"Jane Eyre" (GB 2011) Kritik

„I knew you would do me good in some way. I saw it in your eyes when I first beheld you.“

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Cary Fukunagas Interpretation der gleichnamigen Romanvorlage ist ein Fest für Fetischisten epischer Aufnahmen. Düster und hoffnungslos stellt Fukunaga das Leben einer Gouvernante dar. Verrat, Liebe und Dialog dominieren die Neuadaption. Dass bereits der Roman extrem kitschig ist, entpuppt sich recht bald als Hauptproblem von „Jane Eyre“.

Die erste Stunde ist trotz ihrer gemächlichen Erzählweise extrem spannend. Fukunaga versteht es die grausame Kindheit und die innerliche Zerrissenheit der Protagonistin in Bilder zu fassen. Ihr Leben ist traurig und scheint, abgesehen von ihrer Leidenschaft für die Malerei, keine besondere Zukunft bereitzuhalten. Mia Wasikowska spielt die Gouvernante mit sehr viel Einfühlungsvermögen, sie ist extrem präsent, ihre Mimik minimal, jedoch mit maximaler Ausdruckskraft. Auch Michael Fassbender als der wohlhabende Mr. Rochester zeigt hier eine außerordentliche Performance. Die Chemie der beiden Schauspieler ist wunderbar und garantiert einige Lacher.

Leider entpuppt sich das Drama alsbald als unentschlossen und unspektakulär. Irgendwann wartet der Zuschauer nur noch darauf, dass etwas Unfassbares geschieht, denn das deutet Fukunaga den ganzen Film über an. Die Lösung der ganzen Probleme war für mich jedoch ebenso haarsträubend wie uninteressant. Innovation scheint dem Regisseur ein Fremdwort, Kitsch und Klischees gewinnen die Oberhand und trotz der äußerst gelungenen Inszenierung, der starken Darsteller und Dario Marianellis wunderschöner Untermalung hat „Jane Eyre“ ein riesen Manko: Diese positiven Aspekte erreichen zu keinem Zeitpunkt die epische Bebilderung, Untermalung und die umwerfenden Emotionen eines „Abbitte“ oder „Stolz und Vorurteil“. Themen wie Religion, Selbstfindung, Reichtum und das Frauenbild des 19. Jahrhunderts, grob gesagt die typischen Sujets dieser Epoche, werden zu oberflächlich behandelt und wollen irgendwo auch noch modern wirken.

Fukunaga hat im anschließenden Diskurs im Rahmen der gestrigen Publikumspremiere in Berlin von einem neuartigen Ansatz gesprochen. Erkennbar ist dieser allerdings nur geringfügig. Der Film scheint vielmehr aus einem Lehrbuch entstiegen, das schwache Drehbuch lässt den Film langatmig erscheinen, einzig den Schauspielern und Marianellis atmosphärischen Melodien gelingt es, die Adaption auf ein solides Niveau zu hieven. Bleibt zu hoffen, dass Wasikowska und Fassbender ihre Rollen in Zukunft besser wählen, denn hier wurde das Talent der beiden verschenkt.

Bewertung: 5/10 Sternen