraten, soweit das Auge reicht. Willkommen im 21. Jahrhundert, willkommen bei „Skyfall“, wo klassische Bond-Elemente mit rasanter Action und modernster Technik vermischt werden, Bond-Fans ebenso begeistert sein werden wie Freunde von harter Action und tiefgründigen Dramen. Warum Mendes zu viele seiner Joker viel zu früh ausspielt, ist ein Problem für sich, aufgrund dessen die spätere Handlung nicht immer zu packen vermag. Temporeich bleibt es aber trotzdem, dank Roger Deakins Kameraaufnahmen, die ein wahrer Blickfang sind, heißer Bond-Girls und dem unberechenbarsten Bösewicht seit „No Country For Old Men“, der erneut psychotisch von Spaniens Schauspielwunderkind Javier Bardem verkörpert wird. Somit hat „Skyfall“ eigentlich alles zu bieten, was man von einem zeitgenössischen Bond erwartet, nur aber eben nicht mehr. Mendes kann nicht alle Elemente überzeugend in Einklang bringen, wodurch das Geschehen nicht vollends überzeugen kann. Ob es nötig ist, auch James Bond eine Herkunft zu verleihen und somit etwas vom Mythos der Figur zu nehmen, muss dabei wohl jeder für sich entscheiden.

Fazit: Im Großen und Ganzen hat der mittlerweile 23. Bond viele Überraschungen, beeindruckende Schauwerte, exotische Locations, rasante Action, aber auch genug ruhige Momente für den anspruchsvollen Connaisseur zu bieten. Man wird halt nur leider nie das Gefühl los, dass aus „Skyfall“ so viel mehr hätte gemacht werden können. Zum Glück wissen Bardem und die brillante Inszenierung des Duos Mendes/Deakins auf kluge Weise die erzählerischen Schwächen und kleinere Logiklücken zu kaschieren. Und Craig darf dieses Mal sogar wieder Gefühle zeigen. Wunderbar!