"John Carter – Zwischen zwei Welten" (USA 2012) Kritik – Kostspieliger Ausflug auf den roten Planeten

„You are ugly, but you are beautiful“

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Der amerikanische Schriftsteller Edgar Rice Burroughs dürfte vielen wohl besser bekannt sein als Schöpfer des legendären Lianenschwingers Tarzan, der inzwischen seit nunmehr 100 Jahren im dichten Dschungel Afrikas für Recht und Ordnung sorgt. Doch neben dem Affen-Adoptivsohn hat der langjährige Pulp-Autor noch weitere Figuren kreiert, die sich zwar in Amerika großer Beliebtheit erfreuen, ihren Bekanntheitsgrad jedoch nie über die Landesgrenzen hinaus ausdehnen konnten. So hätte man in Deutschland sicher bis vor kurzem auf die Frage nach der berühmten Roman-Figur John Carter nur ein fragendes „John Wer?“ zurückbekommen. Doch das soll sich aber demnächst ändern, zumindest wenn es nach den Disney-Studios geht. So plant der mausgesichtige Konzern den Mars-Abenteurer Carter auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen und hat dafür schwere Geschütze aufgefahren. Sagenhafte 250 Millionen US-Dollar soll „John Carter – Zwischen zwei Welten“ gekostet haben, eine Summe, die einiges erwarten lässt, schließlich katapultiert sich der Streifen damit in die Top 5 der teuersten Filme aller Zeiten. Und tatsächlich: Rein optisch ist „John Carter – Zwischen zwei Welten“ ein wahrer Hochgenuss. Zu genießen gibt es aber außer schönen Bildern wenig, denn was hier unter der Regie von Pixar-Drehbuchautor und Regisseur Andrew Stanton („Wall-E“) entstanden ist, ist ein fantasieloses Weltraum-Abenteuer, das verzweifelt nach seinem Zielpublikum sucht.

Der Bürgerkriegs-Veteran John Carter (Taylor Kitsch) hat es faustdick hinter den Ohren: Fechten, Reiten, Schießen, alles kein Problem für den kampferprobten Tausendsassa. Doch was nützen einem diese Talente, wenn der Krieg vorbei ist? Geld muss her, also versucht sich Carter als Goldgräber und Schatzsucher und entdeckt dabei eine eigenartige Höhle. Hier stößt er auf einen seltsam gekleideten Mann, dem er nach einem kurzen Kampf ein merkwürdiges Artefakt entreißen kann, welches ihn auf die Oberfläche eines fremdartigen Planeten befördert, der von seinen Bewohnern Barsoom genannt wird. Hier trifft der Abenteurer nicht nur auf fremdartige Kulturen und seine große Liebe, sondern wird auch noch in ein Komplott von universellem Ausmaß verstrickt…

Disney geht mit John Carter ein gehöriges Risiko ein: 250 Millionen US-Dollar, Werbekosten nicht mit eingerechnet, sind auch für einen Giganten wie Disney kein Pappenstiel, und wie leicht man sich bei einem solch gewagten Unterfangen verkalkulieren kann, hat Warner Bros. Studios 2011 mit der Comic-Verfilmung „Green Lantern“ vorgemacht. Dennoch scheint man bei Disney an den Erfolg von „John Carter – Zwischen zwei Welten“ zu glauben, schließlich gab man bereits ein Drehbuch zu einer Fortsetzung in Auftrag. Eine aggressive und vor allem kostspielige Werbekampagne soll den Erfolg garantieren, natürlich inklusive Super-Bowl-Werbespot, man gönnt sich ja sonst nichts. Und sollte das nicht funktionieren, hat man immer noch ein As im Ärmel: Andrew Stanton, Regisseur und Drehbuchschreibar der Animationsschmiede Pixar.

Mit „Findet Nemo“ und „Wall-E“ hat Andrew Stanton bereits bewiesen, dass er in der Lage ist, kommerziell erfolgreiche Filme zu drehen, die generationsübergreifend Zuschauer begeistern. Dieses Talent möchte man sich natürlich auch bei „John Carter – Zwischen den Welten“ zu Gute machen, schließlich gibt es kaum größere Einnahmequellen, als familientaugliche Abenteuerfilme à la „Fluch der Karibik“. Eine Rechnung, die leider nicht aufgehen will, denn was Stanton da zusammengeschustert hat, leidet an den gleichen Krankheiten wie seinerzeit „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“. Größtes Problem: Die stellenweise recht düstere und verworrene Handlung möchte irgendwie gar nicht zum familientauglichen Figurendesign passen. Auch ist der Gewaltanteil für einen familienfreundlichen Film im Endeffekt zu hoch ausfallen, wohingegen alle, die sich auf eine epische Science-Fiction-Schlachtplatte gefreut haben, schnell von den süßen Kulleraugen-Aliens und wandelnden Catchphrase-Außerirdischen genervt sein dürften, die die wunderbar animierte Oberfläche des roten Riesen bevölkern. Wenigstens unter rein technischen Gesichtspunkten hat sich das Special-Effects-Team um Regisseur Andrew Stanton wenig vorzuwerfen. So ist der Wüstenplanet Barsoom wirklich meisterlich animiert, allein die riesigen Felsen-Plateaus und besonders die wandelnde Stadt sind ein Augenschmaus, den man unbedingt auf einer großen Leinwand genossen haben sollte.

Auch beim Cast hat man natürlich keine Kosten und Mühen gescheut und so verwundert es kaum, dass selbst die kleinsten Nebenrollen noch prominent besetzt worden sind. In der Hauptrolle hat man sich für den bisher eher unbekannten Taylor Kitsch („X-Men Origins: Wolverine“) entschieden und der liefert eine solide Vorstellung. Als Bürgerkriegsveteran mit jugendlichem Schlag und markanten Sprüchen, dürfte er es wohl nicht schwer haben, schnell die Sympathien des Publikums zu gewinnen. Leider kann man Taylor Kitsch den raubeinigen Bürgerkriegsveteranen nicht immer abkaufen, besonders dann nicht, wenn er auf Grund seiner irdischen Abstammung auf dem Mars wie ein Flummi umher hüpft, was dann und wann schon mal für einen unfreiwilligen Lacher sorgt.

Die prominente Besetzung der Nebencharaktere entpuppt sich schnell als reine Kosmetik, denn nicht einer der Schauspieler vermag auch nur ansatzweise sein Potenzial auszuschöpfen. Egal ob Brian Cranston („Breaking Bad“), Willem Dafoe („Spider-Man“), Thomas Haden Church („Sideways“) oder Dominic West („The Wire“), alle scheinen in ihren Rollen regelrecht verschenkt, auch wenn Willem Dafoe als Thark-Anführer Tars Tarkas wenigstens noch genügend Spielzeit zugestanden bekommt, um seinem grimmig-grünen Alien ein wenig Leben einzuhauchen. Besonders schlimm getroffen hat es, wie so oft, Mark Strong („Green Lantern“). Wieder einmal als Klischee-Bösewicht von der Stange unterwegs, muss der Charakter-Schauspieler diesmal noch zu großen Teilen auf sein unverkennbares Mienenspiel verzichten, da seine Figur, der Weltenlenker Matai, durch einen permanenten Wachsüberzug (?) im Gesicht nur zu äußerst limitierten Gefühlsregungen imstande ist.

Fazit: Außen hui, innen pfui. Selbst die herrlichen Animationen können „John Carter – Zwischen den Welten“ nicht mehr retten. Bleibt zu hoffen, dass der angekündigte zweite Teil nicht mehr als eine leere Drohung bleibt!

Bewertung: 4/10 Sternen