"Jeff, der noch zu Hause lebt" (USA 2012) Kritik – Von Dauerkiffern,Workaholics und geheimen Liebeleien

„Shit is alive!“

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Jason Segel ist ein kreativer Kopf, das hat der „How I Met Your Mother“-Star bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler, verfasste der gebürtige Amerikaner auch schon mehrere Drehbücher zu Erfolgs-Komödien wie „Nie wieder Sex mit der Ex“ oder „Fast verheiratet“. Doch auch bei Muppet-Geeks dürfte der hünenhafte Schauspieler einen gewaltigen Stein im Brett haben, schließlich agierte er als treibende Kraft bei der Leinwand-Wiederbelebung der Muppets. Nach vielen Blödel-Komödien wäre es für den lustigen langen Lulatsch durchaus mal an der Zeit, sich an einer ernsteren Rolle zu versuchen. Auch wenn der neue Film der „Cyrus“-Regisseure „Jeff, der noch zu Hause lebt“ kein reines Drama ist, bietet die ruhige Dramödie genug Zeit für den ein oder anderen emotionalen Moment, den Segel geschickt für sich zu nutzen weiß. Abseits von Segels gelungener Darstellung als romantischer Dauerkiffer kann „Jeff, der noch zu Hause lebt“ aber selten begeistern.

Kiffen, Schlafen und auf dem Klo über Shyamalan-Filme sinnieren: Das ist der Alltag des 30-jährigen Jeffs (Jason Segel). So recht weiß der Tagträumer noch nicht, wo ihn das Leben so hinzieht und bis er das weiß, sieht er auch keine Veranlassung dazu aus der Kellerwohnung seines Elternhauses auszuziehen. Ganz anders dessen Bruder Pat (Ed Helms), der schon seit einigen Jahren auf eigenen Beinen steht. Doch auch bei ihm läuft nicht alles wie geplant, denn der egozentrische Workaholic steckt mitten in der Midlife-Crisis und steht kurz davor seine Ehe gegen die Wand zu fahren. Einzig Mutter Sharon (Susan Sarandon) steht fest mit beiden Beinen im Leben. Doch scheinen die ständigen Misserfolge ihrer Söhne auch an ihr nicht spurlos vorbeizugehen. Etwas Abwechslung bringt ein geheimer Verehrer in das Leben der zweifachen Mutter, der ihr am Arbeitsplatz romantische Nachrichten zukommen lässt…

Die Filme der Duplass-Brüder sind irgendwo zwischen Komödie und Drama anzusiedeln. Doch dabei lösen sie oftmals ein seltsames Unbehagen im Zuschauer aus. So wusste man in „Cyrus“ stellenweise nicht, ob man nun leise lachen oder bestürzt auf einige Szenen reagieren sollte. Einen ähnlich unglücklichen Balanceakt unternehmen die Regisseure auch in „Jeff, der noch zu Hause lebt“: Hier wechseln sich dramatische Szenen mit komödiantischen Einlagen ab, ohne dass diese jemals wirklich fesseln, den Zuschauer wirklich emotional packen könnten. Einzig das kleine, geheime Liebesabenteuer von Mutter Sharon an ihrem Arbeitsplatz kann mitreißen. Es ist es direkt niedlich zu sehen, wie die sonst so grimmig dreinblickende Susan Sarandon bei dem Gedanken an einen geheimen Verehrer aufblüht und sich wie ein Highschool-Girl vor dem ersten Date benimmt. Schade, dass dieser Episode nicht mehr Zeit eingeräumt wurde…

Zudem fällt es äußerst schwer mit den Protagonisten dieser Dramödie mitzufühlen. Wenn sich Dauerkiffer Jeff auf eine Suche nach seinem Schicksal in obskuren Deutungen der shyamalanschen Filmwelt verliert und sich durch seinen Schicksalsglauben permanent in Schwierigkeiten bringt, denkt man sich höchstens „selber schuld“. Wenigstens sind dessen Eskapaden dank Jason Segel noch nett anzusehen, denn dieser gibt sich sichtlich Mühe aus seiner Rolle noch das Beste herauszuholen und kann erstaunlicherweise besonders in den ruhigen Momenten vollends überzeugen. Anders hingegen die Abschnitte mit Ed Helms, denn wie schon in den „Hangover“-Teilen versucht dieser fehlende Komik durch Lautstärke und permanentes Over-Acting zu kompensieren und zerrt damit schon nach wenigen Minuten an den Nerven des Publikums. Wenn dieses lautstarke Nervenbündel sich auch noch als arroganter Egozentriker erweist, dann kann man nur zu gut verstehen, warum dessen Frau so erpicht darauf ist, die Beziehung zu beenden. Statt Mitgefühl kommt da eher die Frage auf, wie diese Verbindung überhaupt zustande kommen konnte.

Doch bis zum „großen“ Finale muss der Zuschauer viel Zeit mit den Protagonisten verbringen, und so zieht sich die ohnehin recht kurz bemessene Spielzeit von 86 Minuten zäh wie Kaugummi. Das macht auch der minimalistische Xylophon-Soundtrack nicht besser, der in einer Endlosschleife zu stecken scheint und bereits nach kurzer Zeit eine eher einschläfernde Wirkung hat. Wenn es dann in den letzten 15 Minuten plötzlich hoch hergeht, erwacht man noch einmal aus seiner Lethargie, nur um dann festzustellen, dass auch dieses Finale sprichwörtlich im Indie-Kitsch zu ersaufen scheint. Wenn dann schlussendlich wieder alles beim Alten ist, sich nichts und niemand geändert hat und Jeff immer noch zu Hause lebt, ja sogar noch bestärkt wurde in seiner eigenwilligen Weltansicht, fragt man sich, warum man sich diesen Film überhaupt angetan hat.

Fazit: Seichte Kiffer-Odyssee gefangen zwischen Komödie und Drama, die nie richtig in Fahrt kommen will. Wer schon mit „Cyrus“ nichts anfangen konnte, sollte einen großen Bogen um „Jeff, der noch zu Hause lebt“ machen.

Bewertung: 4/10 Sternen